Grönland 2015 – Tag 18

Noch bevor wir unsere Reise antraten, hatte sich für den Rückflug aus unerfindlichen Gründen die Abflugzeit des Inlandsfluges verändert. Dementsprechend hatten wir 12h Aufenthalt in Kangerlussuaq, dem kleinen Örtchen mit dem großen Flughafen Richtung Kopenhagen. Um diese Zeit ein wenig zu füllen, hatten wir auf dem Schiff bereits angefragt, wer Interesse an einer geführten Tour zum Inlandseis hätte. Immerhin 20 Passagiere fanden sich.=) Nach einem durchaus emotionalen Abschied von der Rembrandt und der Crew, ich bin mir sicher, dass bereits hier einige Tränen flossen, sowie einer Reisenden, die direkt die Anschlusstour in der Discobucht auf der Rembrandt gebucht hatte, flogen wir von Aasiaat nach Kangerlussuaq. Um die Mittagszeit saßen wir an der Flughafenbarracke in der Sonne und entledigten uns sämtlicher Jacken und Pullover, da in der Sonne 25°C herrschten. Gegen 2 Uhr nachmittags startete unsere Tour Richtung Inlandseis. Dazu befuhren wir die längste Straße Grönlands mit einer Länge von immerhin knapp 40km.

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Auf dem Weg hielten wir zwischendurch immer mal wieder an, wobei die räumliche Trennung zwischen Passagieren und Fahrer/Guide leider keinerlei Kommunikation zuließ. In jenem Moment sahen wir auch ein, dass wir von unseren beiden Guides auf der Rembrandt extrem verwöhnt wurden. Denn unser Fahrer und Guide ging mit einem Enthusiasmus zu Werke, als brühe er sich grade seinen ersten morgendlichen Kaffee auf. Leider sehr schade. Jenes obige Bild entstand bei unserem ersten Zwischenhalt. Dieser Bereich gilt als arktische Wüste, da hier so gut wie keine Niederschläge zu verzeichnen sind, man kann die Trockenheit etwas erahnen, bis auf das kleine Flüsschen, welcher nach der Schneeschmelze im Frühjahr sehr enorm anschwillt. Daher auch das sehr breite Flussbett.

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Der auf dem Foto zu erkennende See ist ein reiner Schmelzwassersee. Auf die Frage eines Reisenden, ob und wie in diesem Gewässer Leben entstanden sein könnte, bekamen wir leider keine Antwort. Aber es hieß, dass dieser See im Sommer sehr beliebt zum Angeln sei. Die aufgestellten Zelte in der Ferne gehören zu einem archäologischen Ausgrabungscamp. Als wir an ihnen vorüber bretterten waren tatsächlich einige aus dem Camp am Winken.
Ganz im Hintergrund ist der mächtige Russel-Gletscher zu sehen, ein wahrer Gigant unter den Gletschern, selbst für grönländische Verhältnisse.
Ein kleines, witziges Anekdötchen sei hier noch erzählt. Während wir also in unserem umgebauten LKW über die Schotterpiste rumpelten, stellte sich wieder der Eindruck ein, weitestgehend allein zu sein in dieser gigantischen Natur. In unserem kleinen LKW befanden sich wie schon gesagt 20 Passagiere von der Rembrandt, so dass sich die übrigen Mitreisenden schon etwas wunderten, wie unser zusammengewürfelter Haufen zusammenpassen könnten. Die völlige Fassungslosigkeit und Überforderung schlich sich aber bei den anderen Reisenden ein, als wir im völligen Niemandsland der arktischen Wüste meinen Kabinenkollegen am Wegesrand erblickten. Für einen kurzen Moment herrschte unter uns absolutes Schweigen, weil die Situation einfach viel zu unwirklich war und dann brach sich lautes Gelächter bahn, was die übrigen Passagiere schlicht nicht mehr verstanden. Aber wir hatten unseren Spaß. Schließlich stapfte mein, sehr sympathischer, Kabinenkollege immer wieder etwas abseits durch die Gegend. Ihn dann schließlich im Nichts der arktischen Wüste zu erblicken war einfach an Skurilität nicht mehr zu überbieten.

