Grönland 2016 – Tag 7

#54

Der nächste Morgen kündigte sich wiederum mit fabelhaftem Wetter an. Und während ich mit einigen anderen wenigen Reisenden früh morgens noch vor dem Frühstück an der Reling stand, hörten wir immer mal wieder das Blas einiger Wale. Tatsächlich wurden wir aus einiger Entfernung von einer Schule Finnwalen beobachtet, die mal steuer- mal backbord auftauchten. Allerdings derartig weit weg, dass kein brauchbares Bild gelang. Ich genoss dann auch eher das herrliche Wetter, die morgendlich gedämpfte Stimmung und das zauberhafte Schauspiel der uns begleitenden Wale. Viel besser kann so ein Tag gar nicht starten. Und das war nur ein kleiner Vorgeschmack auf die sich uns noch bietenden Ereignisse.

#55

Um die Mittagszeit liefen wir in den großen Fritjof-Nansen-Fjord ein. Dieser Fjord ist auch für ostgrönländische Verhältnisse sehr groß und wird an dessen Ende von einem wahrhaft riesigen Gletscher gespeist. Davon gibts im späteren Verlauf des Berichts auch noch ein paar Bilder. Wie man sieht, war das Wetter wirklich großartig und wurde stündlich noch besser. Nach all den grauen Tagen, war das ganze Sonnenlicht ein ausgesprochener Augenschmaus! Gleichzeitig informierte uns der Käpt’n, dass bei der Tour vor uns in einem Seitenarm des Fjords nicht weniger als fünf Eisbären gesichtet wurden. Für uns stand für den restlichen Vormittag noch eine gemächliche Tour durch das ganze Eis mit der Rembrandt an, für den Nachmittag dann ein Landgang in einem der Seitenarme.
Zur Aufnahme sei noch schnell gesagt; ich liebe Eisberge im Gegenlicht der strahlenden Sonne vor einem tiefblauen Himmel. Keine Ahnung wieso, aber für mich sind das einfach herrlich beruhigende Aufnahmen. Ich könnte da stundenlang drauf sehen.

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Auf diesem Bild kann man im Hintergrund schon die Gletscherfront erkennen. Der Eisberg im Vordergrund zeugt zum einen durch die blaue Färbung von einem sehr hohen Alter und zum anderen durch das ganze Erdreich davon, dass dieses Stück Eis auf der Unterseite des Gletschers entlang schabte, bis es nach oben gedrückt wurde und schließlich der ganze Brocken ins Meer kalbte. Auf dem Bild vielleicht nur zu erahnen, in der Realität machte dieser Brocken einen enormen EIndruck auf uns. Zumal die Ausmaße unter Wasser derartig waren, dass unsere Crew einen großen Bogen darum machte.

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Mit unserem erfahrenen Kapitän am Steuer fuhren wir bei allerbestem Wetter nun immer weiter in den riesigen Fjord hinein. Das Funkeln des Eises und das Knirschen, Knacken und Zischen der Berge schufen eine ganz eigene Soundkulisse, die an Eindrücklichkeit nur schwer zu überbieten war. Dieser Vormittag war definitiv eines der Highlights der Reise.

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Unter anderem trafen wir auch auf diesen sehr spannend anzusehenden Gesellen. Nicht nur die Färbung empfand ich als spannend, sondern auch die fast schon reliefartige Oberfläche.

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Erstaunlich war auch die fast absolute Windstille, die nach den vorangegangenen stürmischen Tagen sich fast schon irgendwie unwirklich anfühlte. Dazu die Sonne, die noch einiges an Wärme mit sich brachte, so herrschten auf dem Deck gute 15°C. Dies führte wiederum dazu, dass es einen kleinen Snack auf Deck gab, ein Glas Sekt und Schokolade. Da unser Barkeeper uns Passagiere nicht alle auf einmal bewirten konnte, ging ich ihm zur Hand, was zum einen für reichlich Gelächter sorgte und mir immerhin ein Freibier am Abend einbrachte. Ein Jobangebot bekam ich allerdings nicht, so dass ich die nächste Reise mir wieder zusammen sparen muss.

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Ich habe natürlich auch hier mal wieder versucht die Rembrandt mit ins Bild einzubauen, da wir uns natürlich auch an jenem Tage wieder wie Entdecker fühlten, sieht man von Sekt und Schokolade einmal ab. Der schwarze Eisbrocken, der im Bild noch zu erkennen ist, fing kurz nach der Aufnahme laut und vernehmlich an zu krachen und zu ächzen. Kurz darauf brach er unter reichlich Getöse auseinander, sorgte für etwas Wellengang und brauchte dann bestimmt eine halbe Stunde, um die Balance wieder zu finden. Absolut spektakulär dieses Schauspiel aus unmittelbarer Nähe zu bestaunen.

