Grönland 2016 – Tag 2

#4

Nach dem wir nun die üblichen Prozeduren über uns ergehen ließen und zum ersten Mal den Barmann ob seiner Tauglichkeit überprüften (das Ergebnis fiel nicht sooo sonderlich berauschend aus, die Messlatte hing eben auch sehr hoch), verbrachten wir den Vormittag des zweiten Tages auf See. Wir erhielten nochmals eine Unterweisung hinsichtlich des Verhaltens in den arktischen Regionen und lernten nun auch, wie man Zodiacs benutzt. Einen Crashkurs hatten wir ja bereits am Vortag vermittelt bekommen. Zwischendurch blieb immer mal wieder Zeit, sich an Deck zu begeben, den kühlen Wind zu genießen und tatsächlich auch beim Segel setzen zu helfen. Anders als im letzten Jahr, gab es diesmal häufiger die Möglichkeit, die Crew beim hissen der Segel zu unterstützen. Auf obiger Aufnahme erkennt man die typische Aussicht auf die Küste Ostgrönlands. Schnee, Gletscher, karger, rauher Fels und hohe, massive Felswände, die aus der See quasi senkrecht empor gewachsen scheinen. Das Wetter lässt sich mit dieser Aufnahme im Prinzip auch allumfänglich umschreiben, grau, windig und recht kühl, irgendwo zwischen 4-7°C.

#5

Vielleicht keine sonderlich spektakuläre Aufnahme, aber so typisch für den Osten Grönlands. Eis, Berge, Meer und schlechtes Wetter. Gleichzeitig befinden wir uns nun schon ein Stück im Kangertigtivatsiaqfjord, ein relativ großes Fjordsystem, welches außerdem auch den Vorteil hatte, dass wir recht wettergeschützt waren. Denn in den Tagen vor Beginn unserer Reise tauchte ein Tiefdruckgebiet im Süden Grönlands auf, welches Richtung Island zog und Windgeschwindigkeiten mit sich brachte, die die Rembrandt ähnlich überforderten, wie letztes Jahr. Man fühlte sich auch einen Moment in die Zeit zurück versetzt, als es hieß, wir können nicht nach Norden fahren, der Wind ist zu stark. Den Passagieren war die Wettervorhersage zu diesem Zeitpunkt aber noch relativ egal, denn im Fjord selbst gab es Eisberge noch und nöcher und für den Nachmittag wurde auch der erste Landgang angesetzt, so lange uns kein Eisbär einen Strich durch die Rechnung macht.

#6

Hier nun ein tiefblauer Eisberg, im Westen Grönlands nicht so häufig zu sehen, im Osten dagegen tauchen diese Kameraden immer mal wieder auf. Die blaue Färbung kommt durch den extremen Komprimierungsgrad des gefrorenen Wassers, so dass beinahe sämtliche Luft aus dem Eis entweicht. Diese intensive blaue Färbung ist ein Hinweis, auf das hohe Alter des Eises, welches da vor uns trieb. Mithin wohl einige tausend Jahre. Die schwarze Färbung an der Rückseite wiederum kann darauf hindeuten, dass das Eis quasi aus der untersten Schicht eines Gletschers entstammt.

#7

Direkt an der Einfahrt in den Fjord wurden wir vom ersten Buckelwal begrüßt. Wie sich später herausstellen würde, schien er sowas wie der Wächter zum Fjord zu sein. Jedenfalls begegneten wir ihm im Laufe der Reise noch häufiger. Spannenderweise ließ er sich von unserem Schiffchen auch nicht sonderlich beeindrucken, sondern trieb eine ganze Weile relativ dicht an der Wasseroberfläche vor sich hin und ließ uns Touris viel Zeit, Bilder zu machen.

#8

Er schien uns sogar ein Stückchen zubegleiten, bis das Wasser dann doch etwas zu flach wurde, um ausreichend Nahrung zu finden. In der Mitte des Fjords ist das Wasser wohl noch sehr tief, an den Rändern hingegen durch die Moränen der Gletscher, steigt der Meeresboden jedoch sprunghaft an. Wie genau dies dann aussieht, gibt es später im Bericht zu sehen.

#9

Eine Aufnahme, welche das am jenen Tag herrschende Wetter noch mal ganz gut zeigt. Graues Wasser, schroffe, graue Felsen, interessante Eismonumente und zwischen den Berggipfeln hängt Neben bzw. eine Wolke fest. Sicher nicht das absolute Traumurlaubswetter, aber zur Landschaft passte es schon ziemlich gut.

