Nørdwinkel

Fotografie Grundlagen – Fototechnik kurz und einfach erklärt

Moin! Hier erkläre ich dir (relativ) kurz und (halbwegs) bündig die technischen Fotografie Grundlagen. Danach wirst du genug wissen, um a, deine Kamera grundlegend zu beherrschen und b, die Grundlagen so gut zu kennen, dass du sie kreativ für deine Bilder nutzen kannst.

Bevor wir uns jetzt aber gleich ins Fachliche stürzen, noch ein paar Worte zum Grundverständnis: Bei den (technischen) Fotografie Grundlagen spielt die richtige Belichtung eine zentrale Rolle. Richtig belichtet ist ein Bild dann, wenn es weder zu dunkel noch zu hell ist (Woran du das erkennst, erkläre ich dir im nächsten Beitrag. Ich bitte um etwas Geduld. Trag‘ dich doch schon mal in meinen Newsletter ein, dann erfährst du als erstes, wenn es Neuigkeiten gibt. :))

Wie genau du die Belichtung steuern kannst, will ich dir hier erklären. Gleichzeitig erzähle ich dir nebenbei, wie du die technischen Fotografie Grundlagen kreativ nutzen kannst. Nun aber genug des einleitenden Wortschwalls. Gestatte mir zunächst einen kleinen Ausflug in die Anfänge der Fotografie.

An den Fotografie Grundlagen hat sich seit den Anfängen im 19. Jahrhundert nichts verändert. Menschen versuchen Licht mit Gläsern und einer kleinen Öffnung in einem Kasten einzufangen. Zugegeben, der technische Fortschritt hat dabei einiges vereinfacht. Du gehst aber grundlegend noch genauso vor wie die Erfinder dieses wundervollen Hobbys.

sonnenuntergang in grönland
Das Motiv ist ungewöhnlich, die Fotografie Grundlagen sind aber die gleichen wie vor 170 Jahren: Licht, lichtdichter Kasten, lichtempfindliches Medium

Das Grundprinzip der Fotografie – kurzer Blick auf die Geschichte

Das Grundprinzip der Fotografie ist ganz einfach: Durch eine kleine Öffnung in einem lichtdichten Kasten strömt Licht ein. Die Lichtstrahlen formen an der Rückwand des Kastens ein auf dem Kopf stehendes Abbild der Szenerie vor dem Kasten (wahrscheinlich kennst du das Prinzip unter dem Namen camera obscura).

die fotografie grundlagen
Eine vereinfachte Darstellung der camera obscura

Mit der Zeit entwickelten kluge Köpfe eine Möglichkeit, dieses Abbild zu fixieren. In der Mitte des 19. Jahrhunderts entstand die Idee, dieses Abbild auf Platten festzuhalten. Fortschritte in der Chemie halfen dabei. Silbersalze (Halogenide) reagieren mit Licht. Eine Platte mit diesen Salzen überzogen, ermöglichte das Fixieren des Abbildes. Gleichzeitig blieb die Physik nicht untätig. Geschliffene Linsen ermöglichten die Korrektur des gedrehten Abbildes und eine bessere Qualität desselbigen. So entstanden immer komplexere Geräte mit immer aufwändigeren Objektivkonstruktionen. Die beiden Urväter der Fotografie, Niépce und Daguerre benötigten für die weltweit erste Fotografie eine Belichtungszeit von einigen Stunden. Und das Ergebnis war dabei nicht sonderlich beeindruckend.

Der Stein der Fotografie Grundlagen kommt ins Rollen

Innerhalb kürzester Zeit entwickelten einige Menschen dieses Prinzip rasch weiter. Der Stein war ins Rollen gekommen. Die Experimentierfreude hatte allerdings auch Schattenseiten. Viele der Fotografie-Pioniere hantierten mit hochgiftigen Chemikalien, wie etwa Quecksilber. Entsprechend erreichten die meisten frühen Fotograf*innen kein hohes Lebensalter. Erst mit der Entwicklung des lichtempfindlichen Rollfilms veränderte sich dies. In den 70er Jahren kamen die ersten Digitalkameras auf. Diese setzten sich erst zur Jahrtausendwende durch, sorgten dann aber für einen enormen Schub. Und seit Kamerasensoren in Handys eingebaut werden, macht nahezu jeder Mensch Fotos.

