Grönland 2016 – Tag 9

#84

Der Morgen des neunten Tages begann mit einer ordentlich dicken Nebelwand auf dem Meer. Dabei kamen wir sogar in den Genuss, eines sogenannten Nebelbogens. Sieht im Prinzip aus wie ein Regenbogen und ist links im Bild auch ein wenig zu erahnen. Im Anschluss fuhren wir in den Romerfjord ein, mit dem Ziel durch den Turnersund wieder ins offene Meer zu gelangen. Da den Turnersund seit den 30er Jahren niemand mehr mit größeren Schiffen befahren hat, gab es hierfür auch keinerlei aktuelle Karten. Es versprach also mal wieder etwas abenteuerlich zu werden, wobei unser Kapitän die Gelegenheit nutzen wollte, diesen Fjord ein wenig genauer zu kartieren. Modernste Navigationstechnik macht es möglich.

#85

Die Nebelschicht blieb dankenswerter Weise auch noch eine ganze Weile nach dem Frühstück zumindest teilweise hängen, so dass sich interessante Bilder boten. Später schienen die Nebelschwaden in sehr tiefhängende Wolken überzugehen, erinnerte mich zumindest ein wenig an unseren zauberhaften Abend im Uummannaqfjord 2015 mit der zweilagigen Wolkendecke.

#86

Im Hintergrund schön zu sehen, die bereits vom ersten Schnee bedeckten Gipfel. Auch wenn sich das Wetter, bis auf den Nebel, mal wieder von der besten Seite zeigte, kündigte sich im Landesinneren bereits der Winter deutlich an, kaum zu glauben, dass nach uns noch zwei weitere Touren, allerdings beschränkt auf den Scoresbysund, mit der Rembrandt im Osten Grönlands Segel setzen wollten.
Dem herrlichen Wetter war es zu verdanken, dass es kaum einen der Passagiere unter Deck hielt, denn der Ausblick und auch die reichliche Prise Abenteuer, die in der Luft lagen, lockten auch die kälteempfindlichsten Reisenden an die frische Luft.

#87

So sah nun die Aussicht auf den Turner-Sund aus. Gar nicht so einfach, die Einfahrt zu finden, da sich der Nebel zwischen den Bergen auch wirklich hartnäckig hielt. Schlussendlich fand unser Kapitän dann aber die richtige Einfahrt und wir pirschten uns mit äußerster Vorsicht durch weitestgehend unbekanntes Terrain. Dazu blieb das Wetter herrlich, so dass es, bis auf das leckere Mittagessen, eigentlich auch keinen Grund gab, sich unter Deck zu begeben.

#88

Dies war der Ausblick auf der Backbordseite, als wir tiefer in den Turner-Sund hinein fuhren. Wie man sieht, hatte sich der Nebel schon etwas gelichtet und ging dafür nun in eine sehr tief hängende Wolkenschicht über, die immer wieder zu versuchen schien, sich weiter durch den Sund zu schlängeln. Klingt vielleicht wenig spannend, aber das ständige Hin und Her wogen der Wolkenfetzen, die auf diesem Bild, und einem späteren, zu sehen sind, fand ich persönlich hoch spannend. Es war fast, als könnte man den Naturgewalten bei ihrem stetigen Spiel zusehen.
Oben auf dem Berggipfel ist auch wiederum ganz gut zu sehen, dass der erste Schnee bereits gefallen war. Der Berg maß, wenn ich mich recht entsinne, etwa 650 Meter. Mein Vorschlag, dort mal nach dem Mittagessen hinauf zu krabbeln, wurde allerdings, aus mir nicht wirklich plausiblen Gründen, abgelehnt.

#89

Im Vordergrund ist eine Landzunge zu sehen, die es auch auf den ältesten Seekarten (aus den 30er Jahren) wohl noch gar nicht gab. Während unser Kapitän also mit höchster Vorsicht versuchte dem Sund weiter zu folgen, meldete sich das „Voraus-Sonar“ plötzlich mit immer niedrigeren Wasserständen. Als nur noch 2 Meter Wasser unter dem Kiel übrig blieben, musste unser Vorhaben schließlich abgebrochen werden. Die Gefahr, auf eine Untiefe aufzufahren und, in dieser wirklich verlassenen Gegend das Schiff auf Grund zu setzen, war dann doch wesentlich größer, zumal auch zu erwarten wäre, dass der Sund für die Rembrandt mittlerweile gar nicht mehr zu befahren ist. Weshalb das Wasser dort so flach geworden ist, kann laut unserem Geologen Denis mehrere Ursachen haben. VOn Erdrutschen, die durch die Schneeschmelze ausgelöst wurden, bis hin zur langsamen aber stetigen Landhebung Grönlands durch den Verlust des Eispanzers, ist wohl so ziemlich alles möglich.
Wie dem auch sei, uns bot sich nun schlussendlich, nach dem reichhaltigen Mittagessen, die Gelegenheit eines weiteren Landganges. Dort, wo auf dem Bild der Nebel so herrlich durch die Sonne angestrahlt wird, würde die Landung stattfinden und sich eine ordentliche Wanderung anschließen.

#90

Noch mal ein Blick in den Fjord hinein, mit der wunderschönen und faszinierenden Nebelbank über dem Wasser.