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Ein kleines Suchbild. Ganz oben im Mast hängt unser Expeditionsleiter. Er war dort oben auf Eisbärsuche, konnte aber nirgendwo den König der Arktis entdecken. Gleichzeitig nutzte unser Expeditionsleiter die Chance und schoss ein paar äußerst interessante Fotos von dort oben. Passagieren war die Kletterei allerdings nicht gestattet.

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Dieses Bild habe ich eigentlich nur noch mal mit in den Bericht aufgenommen, um die Ausmaße des Gletschers, der den Fritjof-Nansen-Fjord in den Fels geschliffen hat, zu zeigen. Ich meine mich zu erinnern, dass unser Guide von einer Eisfront von 5km Länge sprach.
Nach diesem wundervollen Vormittag wurde im Anschluss das Mittagessen serviert und wir steuerten in Richtung des Nebenfjords, in dem wir nach dem Essen an Land gehen wollten.

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Etwas Eis zum Genießen und Träumen.

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Erwähnte ich, dass ich Eis im Gegenlicht absolut faszinierend finde?

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Einfach nur Eis.

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Wie schon beschrieben, machten wir uns nun auf den Weg in einen Seitenfjord, um dort an Land zu gehen. Und während wir nach dem reichhaltigen Mittagessen an Deck saßen und die Sonne genossen, wurde Denis unser Geologieguide plötzlich ganz aufmerksam und kurz darauf auch etwas hektisch. Er lief zu Jordi unserem Expeditionsleiter und teilte ihm mit, dass er am Strand zwei weiß-gelbe Steine entdeckt hat, mit vier Beinen und dass sie sich bewegen. Tatsächlich, wir waren auf den König der Arktis getroffen, Eisbären! Wie man auf dem Bild oben erkennt, es waren dort direkt zwei. Vermutlich ein jüngeres Tier mit seiner Mutter.

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In Windeseile wurden die beiden Zodiacs klar gemacht und zu Wasser gelassen. Da die Schlauchboote krfätig genug sind auch 15 Personen auf einmal aufnehmen zu können, wurden beide Boote randvoll mit Passagieren besetzt, so dass alle gleichzeitig zu einer Zodiactour zum Bären aufbrechen konnten. Während wir uns nämlich den Bären näherten, hatte der jüngere der beiden bereits die Flucht ergriffen. Es war schon spannend zu beobachten, mit welcher Geschwindigkeit sich der Bär über den sehr gerölllastigen Hang bewegte ohne dabei in irgendeiner Form ins Rutschen zu kommen. Dabei hatten wir den Eindruck, dass der flüchtende Bär sich noch nicht mal sonderlich beeilte. Dies sorgte zumindest bei mir für einen gehörigen Schuss Respekt vor diesen Tieren.

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Der andere Bär ließ sich hingegen überhaupt nicht aus der Ruhe bringen. Während wir also mit unseren beiden Schlauchbooten dichter und dichter an den Strand heran fuhren, hob die Dame gelegentlich witternd den kopf, schaute uns auch mal an, zog es aber vor, in der Sonne liegen zu bleiben und die warmen Strahlen zu genießen. Wir vermuteten, dass die Bärin wohl kurz zuvor eine Robbe gefangen hatte, so dass sie uns zwar schon interessiert musterte, aber keinerlei Anstalten machte, sich für die Jagd zu rüsten. Weshalb sie allerdings nicht flüchtete, war auch unserem Expeditionsleiter ein Rätsel. Anders als auf Spitzbergen werden die Eisbären in Grönland bejagt. So gleicht ihr natürliches Verhalten bei der Witterung „Mensch“ eher dem, dass das Jungtier an den Tag legte, nämlich Flucht. Wir hatten in diesem Falle jedoch wohl ziemliches Glück.

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Nachdem wir den zweiten Eisbären ausgiebig aus der Nähe betrachtet hatten, fuhren wir mit den Schlauchbooten noch etwas tiefer in den Fjord hinein, wobei wir dann auch noch Eisbär Nummer 3 entdeckten. Auch dieser lag schlicht faul auf seinem Stein herum und ließ sich die Sonne auf den Pelz scheinen. Zwar hob er gelegentlich mal den Kopf, schaute und schnüffelte in unsere Richtung aber viel mehr Aktivität war auch bei diesem Tier nicht zu verzeichnen. Sehr interessant auch zu erfahren, dass die Bären unsere Ankunft im Fjord schon am Vormittag gewittert haben müssten, da sie über extrem hoch entwickelte Sinnesorgane verfügen, insbesondere die Nase. Mit ihrem Geruchssinn sind Eisbären in der Lage, Robben und andere Lebewesen über Kilometer hinweg zu wittern. Vielleicht haben sie auch schon am Geruch erkannt, dass es sich bei uns um harmlose Touristen handelte und deswegen blieben zwei von drei Bären einfach an Ort und Stelle liegen. Diese Raubtiere aus nächster Nähe in freier Natur zu erleben, gehört definitiv zu einem der eindrücklichsten Momenten der ganzen Reise. Mitunter vergas ich auch zu fotografieren und starrte einfach nur auf diese wunderbaren Tiere.