Du fragst dich nun wahrscheinlich, weshalb diese kurze Geschichtsstunde. Ganz einfach: Jede Kamera, auch die am Mobiltelefon, ist auch heute noch nichts anderes, als eine Kamera obscura. Licht strömt durch eine Öffnung in einen lichtdichten Kasten. An der Rückwand befindet sich ein lichtempfindliches Medium, dass dieses Abbild aufzeichnet. Nicht mehr und auch nicht weniger. Das bedeutet aber auch: Wenn du die Fotografie Grundlagen vertstanden hast, kannst du sie auf JEDE Kamera anwenden. Denn am Grundprinzip hat sich nichts verändert hat. Lediglich in der Entwicklung der dazugehörigen Komponenten wie Objektiv und Film/Sensor hat es enorme Sprünge gegeben. Da ich dich nun aber nicht weiter mit der Historie quälen will, kommen wir mal auf die einzelnen Elemente der Fotografie Grundlagen zu sprechen. Das sind im Einzelnen folgende:

  • Die Blende
  • Die Belichtungszeit
  • Die Lichtempfindlichkeit (ISO)
  • Das Belichtungsdreieck
  • Die Brennweite
  • Die praktische Anwendung
fotografie grundlagen beruhen auf physik keine panik es wird nicht so kompliziert

Vielleicht erkennst du an den Begriffen, dass die Fotografie Grundlagen auf reiner Physik beruhen. Auch wenn du in deiner Schulzeit mit der Physik auf Kriegsfuß standest, ich gebe mir Mühe die einzelnen Begriffe möglichst einfach zu erklären. Du kannst dein Physikbuch also wieder weg legen und die Erinnerungen an fürchterlich trockene Physikstunden zurück drängen. Lass‘ uns starten!

Die Blende

Beginnen wir direkt mit dem kompliziertesten Element, der Blende. Die Blende reguliert im Objektiv die Öffnung, durch die Licht in den lichtdichten Kasten fällt; Physikalisch etwas genauer bezeichnet: Mit der Blende bestimmst du wie hoch der Lichtbündelquerschnitt ist, der auf Sensor/Film trifft. Das will folgendes meinen: Drehst du die Blende sehr weit auf, vergrößerst also die Öffnung, kommt ein sehr breites Lichtbündel in die Kamera. Eine große Blendenöffnung erkennst du zum Beispiel an der Bezeichnung „f2.8“. Umgekehrt kannst du die Zahl „f16“ einstellen. Die Blendenöffnung wird nun sehr klein. Das Licht wird stark gebündelt. Schön, oder? Aber was hat das nun genau mit Fotografieren zu tun? Über die Blendenöffnung und mit dem Querschnitt des Lichtbündels steuerst du den Schärfebereich in deinem Bild; die sogenannte Tiefenschärfe. Je größer die Blendenzahl, desto größer die Tiefenschärfe.

blendenzahl auf einem objektiv
Die rot markierte Zahl ist die minimale Blendenöffnung. Die Angabe in Millimetern ist die Brennweite. Dazu an späterer Stelle mehr. 🙂

Die Tiefenschärfe

Stellst du eine sehr große Blendenöffnung ein, ist das Licht breit gefächert. Das heißt: der scharfe Bereich in deinem Bild ist sehr klein. Andersherum bedeutet eine sehr kleine Blendenöffnung, dass der scharfe Bereich in deinem Bild sehr groß ist. Das Lichtbündel wird stark konzentriert.