#10

Eines der zahlreichen Eismonumente, die wir an unserem Ankerplatz vorfanden. Fast als hätte ein Künstler diese dort drapiert, so dass es uns nicht langweilig werden würde. Während auf dem offenen Meer das Tiefdruckgebiet mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 80kn durch die Dänemarkstraße peitschte, waren wir weitestgehend windstill aufgehoben.

#11

Nach einigen Vorbereitungen kamen wir dann am Nachmittag in den Genuss unseres ersten Landganges. Eisbären wurden nicht gesichtet, so dass wir die Gelegenheit nutzten, die Reisenden in zwei Gruppen aufzuteilen. Während die eine Gruppe sich vornehmlich am Strand bewegen würde, gab es eine zweite Gruppe, die sich höher hinaus wagte und sich körperlich etwas mehr anstrengen musste. Ich wählte die zweite Gruppe, die sich aufmachte, einen der hängenden Gletscher aus kürzerer Distanz zu begutachten.Auffällig war, dass sobald irgendwo etwas Süßwasser auftauchte, sich Pflanzen finden ließen, wie bspw. hier an diesem Gletscherflusslauf, dem wir noch etwas folgten.

#12

Und so sehen diese hängenden Gletscher dann letztendlich aus. Zustande kommt dies, wenn die Gletscher soweit geschmolzen sind, dass sie nicht mehr die gesamte Bodenfläche bedecken, sondern nur noch die Felshänge. In geologischen Zeiträumen führt dies dann auch häufig dazu, dass sich der Boden anhebt, da mit dem Eis auch eine Menge Masse verloren geht, die vorher auf dem Gestein lastete. Typisch für Ostgrönland sind die überall zu findenden Morängebiete. Da im Prinzip die zerklüftete Küste Ostgrönlands ausnahmslos von Gletschern in den Stein geschliffen wurde, findet man eigentlich fast überall Boden, der aus losem Geröll besteht. Nur selten haben sich erste Pflanzen ansiedeln können und den Boden so befestigen können.

#13

Dies war der Ausblick auf dem Rückweg zu unserer Landungsstelle. Auch wenn grade zu Beginn der Reise das Wetter nicht sonderlich mitspielte und dieses triste Grau im Prinzip die vorherrschende Farbe war, so passt dies im Nachhinein für mich eigentlich recht gut zu dieser kargen und trostlosen Landschaft. Die auf der Aufnahme an der Bergflanke zu erkennenden rotbraunen Flächen sind übrigens die gleichen Pflanzen wie in Bild #11. Im Sommer sieht dieser Fjord bestimmt um einiges farbenprächtiger aus, besonders in Kombination mit dem herrlichen Grün des Wassers… Zu den im Bild befindlichen Gipfeln kann ich noch berichten, dass beide eine Höhe von knapp unter 1000m aufweisen. Mit unserem Schiff direkt vor so einer Felswand zu stehen, die im Prinzip fast senkrecht aus dem Meer wächst, gehört zu den immer wiederkehrenden eindrücklichen Momenten, die sich auch mit zunehmender Häufigkeit nicht abnutzten.

#14

Die nachfolgende Aufnahme verdeutlicht vielleicht noch mal ein wenig die Größenverhältnisse des Eises. Der kleine Punkt auf dem Wasser ist eines der beiden Zodiacs, dass die Rembrandt mit führt. Nach Aussage des Kapitäns und dessen Daten des Echolots, hängen die Eisberge im Bild wohl auf der Moräne eines zurückgewichenen Gletschers fest, auf der die Rembrandt auch ankert. Ohne die Moräne wären das Stoppen und Anker werfen nicht möglich, da die Felswände ebenso senkrecht im Meer nach unten fallen, wie sie über Wasser gen Himmel ragen. Die Tiefe in solchen Fjorden beträgt nicht selten mehrere hundert Meter, auch wenn gefühlt das Ufer gar nicht so weit weg scheint.

#15

Dies ist nun dann auch die letzte Aufnahme des zweiten Tages. Wir erhielten in der abendlichen Runde die Information, dass sich das Wetter auf See weiter verschlechterte, wir aber am kommenden Tag den Versuch unternehmen werden, aus unserem geschützten Fjord heraus zu kommen und im Schutz der nahen Küste weiter gen Norden zu segeln. Da im Moment der Aufnahme wohl auf offener See die Hölle losbrach, mit Windgeschwindigkeiten zwischen 80-100kn, verbrachten wir die Nacht an unserem windgeschützten Ankerplatz. Den Aussichten nach, sollte das Tiefdruckgebiet, welches den Sturm auslöste, sich im Laufe der Nacht abschwächen und an uns vorbei ziehen… Wir werden sehen…

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