#70

Nach etwa einer halben Stunde ließen wir die Tiere dann auch in Ruhe und fuhren noch ein wenig durch das ebenfalls recht ansehnliche Eisfeld. Dabei gab es dann auch diese hübsche Eishöhle zu sehen, in der das türkise Eis in der Sonne so richtig zu strahlen anfing.

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Die Rembrandt im Gegenlicht im Eis, ein großartiges Fotomotiv.

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Hier nun mein absoluter und nahezu unangefochtener Bildfavorit der Reise 2016. Es wurde sogar auf der Webseite meines Reiseanbieters veröffentlicht. Ich denke, es ist durchaus eine ganz gute Werbung für diese Art der Expeditionskreuzfahrten.

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Während wir nun noch ein wenig mit den Zodiacs durch die farbintensiven Eisformationen kurvten, hörten wir über Sprechfunk mit, dass die Eisbären auch unsere Crew ganz verrückt machten. So wurde die Zweite Offizierin ans Funkgerät gesetzt, um unseren Expeditionsleiter davon zu überzeugen, doch auch noch mit der Mannschaft eine kleine Runde bei den Eisbären zu drehen. Nach längerer Diskussion, unter anderem auch mit dem Kapitän, und auf das Drängen von uns Passagieren, ließ sich unser Expeditionsleiter schließlich wirklich breit schlagen. Kurz nach dem wir an Bord geklettert waren, bestieg die Mannschaft, inklusive Kapitän, das Zodiac und durfte nun ebenfalls an diesen bewegenden Eindrücken teilhaben. Falls es beruhigt, der Erste Offizier und auch zwei der Seemänner waren nicht mit an Bord, ebenso wenig unser Koch. Als schließlich auch die Crew zurückkehrte, trugen im Prinzip alle das gleiche seelige Grinsen im Gesicht und schienen mit sich und der Welt im Reinen zu sein. Wirklich beeindruckend.

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Man beachte bei obiger Aufnahme die drei verschiedenen Varianten des Eises: links tief türkis-blau (also sehr alt), in der Mitte weiß (also verhältnismäßig frisch) und ganz rechts ziemlich schwarz (also Eis, das entweder direkt an der Moräne entlang schabte, oder von der Unterseite des Gletschers nach oben gedrückt wurde).
Im Anschluss machten wir uns wieder auf den Weg weiter nordwärts, da es zum einen Zeit aufzuholen galt und auch die Wettervorhersagen günstig erschienen. Wir hingen noch hinter dem Tief, welches uns die ersten Tage die Reise ja sehr schwer machte und hatten bereits das nächste Tief im Nacken, welches ähnliche unwirtliche Bedingungen mit sich bringen sollte. Dementsprechend war auch ein wenig Eile geboten, so man denn auf einem Segelschiff von Eile sprechen kann.

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Direkt im Anschluss an die Rückkehr der Crew wurde auch sogleich der Anker gelichtet und wir begaben uns auf die Fahrt aus dem Fritjof-Nansen-Fjord hinaus, weiter in Richtung Scoresbysund, das eigentliche Ziel der Reise. Dabei genossen die meisten Passagiere die Zeit in der Sonne an Deck und nutzten noch ein wenig die Zeit, um weitere Aufnahmen von Eisbergen zu machen. Was wir zu diesem Zeitpunkt nicht wussten, je weiter wir nördlich kamen, desto weniger von diesen imposanten Gebilden würden wir sehen.
Erwähnte ich bereits, dass ich Eis im Gegenlicht mag?

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Und während wir so aus dem Fjord hinaus schipperten, tauchten zum einen die Sonne den Himmel in ein ansehnliches Abendlicht, später kam dann noch der Mond hinzu, was schließlich noch von einer min. dreistündigen Polarlichtshow gekrönt wurde.

#77

Dies war dann das Ergebnis mit meiner alten Fuji S5. Auf einem schwankenden Schiff für Aufnahmen von Polarlichtern schlicht ungeeignet. Dieses Bild soll auch nur als Beweis dienen, dass wir wirklich Polarlichter sahen. Wie ich weiter oben schon schrieb, dauerte die Show geschlagene drei Stunden, wobei ich dann einfach nicht mehr konnte und völlig kaputt in meine Koje kippte. Dennoch zählt dieses Himmelsspektakel zu den beeindruckendsten Ereignissen, die wir während unserer Reise alle bewundern durften. Mit dieser Lichtershow ging schließlich auch dieser enorm ereignisreiche Tag zu Ende und ich war wohl auch nicht der einzige Passagier, der völlig platt nur noch schlafen wollte. Die See hatte sich so weit auch wieder beruhigt, so dass das sanfte Schaukeln mich relativ schnell in den Schlaf wog.

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