Oder anders erklärt: Stell‘ dir vor, du hast zwei Kaffeekannen. Eine davon hat eine sehr schmale Tülle (Tülle ist das Bauteil an einer Kanne, aus dem der Kaffee in die Tasse gegossen wird), die andere eine sehr breite. Ist die Öffnung der Kanne sehr breit, kannst du schnell sehr viel Kaffee ausgießen. Allerdings bist du damit nicht sehr genau. Ist die Öffnung der Tülle sehr klein, kannst du zwar besser zielen, bist aber langsamer. Bei der Blendenöffnung ist es das gleiche. Mit einer großen Öffnung (also kleiner Blendenzahl) kommt schnell viel Licht auf den Sensor/Film. Bei einer kleinen Blendenöffnung (große Blendenzahl) kommt weniger Licht auf den Sensor/Film. Dafür ist das Licht konzentrierter, also mehr Bereiche im Bild scharf.

pilz auf moos im wald
Der Schäörfebereich im Bild ist sehr gering. Dadurch liegt der Fokus sehr deutlich auf dem Pilz.

Und wozu nun das Ganze? Mit der Tiefenschärfe kannst du beim Fotografieren wunderbar spielen. Durch den bewusst gesetzten Fokus, kannst du Elemente in deinem Bild gesondert hervor heben oder betonen. Sehr häufig taucht dieses Spiel in der Portraitfotografie auf. Du kennst mit Sicherheit Bilder, in denen eine Person oder ein Gegenstand vor einem verschwommenen Hintergrund steht. Genau dafür wird mit der Blende gespielt. Hier sind Objektive mit großer Blendenöffnung im Vorteil. Das sind dann aber zugleich meist die Objektive, die auch am teuersten sind.

Die Tiefenschärfe selbst hängt aber nicht nur von der Blende ab. Die Brennweite spielt dabei auch noch eine Rolle. Doch dazu an späterer Stelle mehr.

Zusammenfassung – Die Blende

Fassen wir mal zusammen:

  • Das Objektiv begrenzt die minimale und die maximale Blende
  • Die Blende wird mit einem „f“ angegeben: „f2.8“ oder auch mit „1:x“
  • je kleiner die Blendenzahl, desto größer die Blendenöffnung
  • je größer die Blendenzahl, desto kleiner die Blendenöffnung
  • Mit der Blende kannst du die Lichtmenge steuern, die auf Sensor/Film trifft
  • Du kannst mit der Blende die Tiefenschärfe steuern und damit Bildelemente in den Fokus rücken

So, du hast es geschafft! Mit der Blende hast du das schwierigste Element der Fotografie Grundlagen verstanden. Und nun gibt es gleich noch eine kleine Aufgabe: Schnapp‘ dir deine Kamera. Lege sie auf eine stabile Unterlage oder schraube sie besser noch auf ein Stativ. Suche dir ein Motiv und fotografiere munter eine komplette Blendenreihe (also von kleinster bis größter Blendenzahl) durch. Im Anschluss siehst du dir die Bilder an einem großen Bildschirm an. Interessant, oder?

War ich etwas voreilig und du weißt gar nicht, wie du so eine Bildfolge mit unterschiedlichen Blenden machen sollst? Sieh auf deiner Kamera nach. Du findest auf dem Moduswählrad bestimmt einige Buchstaben: M, A (bei Pentax und Canon auch „Av“), S (bei Pentax und Canon „Tv“), P. Bei kleineren Digitalkameras kannst du mit Sicherheit verschiedene Aufnahmemodi auswählen, wie Sport, Landschaft und so weiter. Häufig findest du dort genau diese Buchstaben. Wählst du den Buchstaben „A“ kannst du der Kamera vorgeben, bei welcher Blende du fotografieren möchtest. Die Kamera berechnet dann den Rest. Fertig. Das klappt mittlerweile auch mit Handykameras. Dort heißt es dann „erweiterter Modus“ oder „Profimodus“. 🙂

Die Belichtungszeit

Stürzen wir uns nun gleich auf das zweite Element der Fotografie Grundlagen: die Belichtungszeit. Hier kann ich mir lange Erklärungen glücklicherweise sparen. Denn die Definition steckt schon im Begriff. Mit der Belichtungszeit steuerst du wie lange Film/Sensor belichtet werden. In den Anfängen der Fotografie nahm man dazu einfach die Kappe vom Objektiv. Heutzutage öffnet sich ein Verschluss, hinter dem der Film/Sensor liegt.

