Grönland 2016 – Tag 1

Da der Flug nach Kulusuk über Reykjavik recht früh am Morgen ging, gab es eine Nacht Aufenthalt in der Hauptstadt Islands. Rückblickend gesehen, war das auch gar nicht so schlecht, da ich über Nacht mit der Bahn nach Kopenhagen fuhr, um von Kopenhagen nach Island zu fliegen. Durch das mehrmalige Wechseln des Zuges kam ich quasi nicht wirklich zum Schlafen, sondern erst, als ich am Flughafen Kopenhagen ankam. Dabei musste ich allerdings feststellen, dass die Bänke dort nur leidlich zum campieren geeignet sind. Nach der Ankunft in Reykjavik traf ich dann direkt auch den Michel, meinen Mitreisenden von der Tour letztes Jahr, der mich auch zur diesjährigen Tour überredet hatte. Wir ließen uns von Keflavik in die Hauptstadt kutschieren und tauschten uns natürlich auch über unsere Erfahrungen aus dem letzten Jahr aus. Nach dem Einchecken ins Hotel gabs etwas isländisches Bier und schließlich, für mich, die langersehnte Nachtruhe auf einer richtigen Matratze. Am nächsten Morgen gab es ein reichhaltiges Frühstück und schließlich flogen wir nach Kulusuk.
Das Gefühl, endlich wieder auf grönländischem Boden zu stehen, lässt sich nur schwer beschreiben, es war einfach überwältigend. Ich hatte sogar ein Stück weit das Gefühl, ein bißchen nach hause zu kommen. Klingt vielleicht etwas übertrieben, denn ich war ja bisher nur zweieinhalb Wochen dort, fühlte sich aber doch irgendwie so an. Als wir in die kleine Empfangshalle strömten, wurden wir auch direkt von Jordi, dem Expeditionsleiter aus dem letzten Jahr, begrüßt, was natürlich beidseitige Freude ob des unerwarteten Wiedersehens auslöste. So gesehen, konnte bei dieser Reise auch nichts mehr schief gehen, schon gar nicht, als wir erfuhren, dass auch der Kapitän wieder der gleiche sei, wie im letzten Jahr.
Wir erhielten nun die Anweisung, dass wir vom Flugplatz etwa 2km zu laufen hätten, um in den Ort Kulusuk zu kommen. Alerdings erhielten wir auch die Information, dass es in Kulusuk keinerlei Café oder andere überdachte Aufenthaltsmöglichkeit gäbe, geschweige denn die Möglichkeit eine warme Mahlzeit zu erwerben. Nichtsdestotrotz machten wir uns direkt auf den Weg, mittlerweile auch noch durch Peter, unseren Belgier aus dem letzten Jahr und dessen Kumpel, verstärkt, auf den Weg in den Ort.

#1

Dies war der Anblick, der sich uns bot, als wir uns der Ortschaft näherten. Den Namen des kleinen Segelschiffchens in der Bucht habe ich leider schon wieder vergessen, es handelte sich aber ebenfalls um ein Touristenschiff, welches noch mal kleiner als die Rembrandt war. Mit diesem Schiff werden auch spezielle Fototouren unternommen, wobei der Preis solcher Reisen, den der Rembrandt um einiges übersteigt.
Zu Kulusuk: In dieser Ortschaft leben etwa 260 Menschen, welche im Prinzip, ähnlich wie in Kangerlussuaq, alle in irgendeiner Form mit dem Flugplatz verbunden sind. Die Siedlung selbst liegt auf einer Insel und gilt als Einfallstor für Tassilaq, die größte Stadt Ostgrönlands. Von Kulusuk aus gehen dann Hubschrauber nach Tassilaq, da diese Stadt nur über ein kleines Landefeld verfügt.

#2

Da wir bereits gegen zehn in Kulusuk ankamen, aber erst um 16 Uhr aufs Schiff durften, mussten wir uns die Zeit irgendwie anderweitig vertreiben. So unternahmen wir Wanderungen entlang der Siedlungsgrenzen, wobei wir uns auch nicht allzu weit entfernen durften, denn im Prinzip ist die gesamte Ostküste Eisbärengebiet. Also schlichen wir um die farbenfrohen Häuser und warteten gespannt auf das Einschiffen. Da mittlerweile sich auch noch die Sonne blicken ließ, hatten wir allerdings mit Schwärmen von Mosquitos zu kämpfen, welche einem wirklich in alle erdenklichen Körperöffnungen hinein flogen. Nicht mal der Rauch einer Zigarette vertrieb die Biester dauerhaft. Die beste Idee war es tatsächlich, nach Möglichkeit in Bewegung zu bleiben. Aus meiner jetzigen Perspektive war die Zeit, die wir in Kulusuk zu verbringen hatten, allerdings ziemlich unsinnig und auch der größte Kritikpunkt auf der gesamten Reise.

#3

Und da ist sie nun, „unsere“ Rembrandt. Als die Zeit endlich soweit voran gerückt war, dass sich sämtliche Passagiere nach und nach am Pier einfanden um zum Schiff gefahren zu werden, stieg die Vorfreude nochmals ordentlich an. Besonders, als wir von einem der philippinischen Matrosen direkt namentlich begrüßt wurden. Diese Freude steigerte sich noch, als wir feststellten, dass lediglich der Erste Offizier, der Hotelmanager (dies war allerdings ein wirklich herber Verlust) und der Maschinist gewechselt hatten, der Rest der Crew aus dem letzten Jahr aber uns noch bekannt war. Dementsprechend fiel die Begrüßung sehr herzlich aus. Im Anschluss mussten wir das übliche Procedere über uns ergehen lassen, sprich Sicherheitstraining, Schwimmwesten anlegen und ähnliches. Auch gab es nun die Gelegenheit, seinen Kabinennachbarn kennenzulernen. Wobei mir dann allerdings auffiel, dass ich aus Kostengründen die einzige 3er-Kabine gebucht hatte, letztlich aber eine 2er-Kabine mit Bullauge bekam. Auf der Rembrandt im Prinzip die höchste Kabinenkategorie. Dazu kam auch noch, dass die Kabine weitestgehend mitschiffs lag, was sich später noch als wahrer Glücksfall erweisen sollte.

Tag 2 –>