Grönland 2016 – Tag 8

Wie schon beschrieben, fuhren wir über Nacht, die wiederum sehr kurz war, durch die Polarlichtershow, weiter gen Norden. Ziel war diesmal die Sokongen Bay, in der wir, so es denn keinen Eisbären dort hin verschlug, am Nachmittag eine kleine Wanderung unternehmen wollten. Bei feinstem Spätsommerwetter genossen die meisten Passagiere die Fahrt an Deck und lagen faul in der Sonne und genossen das gleichmäßige Auf und Ab des schwankenden Schiffes. Ich fands wunderbar, zumal ich genau diese Momente schon im letzten Jahr so gerne mochte, einfach mit einem Kaffee an Deck sitzen, gut eingepackt und die Aussicht und die Tatsache genießen, auf einem Segelschiff am Ende der Welt durch eine der unwirtlichsten Gegenden überhaupt zu schippern. Wer braucht da schon Luxus und innenliegende Balkone..

#78

Nach dem Mittagessen wurde schließlich der Anker geworfen, unsere beiden Guides machten sich auf Erkundungstour und etwa eine Stunde später standen wir am Strand. Diese Ansammlung von Brettern hat eine interessante historische Bedeutung, da unsere Guides vermuteten, dass dies Überreste der siebten Polarexpedition Knud Rasmussens sind. Auf ihn, bzw. auf sein Schiff, geht der Name der Bucht zurück, denn mit ihr, der Sokongen, war Rasmussen 1932 in diesen Gewässern unterwegs. Ein wenig fühlten auch wir uns nun wieder wie Entdecker, da es eine überschaubare Anzahl an Menschen gewesen sein dürfte, die auf diesem, eigentlich recht schönen, Fleckchen Erde, ihre Fußspuren hinterließen. Im Anschluss an eine kleine Kurzchronologie zu Rasmussen, wurde die Gruppe wieder aufgeteilt. Der gemütlichere Teil würde eine Runde am Strand drehen, der unruhigere Teil würde versuchen auf den ein oder anderen kleinen Höhenzug zu klettern und versuchen, einen kleinen Überblick über die Bucht zu erlangen.

#79

Wie man hier sehr schön sieht, war die Bucht bewachsen und jetzt, kurz vor dem Wintereinbruch, erstrahlte der ganze Boden in wunderbaren Farben. Dazu die Stille, die sich über das Land senkte, denn hier draußen gab es zu dieser Zeit nicht mal mehr Vögel, einfach wunderbar. Wobei ich zugeben muss, dass „Stille“ erst herrschte, als wir einen kleinen Hügel erklommen hatten und wir alle wieder normal und regelmäßig atmen konnten. So schön, wie diese Gewächse auch aussehen, der Boden ist dadurch sehr weich und mitunter sackte man mal eben bis zum Knie weg, was das Wandern und später klettern doch bös anstrengend machte. Es besteht aber auch die Möglichkeit, dass wir alle ein wenig außer Form geraten waren, dem leckeren Essen unseres indischen Kochs sei Dank.

#80

Dieses wundervolle grüne Gewässer ist mittlerweile tatsächlich zu einem Binnensee geworden. Eine feste Verbindung zum Meer gibt es nicht mehr. Sehr imposant sind darüber hinaus die fast senkrecht empor wachsenden Felswände, welche, wenn ich mich recht entsinne, sich auf gute 800 Meter schrauben. Wahrlich eine imposante Erscheinung, insbesondere, da uns unser Rückweg am Ufer des Sees entlangführte, so dass wir noch mal ein ganz anderes Gefühl für die Höhe der Felswände bekamen.

#81

Hier mal als kleine Überblicksaufnahme des Inneren der Sokongenbay. Die Anhöhe unter der aufblitzenden Gletscherzunge im linken Bildteil war das Ziel der längeren Wanderung, von der man einen wunderbaren Ausblick über die Bucht hatte. Der Blick ins Hinterland wurde durch die Felswände, welche in den vorherigen Aufnahmen zu sehen waren, eindrucksvoll versperrt. Aus der Entfernung kann die Schaumkämme der am Ufer brechenden Wellenkämme erkennen, was für uns Passagiere bedeutete, dass die Landung recht ruppig und auch nass werden könnte. Als kleines Anekdote am Rande sei erzählt, dass eine der mitreisenden Damen bei der eben angedeuteten herausfordernden Landung tatsächlich in den Genuss kam, die verpflichtend zu tragenden Schwimmwesten ob ihrer Funktionalität zu testen. Mit anderen Worten; sie wurde beim Aussteigen durch eine Welle vom Schlauchboot unsanft in der Kniekehle getroffen, was dazu führte, dass sie der Länge nach ins Wasser fiel. Dabei pumpte sich dann in Sekundenbruchteilen die Rettungsweste auf. Die Ärmste war ziemlich durchnässt und wurde mit dem Zodiac auch direkt zurück zum Schiff gebracht, konnte aber bereits dort schon wieder lachen. Sie blieb aber nicht die einzige Person, die sich in die Fluten stürzte. Doch dazu komme ich gleich.

#82

Hier nun der Ausblick von der Anhöhe in die Bucht hinein. Vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass man in diesen Regionen wirklich jedes Gefühl für Entfernungen und auch Zeiten verliert, nicht nur wir Passagiere, sondern auch unser Expeditionsleiter. Unser Einstiegspunkt für die Zodiacs befand sich ganz links am äußersten Ausläufer der Bucht. Der Weg dorthin wurde beim Laufen immer länger, so dass wir allein für den Rückweg fast zwei Stunden brauchten, was ein wenig für Unmut seitens der Mannschaft sorgte, welcher allerdings nicht lange anhielt, da unser Expeditionsleiter für seine optimistischen Zeiteinschätzungen durchaus bekannt ist.
Eine weitere Anekdote sei an dieser Stelle noch kurz erzählt. Wie bereits oben beschrieben, war die Reisende nicht die einzige Person, die sich, wenngleich nicht gänzlich freiwillig, in die Fluten stürzte. Ich nutzte den immer länger werdenden Rückweg um mich ein wenig aufzuheizen und sprang dann ebenfalls ins kühle Nass. Die Temperatur betrug runde 3°C. Das dabei entstehende Bild schickte ich dann an die Leute, die bereits 2015 beim grönländischen Badegang dabei gewesen waren, sozusagen eine kleine Homage.

#83

Zum Abschluss des Tages gab es noch einen kurzen Moment etwas Seefahrerromantik. Während der allabendlichen Besprechung des Tages und dem Ausblick auf den kommenden Tag, berichtete die Gruppe, welche „nur“ am Strand entlang wanderte vom Fund einer Flaschenpost. Diese war, laut Datum des Schreibens, gute 20 Jahre unterwegs, allerdings hatte sie keine sonderlich große Entfernung zurückgelegt, denn sie war größtenteils in grönländisch verfasst, stammte also eher aus der Region. Damit endete auch dieser Tag und wir sahen uns mit der Tatsache konfrontiert, dass nun mehr lediglich zwei volle Tage übrig blieben, ehe die Zeichen auf Rückreise ystanden.

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