#91

Dies ist der Küstenstreifen, an den wir an Land gingen. Was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wussten, es sollte auch der letzte Ausflug in der grönländischen Natur für diese Reise sein. Der Ausflug hatte es aber wirklich in sich. Wir teilten auch hier wieder unsere Schar in zwei kleinere Gruppen, wobei ich mich mal wieder der Wanderung an schloss, die etwas höher hinaus wollte. Doch davon an späterer Stelle mehr.

#92

Wie man sieht, führte uns unser Expeditionsleiter zunächst mal direkt einen steilen Hang empor. Das eigentliche Ziel war ein kleiner Flusslauf, den wir schon vom Schiff aus beobachtet hatten und der sich sehr sehenswert in das Gestein geschnitten hatte. Auf der Sonnenseite des kleinen Canyons war auch wieder etwas Vegetation zu finden, die sich in Anbetracht der Jahreszeit ein farbenfrohes Herbstgewand angelegt hatte. Die andere Seite bot uns dann diesen grandiosen Ausblick auf den Turnersund.

#93

Hier nun der kleine Flusslauf, der das ursprüngliche Ziel unserer Wanderung sein sollte. Da wir aber noch jede Menge Zeit hatten, beschloss unser Expeditionsleiter, noch ein wenig höher und weiter zu klettern. Es gab da noch den ein oder anderen kleineren Kamm, welche wunderbarte Ausblicke zu garantieren schienen. Und hatten wir schließlich einen Kamm erreicht, sah man auch schon den nächsten, auf den man wohl auch noch gut rauf klettern konnte. Einfach herrlich durch diese rauhe und weitestgehend unberührte Natur zu stapfen, keinerlei Geräusche wahrzunehmen und einfach direkt im Moment zu sein. Auf einer der zahlreichen Anhöhen, die wir erklommen, legten wir auch eine kleine Pause ein, wo ich die Gelegenheit nutzte, mich etwas weiter abseits zu postieren, um die herrliche Ruhe und den Ausblick zu genießen. Dabei hätte nicht viel gefehlt und ich hätte in meiner Tagträumerei fast noch den Anschluss verloren… und wir befinden uns noch immer im Eisbärengebiet.

#94

Dies ist der Blick von der Anhöhe, als wir den ersten kleinen Zwischenstopp machen mussten, da sich unsere Gruppe zu sehr über die Landfschaft verteilte. Und dies ist auch die Stelle, an der ich fast den Anschluss verpasst hätte. Auf dem Bild sieht man sehr schon den Turnersund, durch den wir bis zu unserem Ankerplatz gefahren sind.

#95

Dies ist nun der Ausblick von der für mich höchsten Stelle der Wanderung. Ein paar wagemutige, inklusive unserem Expeditionsleiter in Gummistiefeln und Schwimmweste, sind tatsächlich noch ein gutes Stück höher auf einen kleinen Gipfel geklettert. Wie man sieht, bestand dieser kleine Berg wiederum aus losem Schiefergestein, an das ich ja noch „gute“ Erinnerungen vom Dundas aus dem letzten Jahr hatte, als ich meine Fingerkuppe einbüßte. Also beschloss ich mich einige Meter weiter unten hinzusetzen und die Ruhe und den wundervollen Ausblick zu genießen. Dazu dann noch das Spiel der tiefhängenden Wolken rechts im Bild… Ich fands einfach herrlich dort oben.

#96

Und hier sieht man nun auch den „Weg“ unseres Abstiegs, wir folgten also dem kleinen Schmelzwasserbach, wobei der Abstieg gelegentlich auch ganz schön knifflig wurde, wiederum durch das Moränegeröll. Wie man aber auch schon sehen kann, die Natur hat zumindest stellenweise, den Boden befestigt und es sind erste Pflanzen zu verzeichnen. Es ist schon spannend, auf welch kargen Untergründen die Natur zu siedeln in der Lage ist.
Nachdem wir nun den Abstieg erfolgreich hinter uns brachten, wurden wir von den Zodiacs aufgesammelt. Dabei fiel dann einem unserer Zodiacfahrer ein merkwürdiger weiß-gelber Stein am anderen Ufer auf, der sich irgendwie auch immer mal wieder zu bewegen schien. Alle wurden schon ganz aufgeregt, bis sich schließlich heraus stellte, dass es eine ziemlich vollgefressene Robbe war, die dort am Strand ihr Verdauungsnickerchen halten wollte.

#97

Mit diesem goldenen Abendhimmel, der gleich bedeutend war mit eisigen Temperaturen, endete nun auch unser letzter voller Tag in der grönländischen WIldnis. Unsere ausgiebige Wanderung und die herrlichen Eindrücke forderten zumindest bei mir ihren Tribut. So verschwand ich dann doch recht früh in meiner Koje, natürlich auch mit einer ordentlichen Portion Melancholie, da die Reise nun unbestreitbar ihrem Ende entgegen ging. Der Plan für den nächsten Tag hielt noch einen Besuch der Siedlung Ittoqqortoormiit parat, einer der abgelegensten Orte in ganz Grönland, wobei die Insel ja nun wirklich nicht arm an abgelegenen Orten ist, aber dies ist zweifellos der abgelegenste Ort.

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