Grönland 2015 – Tag 15

#106

Am nächsten Morgen stand direkt nach dem Frühstück eine Landung in Björnefaelden an, was mit einer kleineren Geschichtsstunde einher ging. An diesem Landeplatz gibt es zum einen eine merkwürdige Hütte mit dicken Steinmauern aus der Zeit der Wikinger zu sehen. Das kuriose an dieser Hütte, es gibt noch immer keinen Anhaltspunkt, wofür diese Konstruktion gedient haben mag. Einige Vermutungen deuteten auf eine Bärenfalle hin, diese Vermutungen erwiesen sich aber nicht als stichhaltig. Wesentlich spannender fand ich aber die auf dem Foto zu sehenden Überreste einer alten Siedlung. Hier gibt es sehr starke Hinweise auf eine Vermischung der Thule- und Wikingerkultur, die nicht auf kriegerischen Auseinandersetzungen beruht. Im Gegenteil, möglicherweise wären in diesen Ruinen und Überresten Hinweise zu finden, die auf wirtschaftliche Beziehungen zwischen diesen beiden Kulturen hindeuten. Tatsächlich bleibt aber all dies nur Spekulation, da dieses Ruinenfeld archäologisch noch nicht erschlossen ist und wohl auch sobald nicht wird. Eigentlich ein Jammer.

#107

Auf dieser Landzunge, auf der wir uns wandernd bewegten, gab es wohl vor zwanzig bis dreißig Jahren noch eine kleinere Siedlung, wie man sie aus anderen Ecken Grönlands kennt. Diese wurde aber wohl nach und nach verlassen, die meisten ehemaligen Bewohner leben nun in Uummannaq oder weiter südlich, in Aasiaat oder auch der Hauptstadt Nuuk. Übrig geblieben sind allein die Holzkreuze eines Friedhofes.

#108

Hier nun die letzten Überreste der Siedlung. Wie man auf diesem Bild sehr schön erkennen kann, das Wetter war wieder eine wahre Pracht und für die Wanderung von knapp zwei Stunden, reichte tatsächlich auch ein einfacher Pullover. Nur zum Ende unserer Wanderung, als wir noch eine halbe Stunde freie Zeit eingeräumt bekamen, und ich mich ganz nach vorn auf eine der Klippen begab, wurde es etwas zügiger. Zu diesen Klippen noch ein kleines Anekdötchen: Ich nutzte wie schon beschrieben die Möglichkeit noch mal etwas schneller durch die Gegend zu laufen und kam schließlich an die klippenartige Abbruchkante einer kleinen Halbinsel. Dort saßen bereits zwei weitere Mitreisende, ließen sich die Sonne ins Gesicht scheinen, den Wind um die Nase pfeifen und genossen die absolute Stille. Nach und nach wurden wir drei dann aber von der restlichen Reisegruppe eingeholt und es mehrten sich die Pärchen, die laut schnatternd ihre Pläne für die kommenden Wochen in den Wind plapperten, so dass wir drei uns nur kurz anschauten und schleunigst die Flucht ergriffen, bevor das Gefühl der völligen Ruhe verloren ging.

#109

Obiges Bild ist mit Sicherheit keiner fotographische Meisterleistung, man erkennt allerdings auf jenem Bild sehr schön, die einzelnen verschiedenen Gesteinsschichten, die sich im Laufe der Jahre übereinander lagerten und diese bizarre Landschaft formten. Ich denke, man kann sogar ein Stück weit nachvollziehen, warum unser Geologeguide seit nun mehr 20 Jahren in Grönland arbeitet und vorzugsweise Studenten bei der Feldarbeit in Grönland ausbildet. Bessere Anschauungsmöglichkeiten gibt es wohl nur sehr selten in der großen weiten Welt.

#110

Nach unserer Landung stand für den restlichen Tag dann wiederum reines Fahren an. Da sich diesmal der Wind als sehr günstig für uns erwies, wurden auch diesmal wieder Segel gesetzt. Je später der Abend, desto stärker wurde der Wind, so dass schließlich der Motor komplett abgeschaltet werden konnte. So kamen wir zum Ende unserer Reise noch mal in den Genuss des Segelns. Wie man auf dem Bild gut erkennen kann, bewegte sich nun auch die See wieder recht ordentlich, was wiederum dazu führte, dass einige Reisende den Abend in der Kabine verbrachten. Diesmal allerdings nicht ganz so viele wie zu Beginn der Reise, da sich zum einen eine gewisse Gewohnheit einstellte und zum anderen durch das Segeln die Schiffsbewegungen viel sanfter, ruhiger und gleichmäßiger verliefen. Ich fand es großartig und hatte viel Freude daran, auf Deck zu sitzen, mir den Wind um die Nase pfeiffen zu lassen und das Geschaukel zu genießen. Besonders vorn im Bug war das Gefühl kaum zu beschrieben, da lediglich der Wind pfiff und das Rauschen des Wasser zu hören war, sonst nichts. Fast hatte man das Gefühl aus der Zeit gefallen zu sein.
Später am Abend wurden alle willigen Passagiere auf Deck gerufen, da eine halbe Wende anstand, bei der viel Kraft gefordert war. Ich glaube die Crew hatte auch ihren Spaß dabei uns zu zu sehen, wie wir beim Reißen am Tau alle fast übereinander fielen. Als wir dann tatsächlich die Wende ohne größere Katastrophen vollbrachten, wurden die Schiffsbewegungen noch angenehmer, da wir nun lotrecht die Wellen durchschnitten. Als ich spät am Abend schließlich in meine Koje krabbelte schlief ich wie ein Baby in seiner Wiege.

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