Grönland 2015 – Tag 3

#8

Ein kleiner Eisberg am frühen Morgen. Auf einem Schiff nicht schlafen zu können, ist nicht immer ein Fluch, bekommt man sich so aus der Koje gewälzt, dass der Kabinennachbar nichts davon mitbekommt, wird man mitunter mit solch einem, fast schon kitschigen, Anblick belohnt. An den Rillen an der Seite kann man erkennen, dass dies ein kleines Stück von einem größeren Brocken ist und sich selbiger, auf der Suche nach dem Gleichgewicht, um fast 90° gedreht hat. Zu dieser frühen Morgenstunde spielte das Wetter auch noch eine herausragende Rolle, dies veränderte sich allerdings bis zum Frühstück wieder schlagartig, so dass wir wieder mit einem grauen Himmel gesegnet waren, aus dem aber immerhin kein Regen fiel.

#9

Wie schon angesprochen, ist Qeqertarsuaq eine recht große Ortschaft, die auch über einen eigenen Fußballplatz verfügt. An selbigem sind sogar Trainerbänke zu finden und dieses spezielle „Stadion“ war im Jahre 2009 Austragungsort des Meisterschaftsturniers. Eine grönländische Fußballliga, wie man sie aus unseren Breiten kennt, gibt es jedoch nicht. In den Sommermonaten werden in regionalen Fußballturnieren die jeweiligen Teilnehmer des Meisterschaftsturniers ermittelt. Die jeweils acht besten Mannschaften treffen dann im August aufeinander und spielen im Turniermodus schließlich die grönländische Meisterschaft aus. Der derzeitige amtierende Meister ist wie in den vergangenen vier Jahren B-67 aus Nuuk, der Hauptstadt.

#10

Das Ziel unseres Ausfluges nach Qeqertarsuaq ist hier zu sehen, ein Wasserfall mit dem Namen Qolortorsuaq. Über den sich der Fluss Rode Elv in Richtung Meer bewegt. Dieser Fluss speist sich allein durch das Schmelzwasser des Lyngmarksgletschers, wobei ein Besuch dieses Gletschers bei uns leider nicht im Reiseprogramm stand.Interessanterweise gab es zu diesem Wasserfall einen weitestgehend gut sichtbaren Pfad, so dass wir hier auch noch dem ein oder anderen Touristen über den Weg liefen, der nicht zu unserem Schiff gehörte. Diese wiederum genossen ebenfalls die Ausführungen unseres Geologen Denis hinsichtlich der geologischen Besonderheiten der Discoinsel, denn diese gehört zu den jüngsten Gesteinsformationen Grönlands.

#11

Netterweise hatte der Großteil unserer Gruppe das morgendliche Briefing so verstanden, dass die Wanderung, die geplant war, bis zum Wasserfall führen sollte und anschließend wieder zurück. Neben fünf weiteren Mitreisenden hatte ich aber noch im Ohr, dass von einer anderthalbstündigen Tour die Rede war, wir den Wasserfall aber bereits nach 30 Minuten erreichten. Denis, unser Guide, war auch ein wenig verwundert, als der Großteil schon wieder den Rückweg antrat, denn er wollte eigentlich noch ein gutes Stück weiter ins Landesinnere laufen. So erhielten wir sechs Verbliebenen eine zusätzliche Geologiestunde und Ansichten, die der große Rest gar nicht mehr mit bekam. Dabei entstand unter anderem dieses Foto. Die rötliche Färbung des Felsen kommt wohl durch diverse Eisenablagerungen in den Sedimentschichten zustande und kann, je nach Einlagerung, stark variieren. Als kleines Anekdötchen am Rande: Auf dem Rückweg vom Wasserfall kam ich mit einer Mitreisenden ins Gespräch, die mit Mann und Kleinkind unterwegs war. Die junge Familie hatte sechseinhalb Jahre in Grönland gewohnt und nahm diese Reise als Art Abschiedstournee. Und während wir uns unterhielten, woher wir denn so kommen, stellten wir fest, dass sie in Cottbus studierte, was in etwa 20km von meinem Heimatstädtchen entfernt liegt. Die Welt ist wirklich manchmal ein Dorf.
Im Anschluss an diese kleine Wandertour ging es zum Mittagessen wieder an Bord. und wir fuhren ein Stück an der Küste der Discoinsel weiter in die Discobucht hinein.

#12

Am Nachmittag nach unserer Wanderung stand eine kleine Zodiactour auf dem Programm. Ziel waren die Basaltsäulen, die an der südlichen Küste der Discoinsel zu finden sind. Diese kann man sich vorstellen, wie den Giants Cause Way in Nordirland. Nur dass hier die Basaltsäulen nicht senkrecht liegen, sondern eher waagerecht. Dabei entstehen Gebilde, die zeitweise an eine Kathedrale erinnerten. Auf jeden Fall sehr eindrücklich und die Fahrt war auch schon ein ziemlicher Wahnsinn. Bilder habe ich hiervon allerdings keine gemacht, da beim Start meiner Gruppe (wir hatten nur zwei große Zodiacs an Bord, so dass nicht alle Passagiere drauf passten und die Gruppe geteilt werden musste) es schon wieder regnete und ich meine Kamera auf dem Schiff ließ. Dafür gibt es nun einen Eisberg zu sehen, den ich als ausgesprochen fotogen empfand, insbesondere ob des leuchtenden Türkis. Dies war auch einer der ersten Vorboten dessen, was uns am nächsten Tag erwarten würde. Da der Wind in den folgenden drei Tagen laut Vorhersage nicht an Kraft verlor und auch die Richtung nicht wechselte, wurde die Route verändert und wir steuerten Ilulissat an und machten dort auch am riesigen Eisfeld Station. Doch dazu an späterer Stelle mehr.

#13

Während die zweite Gruppe Passagiere zur Zodiactour startete, tauchte wie aus dem Nichts in 300-400m Entfernung eine Schule von Finnwalen auf. Und während unsere wackeren Zodiacfahrer versuchten dichter an die Tiere heran zu kommen, entschieden sich die Wale zu schauen, was denn bei uns auf der Rembrandt so los ist. Letztendlich traute sich die Gruppe bis auf etwa 75-100m heran. Das Blas der Wale zu hören ist eine der Erinnerungen, die ich definitiv nicht mehr vergessen werde. Immerhin war es das dritte Mal überhaupt, dass ich Wale sah, und dann direkt aus dieser geringen Distanz. Ein wahrlich unvergesslicher Moment!
Noch am Abend erhielten wir von Jordi, unserem Expeditionsleiter und Meeresbiologen, eine kurze Lektion zur Rasse der Finnwale. Diese sind die zweitgrößte Walart überhaupt, tauchen nicht so charakteristisch aus dem Wasser wie etwa Buckelwale und sind sehr schnelle Schwimmer. Besonders den letzten Punkt durften wir zur Genüge bestaunen. Wie schnell die Gruppe innerhalb kürzester Zeit die Positionen wechselte, war schon phänomenal. Vielleicht haben sie sich aber auch einfach einen Spaß daraus gemacht, uns Touristen zu beobachten, wie wir ständig von einer Seite des Schiffes zur anderen flitzten.

#14

Nach diesem spektakulären Schaulaufen der Finnwale nahmen wir schließlich Kurs auf Ilulissat und fuhren über Nacht tiefer in die Discobucht hinein.

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