Grönland 2015 – Tag 13

#79

Entgegen der Ankündigung von Crew und Guides erwartete uns im Uummannaq-Fjord ebenso wenig Seegang wie auf der offenen See tags zuvor, was einige der Passagiere mit sichtbarer Erleichterung aufnahmen. Für den heutigen Tag war ein etwas ausgedehnterer Landgang in der kleinen Siedlung Niaqornat geplant. Eine Siedlung mit 40 Einwohnern, von denen die Hälfte in etwa sich auf der Jagd befand. Als unsere gesamte Gruppe am Strand versammelt war, hatte man den Eindruck, wir überrennen dieses kleine Idyll. Die Aufnahme entstand vom Strand aus und zeigt, natürlich, die Rembrandt im Eis. Hierzu sei kurz erwähnt, dass auch der Uummannaq-Fjord durch riesige Gletscher entstand, die noch immer sehr produktiv sind. Daher entstand die Idee, in Niaqornat vor Anker zu gehen, da diese kleine Siedlung von zwei Seiten angefahren werden konnte. Wie man später auf Bildern noch sehen wird, wäre es vielleicht ein wenig stressfreier gewesen, für die Crew, auf der anderen Seite anzulanden. Das Eis was auf dem Bild zu sehen ist, trieb nämlich sehr unvorteilhaft in Richtung Rembrandt. Hatte allerdings den Vorteil, dass wir uns ein weiteres Mal von den nautischen Fähigkeiten unseres Kapitäns überzeugen konnten.

#80

In der Ortschaft selbst, erhielten wir etwas Zeit uns umzusehen und trafen ein paar Minuten weiter auf diese putzige Familie.Innerhalb von 34s waren sämtliche Welpen verteilt, wobei die Mama sicher etwas dagegen gehabt hätte, hätten wir unseren Plan in die Tat umgesetzt. Meiner war übrigens der kleine Kerl ganz rechts, der kaum zu sehen ist. Vielleicht noch ein Wort zu den Schlittenhunden. Diese haben mit den allseits bekannten Huskys nur wenig gemeinsam, sind viel gedrungener und wirken massiger. Während der Sommermonate bekommen die Tiere lediglich einmal in der Woche etwas zu fressen, da es keine Aufgaben für sie gibt und sie im Prinzip nur auf der faulen Haut liegen. Bekämen sie mehr zu futtern, wären sie im Winter nicht mehr in der Lage zu laufen und dabei Schlitten zu ziehen. Diese Schlitten sind in diesem Teil Grönlands im Winter im Prinzip das einzige wirklich zuverlässige Fortbewegungsmittel. Es gibt zwar auch Schneemobile, aber die verfügen nicht über den Instinkt eines Schlittenhundes. Sind auf jeden Fall ganz tolle Tiere, lediglich ihre Lebenserwartung ist mit 6-7Jahren nicht sonderlich hoch.

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Nach dem wir dann die Ortschaft ausreichend erkundet hatten, wurde unsere Gruppe wieder aufgeteilt, während die eine Gruppe es gemütlicher anging und lediglich den kleinen Felsen direkt neben der Ortschaft erklomm, machte sich die andere Gruppe auf die Socken, um den ein oder anderen Berggipfel zu erstürmen. Hier sieht man nun den Teil der Gipfelstürmer, dem ich mich ebenfalls anschloss. Die kaum zu erkennende helle Linie im Bild ist übrigens ein Pfad.

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Hier nun das unmittelbare Hinterland Niaqornats. Wir mussten zunächst gute 50-75m in die Höhe wandern, dann wurde die Felsenküste wieder etwas ebener. Dabei bot sich uns schließlich dieser Blick, laut Denis, unserem Geologenguide, sind dies die Spuren eines verschwundenen Gletschers. Wiederum eine völlig andere Landschaft, die sich uns bot, als wir sie bisher sahen. Durch diese Berge verlief auch eine Frischwasserleitung, die die kleine Siedlung mit Trinkwasser versorgt. Während dieser Wanderung entspann sich dann das interessante Spielchen, dass wir als Gruppe immer noch einen Gipfel, bzw. Höhenkamm weiter wollten, um einen noch besseren Ausblick auf Niaqornat zu bekommen. Daraus entspann sich dann eine dreieinhalb stündige Wanderung, in der sich unser Expeditionsleader den Unmut des Kapitäns zuzog. In den folgenden Bildern wird auch deutlich warum.