Soweit so einfach. Du ahnst es vielleicht schon: damit ist es aber nicht getan. Denn auch mit der Belichtungszeit lässt es sich hervorragend spielen. Mit sehr kurzen Belichtungszeiten (also im Bereich der Tausendstelsekunde, auf Kameras folgendermaßen dargestellt: „1/2000“) kannst du Bewegungen einfrieren. Beispielsweise einen rennenden Hund oder Wellen, die über einem Hindernis brechen. Das kann sehr spektakulär wirken.

welle bricht über bunker
Mit einer sehr kurzen Belichtungszeit kannst du die Welle „einfrieren“. Jeder Wassertropfen ist zu erkennen.

Mit langen Belichtungszeiten kannst du Bewegungen verschwimmen lassen. Das kann bei Wasser sehr malerisch wirken. Oder auch Dynamik signalisieren. Sicher kennst du aus alten Cartoons die Beine, die zu rotierenden Scheiben werden, wenn Jerry mal wieder nur knapp Toms fiesen Anschlägen entgeht. 🙂 Ganz so extrem klappt das in der Fotografie natürlich nicht. Aber um Bewegung in einem statischen Medium darzustellen, reichen leicht verschwommene Räder oder auch Wellenränder.

rauschende welle am ostseestrand
Bei Belichtungszeiten von etwa 1/5 Sekunde verwischen die Wellen, sind aber noch als solche zu erkennen.
abendhimmel über ostsee mit ziehenden wolken
Durch die lange Belichtungszeit erscheint die Ostsee eher wie Nebel. Die Wolken verschwimmen ebenfalls, da sie in den 4min Belichtung weiterzogen.

Achtung! Stativ oder feste Unterlage sind für lange Belichtungszeiten Pflicht

Bei solch langen Belichtungszeiten kommst du um eine feste Unterlage für deine Kamera, wie etwa ein Stativ, nicht mehr herum. Denn mit längeren Belichtungszeiten steigt auch die Gefahr des Verwackelns. Du kannst die Kamera noch so ruhig halten, irgendwie bewegst du dich immer ein bisschen. Es gibt zwar Stabilisatoren, die diese Bewegungen ausgleichen. Zaubern können die aber auch nicht.

Für Aufnahmen aus der Hand gibt es eine Faustregel: Brennweite = minimale Belichtungszeit. Soll heißen: Bei einem Objektiv mit 50mm Brennweite kannst du ohne Verwacklung mit 1/50s aus der Hand fotografieren. Bei 300mm 1/300s, bei 12mm 1/12s. Was es mit der Brennweite auf sich hat, kommt im späteren Verlauf. 🙂

Zusammenfassung – Die Belichtungszeit

Kurze Zusammenfassung des Gelernten:

  • Mit der Belichtungszeit steuerst du die Dauer des Lichteinfalls auf den Sensor/Film
  • Mit kurzen Belichtungszeiten kannst du Bewegungen „einfrieren“
  • Lange Belichtungszeiten lassen Bewegungen verschwimmen
  • bei langen Belichtungszeiten benötigst du eine Unterlage/Stativ
  • lange Belichtungszeiten bergen die Gefahr des Verwackelns
  • Faustregel: Brennweite = 1/minimale Belichtungszeit in Sekunden
hund rennend am strand
Für einen Hund in vollem Lauf brauchst du extrem kurze Belichtungszeiten. Hier öffnete sich der Verschluss für 1/1250 Sekunde.

