Grönland 2015 – Tag 4

#15

Der morgendliche Ausblick, als ich mit Kaffee in der Hand schlaftrunkend an Deck stolperte. Erneut ein grauer Himmel, nur ganz weit in der Ferne ein kleineres Löchlein in der Wolkendecke, was eine Mitreisende und mich dazu brachte, allen übrigen mit unserem Optimismus, dass mit Sicherheit noch die Sonne herauskommen würde, auf die Nerven zu gehen. Sehr bemerkenswert fand ich, dass insbesondere an diesen trüben Tagen das Blau in den Eisbergen wesentlich heftiger leuchtet.

#16

Hier sieht man das strahlende Blau nochmals wesentlich deutlicher. Diese intensiven Blautönen entstehen nach Aussage unserer Guides, wenn Schnee nach jahrelanger Kompression schließlich soweit verdichtet wird, dass kaum noch Luftbläschen im Eis enthalten sind. Das Fehlen dieser Bläschen führt dazu, dass das eintreffende Licht nicht mehr gestreut wird, sondern quasi durch scheint. Dabei werden alle anderen Farbfrequenzen absorbiert, mit Ausnahme des blauen Lichts. Blaues leuchtendes Eis deutet also auf ein hohes Alter hin, was gleichbedeutend ist, mit mehreren tausend Jahren. Ebenfalls spannend fand ich die Geräuschkulisse, da die Süßwassereisberge laut und vernehmlich zischelten und knackten.

#17

Direkt nach dem Frühstück setzten wir mit den Zodiacs über und kombinierten eine Stadtbesichtigung Ilulissats mit einer Wanderung zum berühmten Eisfjord. Hierbei sei gesagt, dass Ilulissat in Grönland mit über 4000 Einwohnern als richtige Großstadt gilt, in der erstaunlich viel los ist. Auch gibt es viele Geschäfte und eine Bevölkerung, die Touristen als Einnahmequelle entdeckt hat. Als Nachteil zeigte sich, dass die in anderen Siedlungen sehr natürliche Atmosphäre ziemlich verloren ging.
Der 2004 in das UNESCO-Weltnaturerbe aufgenommene Eisfjord nahe Ilulissat ist mittlerweile über einen Brettersteg gut erreichbar, die Wanderung dauert etwa eine halbe Stunde, so man denn den kürzesten und direkten Weg wählt. Es gibt allerdings noch zwei weitere Wege, wobei der längere von beiden wohl 8 Stunden dauert, dabei wohl aber auch vielfältige Einblicke in die umgebende Natur ermöglicht. Der direkten Weg teilt man sich mit einer Vielzahl an Touristen, die besonders in den Sommermonaten in hoher Zahl in Ilulissat anzutreffen sind.
Zur Wahrnehmung der Größenverhältnisse beachte man das Motorboot zwischen den Eisbergen.

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Spannenderweise behielten meine Mitreisende und ich recht. Hin und wieder kämpfte sich die Sonne durch die Wolken, so dass wundervolle und spannende Lichtstimmungen entstanden. Auf diesem Bild ist auch gut zu erkennen, wie Grönland zu seinem Namen kam. Die verschiedenen Grüntöne erinnerten mich zeitweise sehr stark an Irland.

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Hier nun noch mal ein unverstellter Blick auf den Eisfjord. Man beachte, dass all dies Eis, tatsächlich schwimmt. Nach Aussage unseres Expeditionleaders hat der Fjord selbst eine Tiefe von 800 Metern, so dass selbst diese riesigen aufragenden Kolosse schwimmen. Diese laufen erst am Ausgang des Fjords auf Grund. Hier hat wohl in grauer Vorzeit ein Gletscher seine Endstation eingelegt und das sich vor diesem auftürmende Geröll sorgt für einen abrupten Höhen- bzw. Tiefenunterschied unter Wasser. Dies führt dazu, dass die nachdrückenden Eismassen die großen Berge nach und nach zerkleinern, bis sie leicht genug sind, um über diese Unterwasserschwelle des Fjords ins offene Meer zu gelangen.

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Am Nachmittag, nach unserem vormittäglichem Stadtbummel und der kleinen Wandertour, stand eine Tour mit den Zodiac-Schlauchbooten durch das nahe gelegene Eisfeld auf dem Programm. In diesem Falle empfanden wir alle es fast schon als Segen, dass der Himmel nur gelegentlich auflockerte, so dass immer wieder interessante Eis- und Wolkenformationen um unsere Aufmerksamkeit rangen. Hinzu kommt, dass unser Fahrer, unser Expeditionsleiter, ein unheimlich erfahrener Zodiacpilot war, der uns an Stellen brachte, an die uns nur noch das zweite Zodiac der „Rembrandt van Rijn“ folgte, Die Kollegen, der ebenfalls vor Ilulissat vor Anker gegangenen „Hanseatic“, jedoch nicht. So ernteten wir, zusätzlich zu den spektakulären Ansichten auch noch eine Vielzahl erstaunter Blicke der anderen Touristen, welche mit besagtem, größeren Expeditionskreuzschiff unterwegs waren.

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Hier im Bild am Horizont ist besagte Hanseatic zu erkennen. Diese hatte aufgrund ihrer Größe immer wieder Probleme mit den umher treibenden Eisbergen und musste häufiger die Position wechseln, da sie aufgrund des größeren Tiefganges auch nicht in eine ähnliche kleine, gut geschützte Bucht einlaufen konnte, wie die „Rembrandt“.

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Nach den Aufregungen der wirklich wunderbaren Zodiactour, hatte sich das Wetter entschlossen, uns nicht etwa eine kleine Verschnaufs- bzw. Aufwärmpause zu geben. Kurz nachdem die Zodiacs an den Kränen hingen und der Anker gelichtet wurde, brach die Sonne dauerhaft durch die Wolkendecke und zauberte uns einen Regenbogen über die umher schwimmenden Eisberge. Und dies war wohl gemerkt erst der vierte Tag unserer 18 Tage dauernden Reise. Also war es nichts mit der Idee, die auf der Zodiactour gesammelten Eindrücke zu verarbeiten oder gar die einigermaßen abgekühlten Gliedmaßen aufzuwärmen. Wenn sich die Natur zu solch einem imposanten Schauspiel hinreißen lässt, will man natürlich auch direkt in der ersten Reihe sitzen.

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