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Hier lässt sich erahnen, weshalb der Kapitän immer ungehaltener wurde, als unsere Gruppe nicht zur vereinbarten Zeit zurückkehrte. Die drei großen Eisbrocken vor der Rembrandt haben sich aufgrund eines Wechsels der Windrichtung nämlich dazu entschieden, unsere Landungsseite der Siedlung abzusperren. So gewaltig mögen diese Brocken von oben erst mal nicht aussehen, auf unserem Schiff stehend, wurde uns dann aber doch etwas anders. Zum einen, weil bekanntlich ja nur 10% des Eises aus dem Wasser ragen und diese drei Brocken ein Vielfaches an Gewicht im Vergleich zur Rembrandt auf die Waage brachten. Ums mal etwas dramatisch auszudrücken, wären wir eine Stunde später an Bord zurückgekehrt, hätte es durchaus passieren können, dass wir nicht mehr aus der Bucht herausgekommen wären.

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Diese Aufnahme verdeutlicht noch mal etwas die Größenverhältnisse, die uns während unserer Wanderung umgaben. Wahrlich beeindruckend diese Felswände. Mitunter hatte ich den Eindruck mich wie Frodo und Sam auf dem Weg nach Mordor zu befinden, denn je weiter wir auf unserer Wanderung kamen, desto dunkler verfärbte sich der Himmel, was die tiefschwarzen Bergwände gleich noch um einiges gefühlt in die Höhe wachsen ließ. Und während wir so durch diese Einöde wanderten, gab es einen sehr lauten Knall, den sich erst mal keiner von uns erklären konnte, auch nicht unser Expeditionsleiter. Auf dem nächsten Aussichtspunkt mit Blick auf die Rembrandt, wussten wir dann, was so fürchterlich geknallt hatte.

#85

Dies war nun der letzte Berg, den wir erklommen und der ganz gut dazu beitrug, dass wir sehr viel später als geplant zurückkehrten. Der Aufstieg war ziemlich spannend, da auch dieser Berg bis kurz vor dem Gipfelplateau nur aus losem Geröll bestand. Hier hatten wir allerdings den Vorteil, dass es der Fels nicht aus brüchigem und porösem Schiefer bestand und dass es kurz vor unserer Ankunft noch reichlich geregnet hatte. So war es weder staubig, noch sonderlich scharfkantig. Ganz einfach war es dennoch nicht, dort hoch zu kommen, aber Spaß hat es allemal gemacht. Hinzu kommt, dass sich auch unser Expeditionsleiter etwas heraus gefordert fühlte, er zwar schon vom Kapitän die Ansage erhielt, umzudrehen, bevor wir überhaupt anfingen diesen Berg emporzuklettern, kurzzeitig auch mit dem Gedanken spielte kehrt zu machen, letztlich aber das Funkgerät abschaltete und uns Touris auch noch diesen Ausblick gönnte.

#86

Diese Aufnahme zeigt noch mal sehr schön die Tiefe der Eisberge und die wundervolle Färbung. Auch sieht man hier sehr gut, weshalb diese Eisberge so gefürchtet sind in der Seefahrt, nicht erst seit dem die Titanic versank. Von einem erhöhten Standpunkt aus, kann man die Ausmaße der treibenden Kolosse ganz gut erkennen, befindet man sich auf gleicher Höhe wird dieses um einiges schwieriger.

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Nein, unser Schiff hat nichts abbekommen, aber der kleinere Eisberg in der Bucht, war urplötzlich in vier Teile zerplatzt. Dies führte dazu, dass nun unsere Crew wiederum erhöhte Aufmerksamkeit walten lassen musste, da die kleineren Eisbrocken gefährlich dicht an Ruder und Schiffsschrauben trieben. Mit allerhand Zodiackraft und viel Einsatz, schafften es unsere Seemänner aber, die Stücke von den empfindlichen Teilen des Schiffes fernzuhalten. War aber schon ein spannendes Spektakel von unserer erhöhten Aussichtsposition. Auf der Aufnahme selbst ist nun auch noch mal die Siedlung Niaqornat zu sehen, in der wir auch einen Ingenieur trafen, der sehr gut Englisch sprach. Er ist für die Generatoren in der Siedlung verantwortlich, die den Strom für die Haushalte liefern. Auf die Frage hin, weshalb er hierher gezogen sei, antwortete er, dass seine Frau hier geboren worden sei und sie sich hier kennengelernt haben, er selbst stammt ursprünglich aus Nuuk. Wir wurden nun neugierig und fragten noch ein wenig weiter, wie man aus Nuuk, der Hauptstadt, in diese Ecke Grönlands kommt um hier eine Frau kennenzulernen. Einfache Antwort: Übers Internet, durch eine Datingseite. Der technologische Fortschritt lässt sich halt nicht aufhalten. Ihm geht es aber gut in Niaqornat, Nuuk war ihm auf Dauer zu hektisch und viel zu wuselig, mit den 16.000 Einwohnern.
Als wir schließlich ziemlich kaputt wieder an Bord zurückkehrten durften wir direkt im Anschluss beobachten, wie unser Kapitän nahezu meisterlich aus der engen und verstopften Bucht heraus manövrierte und wir nun Kurs auf Qilakitsoq nahmen.

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