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Dies ist nun die Moräne eines Gletschers, über die man klettern musste um schließlich zum Inlandseis zu kommen. So ganz ungefährlich ist die Kletterei nicht, aber manchmal muss man sich auch mal etwas trauen.

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Und nach etwas Kletterei, ist man schließlich auf der Inlandseiskappe, bzw. deren ersten Ausläufern. Der kleine rote Punkt im Bild ist übrigens ein Mensch, einfach um mal eine Relation in die Größen zu bekommen.

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So sehen dann die ersten Ausläufer des Eises aus. Wenig spektakulär auf dem Bild, aber über die vielen Kristalle zu laufen ist schon irgendwie ein kurioses Gefühl. Ich hatte die ganze Zeit über das Bedürfnis aufzupassen, wo ich hin trete, da ich diese Miniaturskulpturen nicht kaputt machen wollte. Eigentlich fast schon ein wenig albern.

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Leider hatten wir auf dem Eisfeld selbst nicht allzu viel Zeit. Das empfand ich als sehr sehr schade.

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Sehr spannend fand ich die Art des Eises. Die gesamte Gegend sieht im Prinzip völlig normal aus, außer das über allem diese Eisschicht liegt. Irgendwie hatte ich etwas anderes erwartet. Massive Eisblöcke oder sowas in der Art. Das tückische an diesem kleinen Bächlein war, dass man den Verlauf nicht immer so klar sehen konnte und man ganz unvermittelt im Wasser stand. Habe mich da einige Male ganz schön erschrocken, als die dünne Eisschicht brach. Dies sorgte auch immer wieder für ein wenig Gelächter seitens der anderen bekannten Touris, bis sie selbst auf einmal bis zum Knöchel im Wasser standen oder interessante Figuren aufs Eis legten, die jedem Kunstturner zu Ehre gereicht hätten. Wir hatten also trotz der Kürze der Zeit doch auch noch reichlich Spaß.

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Und so war dann die Aussicht in Richtung Inland. Der Begriff „Eiswüste“ kommt also auch nicht von ungefähr. Tatsächlich hatte ich in diesen Gefilden auch immer das Bedürfnis noch einen weiteren Menschen in Sichtweite zu haben, auch wenn ich es auch genoss, auch immer mal wieder zwei Minuten für mich zu haben. Einmal in diesen Eisgebilden die Orientierung verloren… dann hat sich das Thema auch weitestgehend erledigt. Mir haben diese Momente immer wieder vor Augen geführt, in welch lebensfeindlicher Region wir uns dort eigentlich bewegten. Auch jetzt beschleicht mich noch immer das Gefühl von Ehrfurcht und Respekt, wenn ich mir die Bilder der Rese noch mal vor Augen führe.

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Dieses Bild zeigt auch noch mal mehr als deutlich, welches Glück wir mit dem Wetter hatten. Eine kaum zu beschreibende, faszinierende Landschaft.

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Hier stehe ich nun auf den ersten Ausläufern des Inlandseises und staunte nicht schlecht, dass sich ein kleines Bächlein durch das Eis schlängelte. Da der kleine Wasserstrom immer wieder Eiskristalle mit sich nahm und diese dann an andere stießen, ergab sich ein unmöglich zu beschreibendes Eisglockenspiel, welches mich bestimmt eine Viertelstunde lang in seinen Bann zog. So etwas habe ich vorher noch nie erleben dürfen.

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Wir sind nun von unserem kurzen Ausflug auf das Eis zurückgekehrt, tatsächlich auch vollzählig, und machten uns nun auf den Rückweg. Keine drei Minuten nach der Abfahrt gab es aber schon wieder einen Stop, Kaffeepause. Mir erschloss sich der Sinn dieses kurzen Fahrtweges nicht so ganz, Kaffee auf dem Inlandseis wäre irgendwie cooler gewesen, aber vermutlich hatte der Fahrer keine Lust, die beiden Thermoskannen die 500m zu schleppen. Egal, die Aussicht war jedenfalls schon sehr ansprechend.

