Grönland 2015 – Tag 14

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Den Rest des Abends des 13. Tages nutzten wir, um weiter in den Uummannaq-Fjord hinein zu segeln, so dass wir am Morgen direkt nach dem Frühstück einen kleinen Landgang nahe Qilakitsoq unternahmen. Die Stelle, an der wir landeten, wurde berühmt durch den Fund einiger Mumien aus dem 15. Jahrhundert, in den 60er Jahren. Ihnen verdankt die grönländische Geschichtsschreibung eine reale Vorstellung der damaligen Kleidung, Ernährung und vieles weiteres mehr. Die Mumien selbst wurden lange Zeit in Kopenhagen ausgestellt, bis sie später den Weg zurück nach Grönland fanden und heute in einem Museum in der Hauptstadt Nuuk zu besichtigen sind. Ich glaube ich muss nicht extra erwähnen, dass es ein ziemliches politisches Tauziehen über den Ausstellungsort der Mumien gab. Wie man sieht, hat sich mittlerweile das Wetter wiederum verschlechtert, was dazu führte, dass eine Mitreisende und ich, wie schon in Ilulissat, allen anderen Mitreisenden mit unserem Optimismus bezüglich Sonnenschein auf die Nerven gingen. Wie man an späterer Stelle sehen wird, lagen wir auch diesmal wieder goldrichtig.

#89

Wie auf dem Bild unschwer zu erkennen ist, wandelten wir auf einem kleinen grünen Flecken in einer sonst eher felsig geprägten Landschaft. Um den akademischen Grabenkämpfen ein wenig Futter zu geben, verstieg sich unser Geologenguide zu der Aussage, dass es als Archäologe in Grönland viel einfacher sei, im Vergleich zur mühseligen Arbeit der Geologen. Archäologen müssten in Grönland lediglich nach grünen Flecken suchen und werden mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit irgendwelche Überreste menschlicher Zivilisation finden. Und tatsächlich, das gesamte Areal ist als archäologische Grabungsstätte ausgewiesen, wie auch noch einige weitere Plätze, wobei es allerdings mehr Grabungsstellen als nach Grönland reisende Archäologen gibt. Leider habe ich mich vor zehn Jahren für ein Geschichtsstudium entschieden, was bei näherer Betrachtung eigentlich ziemlich sinnlos war. Sich vor solchen Hintergründen durch die Erde zu wühlen und versuchen zu verstehen, weshalb und wie Menschen vor 500 Jahren an diesen unwirtlichen Stellen siedelten, muss ein kaum in Worte zu fassendes Gefühl sein.

#90

Der Ausflug selbst dauerte nicht allzu lange, da es an dieser Stelle nicht viel mehr zusehen gab, als eben dieses kleine, grüne Fleckchen und die leeren Gräber, kehrten wir recht wieder zurück aufs Schiff. Wie bereits im Bild vorher ersichtlich, trieben wieder eine Vielzahl recht ansehnlicher Eisbrocken um unser Schiff herum. Dies nutzten unsere Zodiacfahrer bei der Rücktour aus, um uns ein wenig dichter an diese prachtvollen Naturmonumente heran zu bringen. In diesem Bild ist nun auch unser zweites Zodiac zu sehen und vermittelt dadurch ein wenig die Größenrelationen. Als Randnotiz, während wir bei der Landung noch mit Nieselregen erquickt wurden, hatte dieser bereits bei der Rücktour zum Schiff den Rückzug angetreten, so dass wir nur noch einen mausgrauen Himmel betrachten durften. Im Anschluss lichtete unsere Crew den Anker und ging auf Kurs Richtung Uummannaq, einer 1300-Einwohner-Stadt, die durch den sehr markanten Fels, an dessen Fuße die Stadt entstand, einige, besonders visuelle, Berühmtheit erlangte.

#91

Nach dem an Bord eingenommen Mittagessen ging es nun am Nachmittag in die Stadt Uummannaq, eine wirkliche kleine Perle, wie ich finde, trotz des Wetters. Als kleine Randnotiz: Ursprünglich war eigentlich gar kein Ausflug in den Uummannaq-Fjord und in gleichnamige Stadt geplant. Erst auf Drängen einiger aus unserer Reisegruppe, ließen sich Kapitän und Expeditionsleiter umstimmen. Wahrlich ein weise und glückliche Entscheidung, die mich erneut darin bestärkte, Reisen nur in sehr übersichtlicher Gruppengröße anzutreten.
Wie auf dem Bild zu erkennen, hielt sich das sehr trübe und diesige Wetter, trotz des Optimismus, den ich mir zusammen mit einer weiteren Mitreisenden nicht nehmen lassen wollte. Auf dem Bild ist die Hafeneinfahrt zu sehen, die, wie in größeren Häfen in Grönland üblich, von zwei Seiten zu befahren ist. Betrachtet man die Giganten aus Eis im Hintergrund, versteht man auch, weshalb zwei Einfahrten definitiv eine schlaue Idee sind. Es kam wohl aber auch schon vor, dass sich EIN Eisberg vor BEIDE Einfahrten schob und somit das Ein- und Auslaufen unmöglich wurde.

