Grönland 2016 – Tag 5

#37

Nachdem der Weckruf gegen halb acht durchs Schiff schallte, erhielten wir noch mal den dringenden Rat ausreichend zu frühstücken, so dass der Magen noch etwas beschäftigt ist, aber auch nicht mehr zu dicht gefüllt ist, wenn wir auf die stürmische See treffen würden. Gesagt, getan. Im Anschluss wurden die Pflaster ausgegeben und jeder, der nicht schon vorsorglich selbst welche dabei hatte, klebte sich eines dieser Wunderdinger hinters Ohr. Obige Aufnahme zeigt unsere Ausfahrt aus „unserem“ Fjord, bei der wir natürlich wieder von „unserem“ Wal gebührlich verabschiedet wurden. Von dieser Abschiedsszenerie habe ich allerdings keine Bilder, da ich den Moment einfach mal für mich genießen wollte. Während unserer Ausfahrt wurden auch wieder einmal die Segel gehisst, wobei sich hier schon andeutete, was uns auf der offenen See erwarten würde. Ich nutzte die Gelegenheit noch etwas, um mich an der frischen Luft zu erfreuen und war ebenso wie alle übrigen Gäste bis in die Haarspitzen gespannt, was uns nun erwarten würde…

#38

Und so sah es dann außerhalb des Fjords aus. Mitunter tauchte der Klüverbaum in die heranrollenden Wogen und das Vorschiff wurde ordentlich überspült. Nach Aussage des Kapitäns betrug die Höhe der Wellen bis zu vier mitunter aber auch mal fünf Meter. Dazu sollte man vielleicht noch sagen, dass die Wellenhöhe nicht von Wellenkamm bis Wellental gemessen wird, sondern von Normalnull bis Wellenkamm. Das war schon richtig Rock’n’Roll.
Je weiter wir uns dann aber von der Küste entfernten, desto gleichmäßiger wurde aber der Seegang, man könnte es nach den anfänglichen drei bis vier Stunden fast schon gemütlich nennen. Grund hierfür ist die Entfernung zur Küste, die die Wellen nicht mehr bricht und damit in ihrer Bewegung einschränkt und verwirbelt. So wurde der Seegang ein interessanter Rhythmus für den restlichen Tag, den wir aber leider aus Sicherheitsgründen unter Deck verbringen mussten. Ich hatte ja schon eingangs erwähnt, dass der ein oder andere Brecher das Vorschiff reichlich überspülte, so dass die Sicherheit für die Passagiere vorging und wir stattdessen mit interessanten Vorträgen unterhalten wurden. Im Vergleich zum Jahr zuvor, wirkten die Pflaster aber wirklich wahre Wunder. Der Großteil der Reisegruppe war tatsächlich noch auf den Beinen, wenngleich das Essen kaum Abnehmer fand. Gegen den späteren Abend erhielten wir dann schließlich auch die Möglichkeit, zu zweit als Raucher hinter der Brücke mit Rettungsweste dem Laster zu frönen, obwohl Zigarette und Schwimmweste eigentlich ein absolutes No-Go sind. Hier wurde uns zuliebe aber eine Ausnahme gemacht, zumal wir auch nur genau zwei Raucher an Bord hatten. Das Deck wurde erst in der Nacht wieder freigegeben, als die meisten Passagiere schon den Matratzenhorchdienst übernommen hatten. Dementsprechend gibt es von diesem Tag auf See auch keine weiteren Bilder. Letztlich kann ich die Sicherheitsbedenken zwar verstehen, aber fast einen gesamten Tag unter Deck verbringen zu müssen, war schon eine ziemliche Tortur. Ich war schon ziemlich neidisch auf die Crew, die mit ihren Sicherheitswesten und Karabinern draußen auf dem Schiff rumturnen und das herrliche Wetter genießen konnte. Am wehmütigen Blick eines spanischen Seglers aus unserer Gruppe, konnte ich eine ähnliche Meinung erkennen. Aber nun gut, Sicherheit genießt eben höchste Priorität.

<– Tag 4   Tag 6 –>