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Unverständlicherweise hielt unser Busfahrer aber gute 450m bergabwärts von diesem grandiosen Aussichtspunkt, so dass gefühlt die Hälfte aller Passagiere schnurstracks an seinen Kaffeekannen vorbei lief und diesen wundervollen Punkt aufsuchte. Dazu dieses sich nun allmählich herbstlich einfärbende Licht zum Sonnenschein und blauen Himmel. Einfach traumhaft!

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Hätte ich ein Zelt dabei gehabt, wäre ich wohl direkt in dieses kleine Tal gelaufen und hätte dort noch ein paar Tage die herrliche Stille genossen, wenn man von der Mitreisenden absieht, die mich nur allzu gern begleitet hätte. Wie eingangs zu diesem Tag schon erwähnte, diesen Teil Grönlands muss ich unbedingt noch mal zu Fuß erkunden. Dafür ist der August wohl auch der beste Monat, da sich sämtliches Stechviehzeug bereits weitestgehend zurückgezogen hat.

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Hier noch mal ein Blick auf den gigantischen Gletscher, dessen Namen ich vergessen habe. Leider hatten wir unseren Geologen auch nicht mehr dabei, der uns sicherlich noch die ein oder andere spannende und lehrreiche Geschichte zum Umland hätte erzählen können. So bleibt einfach nur die Bewunderung dieser machtvollen Eisgebilde, die gewaltige Erdmassen vor sich her schieben, was ich aber auch als durchaus annehmbar empfinde.

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Und hier ist es nun, das letzte Bild. Zusehen ist der Russelgletscher, ebenfalls einer der wirklich großen Gletscher. Hier tranken wir nun unseren Kaffee, da sich der Fahrer immerhin erweichen ließ, die Pause noch etwas auszudehnen, da wir die letzte Tour des Tages waren und wir das Wetter noch ein wenig genießen wollten. Als unser anderthalbjähriges kleines Reisemaskottchen quietschend vor Freude durch die Botanik stapfte, konnte er auch nicht anders entscheiden, als die Pause noch ein wenig zu verlängern.

Im Anschluss kehrten wir wieder zum Flughafen Kangerlussuaq zurück und ich schloss mich der dänisch/deutsch/italienisch/grönländischen Familie an, die sich in die Ortschaft aufmachte um vor dem Flug noch einen Happen zu essen. Letztlich wurde es vor dem Abflug noch etwas hektisch. Zum einen verspätete sich der Abflug und zum anderen erfolgte das Boarding ausgesprochen hastig und innerhalb von einer halben Stunde, da sonst die Piloten nicht mehr hätten abheben dürfen. In Kopenhagen angekommen durfte ich noch mal den guten Samariter spielen und unterstützte noch eine Mitreisende, die sich in den letzten Tagen eine fiese Erkältung zugezogen hatte. Mein sehr negativer Eindruck des Hilton-Hotels am Flughafen bestätigte sich hierbei nochmals, aber immerhin waren die Leute am Infopoint des Flughafens sehr freundlich und hilfreich. Als nun auch diese Aufgabe abgeschlossen war, verbrachte ich noch eine gute Stunde auf dem Bahnhof in Kopenhagen, ohne wirklich zu wissen, was ich mit mir anfangen soll und auch erschlagen, von den vielen Menschen, dem Lärm und der Hektik. Als ich schließlich in meinen Zug einstieg und wir über die Rödby-Fähre fuhren, konnte ich mir ein Schmunzeln ob der kleinen Fahrt über die Ostsee nicht verkneifen. Was bleibt, ist ein großer Sack voller Erinnerungen, Eindrücke, Emotionen, Ehrfurcht, Respekt und Geschichten, die ich meinen Enkelkindern noch erzählen werde sowie die Gewissheit einen Teil der Erde bereist zu haben, der in einem mittlerweile sehr dynamischen Wandel gefangen ist.

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