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Im Städtchen selbst stand uns Reisenden zunächst etwas frei verfügbare Zeit zu, die einige von uns im Museum verbrachten und andere der kleinen aber sehr schön eingerichteten Kirche einen Besuch abstatteten. Ich gehörte zu den anderen und kam in den Genuss eines kleinen Orgelkonzertes, da sich der ortsansässige Küster nicht lange bitten ließ und ein wenig christliches Liedgut zum Besten gab. Ein sehr andächtiger Moment.
Im Anschluss an die Freizeit bestand die Möglichkeit, sich auf eine kleine Wanderung zu begeben und Santa Claus einen Besuch abzustatten. Dazu muss man sagen, dass in Uummannaq tatsächlich der RICHTIGE Santa Claus wohnt. Die ganzen Hütten in Schweden, Finnland und sonst wo sind lediglich Außenstellen, da auch Santa Claus bewusst ist, dass Grönland nicht sonderlich einfach zu erreichen ist. Aber nur hier in Uummannaq hat man die Möglichkeit den echten Santa Claus zu treffen. Der Weg dorthin ist mit leuchtend roten Punkten gekennzeichnet und auch recht gut zu bewältigen. Da wir uns mittlerweile auch nicht mehr in einer Eisbärregion befanden, nutzte ich die Gelegenheit, mich ein wenig von der Gruppe abzusetzen und etwas voran zu laufen.

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Nach etwa einer Stunde Fußmarsch war nun auch Santa Claus‘ Hütte sichtbar. Es ist der kleine grüne Fleck im Bild. Der rote leuchtende Punkt ist eine Fischer-/Jagdhütte. Wie eben schon beschrieben, hatte ich mich ein wenig abgesetzt, so dass ich tatsächlich als einer der ersten an der Hütte ankam und auf Santa Claus stieß. Wir unterhielten uns eine Weile, bis er bemerkte, dass eine Gruppe von 10-15 Leuten auf seine Hütte zusteuerte. Er entschuldigte sich bei mir und suchte dann schnell das Weite. Schließlich wohnt er in Grönland um seine Ruhe zu haben, wie er mir auf dem Sprung noch kurz erklärte…
Jetzt ernsthaft: Die Hütte war natürlich unbewohnt, aber sehr hübsch hergerichtet, inklusive eines Wünschebuches, in welches man seine Wünsche eintragen konnte, die Santa erfüllen soll.

#94

Als wir nach der Wanderung an Bord zurückkehrten, machte das Gerücht die Runde, dass fpr den Abend noch eine Überraschung geplant sei, die sich aber keiner der anwesenden Gäste so richtig erklären konnte. Schließlich tauchten einige einheimische Kinder in der Nähe der Rembrandt auf und es erhärtete sich der Verdacht, dass eine folkloristische Einlage geplant war. Und tatsächlich, das Kinderhaus Uummannaq ließ uns in den Genuss einer kleinen Aufführung kommen, in der die Gruppe zum einen traditionelle Gesänge und Tänze darbot, zum anderen aber auch moderne Elemente in die Aufführung mit einfließen ließ, so dass sich eine wunderbare Mischung ergab, die meine Befürchtung der üblichen Tourifolklore nicht mal im Entferntesten bestätigte. Hinzu sei noch der Hinweis gegeben, dass das Kinderheim Uummannaq mit diesen Darbietungen weltweit auf Tournee geht und unter anderem auch schon Hawaii besuchte.
Wie bereits auf Bild #94 zu erahnen, kämpfte sich die Sonne zum Ende des Tages hin durch die doch recht stattliche Wolkendecke und meine Mitreisende und ich behielten recht, mit unserem Optimismus.

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Wie schon angedeutet, behielten meine Mitreisende und ich mit unserem Optimismus recht. Was nun folgte war ein Sonnenuntergangsszenario, dass ich selten in so einer Intensität erleben durfte. Auf jenem Bild oben ist das Städtchen Uummannaq zu erkennen, direkt unter der Felswand steht Santa Claus‘ Häuschen und dort lagen wir tags zuvor vor Anker. So fürchterlich viel mehr Worte möchte ich zu den nächsten Bildern eigentlich auch nicht mehr verlieren. Lediglich, dass es für mich nach dem Morris-Jesup-Gletscher der beeindruckendste Tag der Reise war. Daher nun weniger Worte und mehr Bilder.

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Nicht ganz scharf das Bild, aber egal, lag wohl an den an jenem Abend doch recht rapide sinkenden Temperaturen. Dieser freundliche Zeitgenosse enterte am späten Abend unser Schiff. Hintergrund hierfür: Eine der Mitreisenden wartete die gesamte Reise darauf, einen Eisbär zu sehen, was aber, zum Glück oder leider, nicht klappte. Lediglich eine Fährte bekamen wir zu sehen, und den Hinweis, dass in der Thule-Gegend ein Bär vor einer Woche an der Küste umher schlich. Mehr aber auch nicht. Da wir nun unsere Reise fast schon beendet hatten, und die Chance einen Eisbären zu entdecken gegen null ging, besorgte ich in Uummannaq einen Eisbären aus Stoff und konnte damit die traurige Miene aufhellen, sobald das Thema „Eisbär“ an Bord aufkam. Es war wohl aber auch der erste Versuch meinerseits mit der einsetzenden Melancholie hinsichtlich des Endes der Reise fertig zu werden.

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