Grönland 2015 – Tag 11

#67

Wir befinden uns nun wieder ein gutes Stück weiter südlich und sind auf dem Weg nach Upernavik. Damit uns Passagieren die Zeit nicht zu lang wurde, beschloss die Crew einen kleinen Landgang zu ermöglichen, bei dem die Chance wohl sehr hoch sein sollte, Moschusochsen zu sichten. Und tatsächlich, während wir auf die Landzunge zuhielten, tauchten die ersten schwarzen Punkte auf. Die Crew versuchte nun mit möglichst gedämpften Lärm einen Ankerplatz zu finden, um die Tiere nicht zu verschrecken. Selbst auf der Zodiacfahrt zum Landungsplatz wurde versucht, den Geräuschpegel auf das Minimalste zu beschränken. Wie man hier sieht, waren sämtliche Bemühungen erfolgreich. Selbst als wir am Strand standen, hatten uns die Tiere, auch Dank des günstigen Windes, nicht bemerkt. Erst als die dritte und letzte Gruppe mit dem Zodiac eintraf, wurden die Moschusochsen auf uns aufmerksam und suchten ihr Heil in der Flucht. Unsere Entfernung vom Strand bis zum nächsten Tier betrug bei dieser Aufnahme etwa 400m. Schön auf der Aufnahme ist auch die fast schon sattgrüne Weide zu erkennen. Laut unserem Expeditionsleiter sind für dieses Grün wohl Vögel verantwortlich, die sich auf dieser Seite des Hanges ihre Nistplätze suchten, so dass nach und nach sich eine Schicht Erde auf dem Gestein bilden konnte. Direkt gegenüber sah es nämlich aus, wie im folgenden Bild zusehen.

#68

Die Kontraste waren schon frappierend. Die Hütte, welche auf der Aufnahme zu sehen ist, ist eine der Jagdhütten, die man in ganz Grönland immer wieder findet. Diese hier sieht zwar aus der Ferne recht baufällig aus, wird aber noch sehr häufig genutzt, wie uns der Unrat in der unmittelbaren Umgebung zeigte. Wie bereits bemerkt, ist der Platz für diese Hütte an dieser Stelle natürlich mehr als sinnvoll. Unter uns Passagieren machte im Anschluss das Gerücht die Runde, dass es möglicherweise zum Abend Moschusochsen geben könnte, schließlich war uns der Kapitän höchstpersönlich an Land gefolgt, wie unsere Guides ebenfalls bewaffnet. Allerdings hatte der Kapitän nicht den Auftrag das Abendessen zu erlegen, sondern war als Personenschutz unserem Kleinkind zugeteilt.

#69

Mal wieder unsere Rembrandt, ohne Eisberge hätte auch diese Aufnahme das Zeug, Sommergefühle zu wecken. Dazu sollte gesagt werden, dass es auch an jenem Tag wieder ausgesprochen warm wurde, 14°C, allerdings nahm der Wind nun stetig zu, so dass das Meer sich auch wieder anfing etwas mehr zu bewegen. Dies führte bei der Rückfahrt vom Landungsplatz zur Rembrandt schließlich dazu, dass eine recht ansehnliche Welle unser Zodiac von hinten einfach komplett überspülte. In jenem Moment trennte sich bei den Ausrüstungsgegenständen die Spreu vom Weizen. Mein 30€-Fotorucksack war danach zwar unbrauchbar, meine Kamera jedoch stäubchentrocken und mein Puls irgendwo bei 250. Aber witzig war es schon auch irgendwie.

#70

Als die Moschusochsenherde uns bemerkte, ergriff sie natürlich die Flucht, ließ es dabei aber derartig gemächlich angehen, dass es auch für mittlerweile seit 11 Tagen gemästete Touristen ein leichtes war, ihnen zu folgen. Kurze Zeit später stießen wir erneut auf „unsere“ Herde, diesmal keine 200m entfernt, allerdings ein gutes Stück den Hang hinunter, so dass genug Zeit für uns geblieben wäre, hätte der Leitbulle uns verscheuchen wollen. Später erfuhren wir, dass in Grönland jedes Jahr mehr Menschen durch Moschusochsenangriffe sterben als durch Eisbären. Insbesondere in der Paarungszeit werden die Bullen (wobei man hier wohl eher von Böcken sprechen müsste) sehr schnell hoch aggressiv. Unser netter mitgereister Däne, der sechseinhalb Jahre in Grönland lebte, erzählte uns am Abend an der Bar noch die ein oder andere Moschusochsenjagdgeschichte, an deren Ende wir uns nicht selten vor lachen kaum noch auf den Stühlen halten konnten. Fakt ist aber: Wenn diese mehrere hundert Kilogramm schweren Tiere ihre dicken Schädel zum Angriff senken, möchte ich nicht das Zielobjekt sein.

#71

Den Abschluss diese Serie und damit auch des Tages, zeigt die Aussicht, die wir von unserer kleinen erklommenen Anhöhe hatten, von der wir auch die Moschusochsen beobachteten. Mit zunehmender Dauer auf dieser Anhöhe, wandte sich ein Passagier nach dem anderen von den Tieren ab und suchte sich in nicht allzu großer Entfernung ein kleines gemütliches Plätzchen und genoss einfach die sich bietende Aussicht im strahlenden Sonnenschein. Nach einer guten Weile versammelte sich nun unsere Touriherde und begab sich auf den Rückweg zur Landungsstelle, wurde von den Zodiacs abgeholt, was sich immer komplizierter darstellte, da die See minütlich rauer wurde und kam schließlich wohlbehalten an Bord der Rembrandt an. Über Nacht stand wiederum eine ordentliche Distanz an, welche bewältigt werden wollte, um am nächsten Tag am Vormittag schließlich Upernavik zu erreichen.

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