Grönland 2015 – Tag 2

#3

Nach dem ersten Frühstück an Bord, erhielten wir durch unsere beiden Guides eine kurze Unterweisung hinsichtlich der Verhaltensregeln in der arktischen Natur, gingen vor Anker und begaben uns auf unsere erste Anlandung mit den Zodiac-Schlauchbooten. Daran schloss sich eine Wanderung durch die wunderbare und grüne Natur auf der Discoinsel an, wobei uns Denis, unser Geologen-Guide, viel von der interessanten geologischen Beschaffenheit zu berichten wusste. Leider hatte sich das Wetter nicht sonderlich gebessert, es gab lediglich keine Regenschauer mehr. Die Wanderung war dennoch ein wunderbares Erlebnis, hatte man doch das Gefühl, völlig allein zu sein, sieht man von den Mitreisenden einmal ab.

#4

Nach dem wir zum Mittagessen zurück an Bord waren, lichtete die Crew den Anker und wir fuhren ein Stück aus dem Fjord heraus, passierten dabei die kleine Siedlung Kangerluk, welche 42 Einwohner (Stand August 2015) beherbergt. In unmittelbarer Nähe suchten wir einen weiteren Ankerplatz um noch einen zweiten Landgang zu unternehmen, ein Besuch der Siedlung stand jedoch nicht auf dem Programm.

#5

Der zweite Landgang stand ganz im Zeichen der in Grönland beheimateten Tierwelt. Zum einen besichtigten wir einen Sammelpunkt kanadischer Wildgänse, wobei eine von diesen vor Schreck fast mit unserem Expeditionsleiter zusammengestoßen wäre, zum anderen sahen wir einen weiteren Buckelwal, allerdings in reichlicher Entfernung, so dass zumindest bei mir, kein brauchbares Foto entstand. Wie auf dem Bild zu erkennen ist, riss nun aber die Wolkendecke auf und die ersten grönländischen Sonnenstrahlen brachen durch. Kleiner Nachteil, die Sonne erweckte auch eine ansehnliche Masse an Mückenschwärmen und brachte uns Passagieren die Erkenntnis, dass zumindest deutsche Anti-Mücken-Produkte grönländischen Mücken nur ein müdes Lächeln abringen. Auch sahen wir in der Nähe der Landungsstelle die Überreste einer Radarstation, welche die US-amerikanischen Truppen hier im Laufe des Zweiten Weltkrieges installiert hatten, um den nördlichen Atlantik überwachen zu können. Für eine Besichtigung der Station reichte allerdings unsere Zeit nicht mehr aus.
An Bord zurückgekehrt, wurde das Abendessen serviert, die ersten Gespräche an die Bar verlegt und wir Passagiere erhielten die wenig erfreuliche Information, dass der Wind völlig untypisch für diese Jahreszeit aus nördlicher Richtung bläst. Die gemessenen Geschwindigkeiten, die Vorhersagen vermeldeten etwa 35-50 Knoten, machten es nahezu unmöglich gegen den Wind anzusegeln, so dass das erstellte Programm für die kommenden zweieinhalb Wochen bereits am ersten Tag der Reise völlig über den Haufen geworfen wurde und wir nicht zunächst gen Norden segelten, sondern einen Abstecher in die Discobucht machen würden. Dabei stand der Gedanke und die Hoffnung Pate, dass die Discobucht ausreichend Schutz bieten und sich der Wind alsbald abschwächen würde. Als wir aus dem Fjord heraus wieder die offene See erreichten, wurde deutlich, was die Windgeschwindigkeit für Einfluss auf den Seegang hat. Etwa die Hälfte aller Passagiere war mehr damit beschäftigt, die gefürchtete Seekrankheit zu überstehen, als sich den abendlichen Vortrag zur geologischen Entstehung Grönlands anzuhören.

#6

Während des Abendessens nach unserem zweiten Landgang auf der Discoinsel wurden zum ersten Mal die Segel gehisst. Was wir zu diesem Zeitpunkt nicht ahnten, so häufig würden wir dieses seemännische Schauspiel während der Reise nicht bewundern dürfen. Wie bereits beschrieben, führte uns unser Weg zunächst wieder ein Stück südwärts, um die Südspitze der Discoinsel herum, geradewegs in die Discobucht hinein. Das Segelglück währte allerdings nur wenige Stunden, bis wir schließlich in den Windschatten der Insel traten und der Wind schließlich nicht mehr ausreichte, das Schiff mit Segelkraft weiter voranzutreiben. Ebenfalls beschrieben hatte ich ja bereits, dass diesen Ausblick, der auf dem Bild zusehen ist, nur der Hälfte aller Passagiere vergönnt war. Die andere Hälfte lag in den Kojen und sehnte einem baldigen Abflauen des Seeganges entgegen.

#7

Wie bereits schon auf dem vorhergehenden Bild zu erkennen, hatte sich das Wetter schlagartig verbessert, so dass wir nun auch in den Genuss eines Sonnenunterganges kamen, der allerdings schon zu fast unchristlicher Zeit, um 23:08 Uhr, zu bestaunen war, bedenkt man den Fakt, dass bereits um 7:30 Uhr der morgendliche Weckruf des Expeditionsleiters durchs Schiff hallte. Die Zeit zwischen abendlichen Vortrag und Sonnenuntergang ließ sich aber an der Schiffsbar mit einer sich immer besser verstehenden kleinen Gruppe Reisender, einem hervorragenden Hotelmanager/Kellner/Barkeeper/Chefsteward in Personalunion und einigen gekühlten Getränken ausgezeichnet überbrücken. Obiges Bild ist im Prinzip gleichbedeutend mit dem Ende des zweiten Tages.

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