Grönland 2015 – Tag 8

#46

Am Morgen des 8. Tages hob sich die Stimmung zusehends. Zum einen hatten wir tollstes Segelwetter, wie man unschwer erkennen kann und zum anderen haben wir es nun endlich geschafft, wir haben das Ziel der Reise endlich erreicht: Thule (Pituffik). Dieser Ort wurde in den 50er des vergangenen Jahrhunderts zwangsumgesiedelt, da er der Thule Air Force Base im Weg stand. Die Basis gibt es auch heute noch. Dort sind derzeit etwa 1200 Soldaten stationiert und es arbeiten auch Einheimische dort auf dem Stützpunkt. Denis, unser Geologen-Guide, erzählte uns, dass auf einem Bergkamm ein kleines Wachhäuschen steht, in dem Soldaten tatsächlich Dienst schieben. Wie häufig es vorkommt, dass sie dort wirklich etwas zu tun bekommen, konnte mir Denis allerdings auch nicht sagen.

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Dies sind einige der Überreste der Siedlung. Ein paar der Häuschen stehen aber noch und drei oder vier werden davon auch noch als Wochenendhäuschen genutzt. Der Friedhof, den man zwischen den Ketten der Schaukel erahnen kann, stammt noch aus der Zeit, bevor die Umsiedlung statt fand. Wir machten in diesem Gebiet eine kleine Wanderung und wurden von einer Einheimischen, die in Pituffik in einer Wetterstation arbeitet, darauf hingewiesen, dass vor gut einer Woche ein Eisbär durch die Bucht schlich. Die Warnungen und Vorsichtsmaßnahmen waren also durchaus berechtigt. Zu Gesicht bekamen wir aber zum Glück keinen Bären.

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Hier sieht man die kleine Wetterstation an der wir die Einheimische trafen. Der Berg im Hintergrund heißt Dundas und erreicht eine Höhe von knapp 200m. Die leicht hellere Zeichnung an der Flanke des Berges ist übrigens ein Pfad zur Erklimmung des Berges. Die letzten 15 Meter sind dann allerdings mit Seil, welches dort bereits angebracht ist, zu bewältigen.

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An dieser Stelle sind eine Vielzahl von Überresten der alten Siedlung zu finden. Die ältesten Funde stammen aus dem 15. Jahrhundert, als es auch in Grönland wesentlich wärmer war. Der Siedlungsplatz war durchaus mit Bedacht gewählt, da der Siedlungspunkt von zwei Seiten vom Meer aus zu erreichen ist. Es stehen sogar noch alte Hütten auf dem Arreal, an denen man die typische Bauweise erkennen kann. Der Eingang dieser Hütten ist sehr tief gelegen, so dass man im Prinzip in die Hütte robben muss. Dies soll verhindern, dass die Wärme durch den Eingang verloren geht. Gedämmt wurden die Behausungen mit Grasoden, die direkt vor Ort gestochen wurden. Und wenn man dann morgens aus seiner Hütte gekrochen kommt, hat man direkt diesen Ausblick!

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Hier ist nun ein Teil unserer Gruppe den Berg hochgeklettert. Wobei man dazu sagen muss, dass der Weg nach oben zwar schon ziemlich gewagt und steil war, der Weg nach unten, durch das lose Geröll, aber noch mal um einiges gefährlicher wurde. Ich hab dabei auch ein gutes Stück Haut meiner linken Daumenkuppe eingebüßt, da einer der Steine, an dem ich mich festhielt, plötzlich abbrach und die Bruchkante quasi wie ein Messer meine Fingerkuppe abschnitt. Ich hab das erst gar nicht bemerkt, wunderte mich dann aber ob der Taubheit meines linken Daumens und sah dann auch ziemlich viel Blut. Aber alles halb so wild. Witzigerweise sahen einige Nachzügler auch noch die Blutspuren auf dem Stein. Wie ich schon beschrieb, mussten die letzten 15 Meter des Berges mit einem Seil bezwungen werden, was ich mir dann aber nicht mehr zutraute, da ich ziemlich mit Höhenangst zu tun habe. Also entschied ich kurzerhand, dass der Ausblick an der Schuttgrenze ebenfalls grandios ist. Weiter rechts vom Ausschnitt war dann übrigens die Thule Air Force Base zu sehen, da ging es ganz schön geschäftig zu. Noch ein paar Worte zum Wetter: Während wir also den Berg rauf krabbelten, reichlich Staub schluckten und die Sonne auf uns runter brutzelte, hatten wir mitunter das Gefühl, irgendwie falsch zu sein. Schließlich wollten wir ins Eis, wo man friert und nichts als Wasser um sich herum sieht. Nun saßen wir also auf einem Berg in der Sonne, schwitzten wahre Bäche an Schweiß und dachten über die Beschwernisse des Abstiegs nach. Letztendlich kamen aber alle wieder gesund und munter auf dem Schiff an, der Erste Offizier teilte uns mit, dass an Deck 22°C herrschten und ich ließ mir von unserer Ärztin aus der Reisegruppe meinen Finger verbinden. Alles in allem ebenfalls wieder ein gelungener Tag.

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