Grönland 2015 – Tag 6

#31

Der morgendliche Kaffeeausblick. Wir sind jetzt schon ein gutes Stück weit in den Norden gekommen, die Eisberge werden seltener, man möchte aber fast behaupten auch schöner. Auch an jenem Tag standen wieder einige Vorträge auf dem Programm, darunter auch ein kurzer Grundkurs in der Segeltechnik, auch wenn wir noch nicht wieder in den Genuss kamen, die Segel zu setzen. Der Grund hierfür: Nach dem der Wind nun in eine uns eigentlich passende Richtung gedreht hatte, schwächte er sich derartig ab, dass das Setzen der Segel keinerlei messbaren Erfolg gebracht hätte. Das sonnige Wetter hielt nun an und mitunter kamen wir auf Deck in den Wind geschützten Ecken fast schon ins Schwitzen, will heißen, es herrschten 15-17°C, in der Sonne sicher noch etwas mehr.

#32

An jenem Abend sorgte ich für anhaltende Lacher an Bord, da mir nicht bewusst war, WIE weit wir mittlerweile nördlich gekommen waren. Ich war der felsenfesten Überzeugung, zu warten und wach zu bleiben, bis die Sonne uns erneut einen wunderbaren Sonnenuntergang bescheren würde wie tags zuvor. So vergingen die Stunden, ich wechselte immer wieder von der Bar an Deck und wartete voller Hoffnung. Schließlich gab ich morgens um zwei auf. Am nächsten Morgen wurde mir dann klar, dass ich auf meinen Sonnenuntergang noch ewig und drei Tage hätte warten können, viel näher, als auf obigen Bild zu sehen, kam die Sonne dem Horizont nicht mehr. Mitternachtssonne war das Stichwort. Meine nächtliche Aktion hatte nun gleich einen zweifachen Effekt: Zum einen hatte ich nun zum ersten Mal in meinem Leben die Mitternachtssonne gesehen und zum anderen hatte ich für die kommenden Tage die Lacher auf meiner Seite, was gleichzeitig dazu führte, dass, neben unserem kleinen anderthalbjährigen Sonnenschein, nun auch ich die Stimmung an Bord hob.

#33

In Anbetracht meiner Bildergebnisse haftete dem allgemeinen Gelächter jedoch nichts spöttisches an. Dieses Schauspiel zu dieser nachtschlafenden Zeit an Bord eines Segelschiffes zu erleben, welches durch eine fast schon unheimlich ruhige See glitt, gehört zu einem der vielen Eindrücke, die mir wohl ein Leben lang ein verträumtes Lächeln ins Gesicht zaubern werden.

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