Neugierig geworden? Dann schnapp‘ dir deine Kamera und schraube sie auf ein Stativ oder stell‘ sie auf eine stabile Unterlage. Statt des Modus „A“ (oder „Av“) für die Blendenwahl, wählst du jetzt den Modus „S“ (bei Canon und Pentax „Tv“). Jetzt kannst du lustig mit der Belichtungszeit spielen. Deine Kamera berechnet dann den Rest. Dieser Modus ist besonders nützlich, wenn du Bewegungen fotografieren möchtest und du ebendiese „einfrieren“ willst. Ganz praktisch bedeutet das: Willst du deinen Hund in vollem Lauf knackscharf fotografieren, darf die Belichtungszeit nicht unter 1/800s liegen. Andernfalls verwischt dir der Hund, weil er sich zu schnell bewegt. Oder aber du willst einen Fluss als milchig-weißen Nebel darstellen. Dann benötigst du sehr lange Belichtungszeiten. Nutzt du nun den Modus „S“ kannst du dich voll und ganz auf dein Motiv konzentrieren. Die Kamera berechnet die richtige Belichtung mit Blende und ISO-Wert.

Die Lichtempfindlichkeit (ISO)

Die Digitalisierung brachte der Fotografie einen unfassbaren Vorteil: Du kannst bei jeder Aufnahme entscheiden, wie lichtempfindlich dein Sensor sein soll. Gut, Kritiker*innen könnten jetzt einwerfen: „Das ging früher bei den Plattenkameras auch schon!“ Allerdings war das Prozedere bei der Plattenfotografie um einiges aufwendiger. Heute kannst du mit deiner Kamera ein Bild bei ISO 80 aufnehmen, das nächste bei ISO 25.600 oder noch mehr. Was bedeutet aber diese ISO-Zahl eigentlich?

Hier muss ich dich noch einmal mit dem Geschichtsbuch heim suchen. Mit dem ISO-Wert (vor der ISO-Einführung gab es noch ASA und DIN) sollten Filme in ihrer Helligkeitsdarstellung vergleichbar gemacht werden. Also ein Fuji-Film sollte bei ISO 200 mit Blende 8 und Belichtungszeit 1/100s in der Helligkeit identisch mit einem Agfa-Film sein. Bei der Entwicklung der Kamerasensoren übernahmen die Hersteller diese Praxis.

Hauptsächlich hast du über das Verstellen der Lichtempfindlichkeit des Sensors die Möglichkeit, dynamisch auf Veränderungen des Lichts zu reagieren. Bei Filmen sah das anders aus. Denn änderten sich spontan die Lichtverhältnisse hattest du nur zwei Möglichkeiten: Film zurückspulen und einen neuen einlegen oder hoffen, die neue Situation mit Blende und Belichtungszeit zu bändigen.

Der ISO-Wert in der Praxis

Lass‘ mich dir nun kurz erklären, wann du welchen Wert nutzen solltest. Grundlegend gilt auch hier eine Faustregel: „So niedrig wie möglich, so hoch wie nötig.“

Das soll bedeuten: Wenn dir ausreichend Licht zur Verfügung steht, nutzt du den kleinsten ISO-Wert den deine Kamera kann. Der liegt, je nach Modell und Hersteller, meist zwischen 64 und 200. Wenn es nun dunkler wird, die Belichtungszeit ist an der Grenze des Verwackelns, die Blende geht nicht weiter auf und du hast kein Stativ dabei, kannst du für ein gut belichtetes Bild den ISO-Wert erhöhen. Willst du schnelle Bewegungen fotografieren, wirst du sehr häufig auch bei Tageslicht schon höhere ISO-Werte einstellen müssen.

Hohe ISO-Werte haben Nachteile

milchstraße am strand
Eine Aufnahme bei ISO 10.000
bildrauschen an der ostsee
Und hier mal in der Vergrößerung das sogenannte Bildrauschen.

Solltest du dich jetzt fragen, weshalb du den ISO-Wert „So niedrig wie möglich“ einstellen solltest: Mit der Erhöhung der Lichtempfindlichkeit steigt die Fehlbelichtung einzelner Pixel, das sogenannte Bildrauschen. Halte ich persönlich für nicht so schlimm. Denn wenn du nicht grade die Fassade deines Wohnhauses mit einem deiner Bilder plakatieren willst, wird es in der Regel nicht auffallen. Und tappe bloß nicht in die Foto-Foren-Falle. Dort wirst du massenhaft Behauptungen und Beweise finden, das deine Kamera ab einem ISO-Wert von 400 völlig unbrauchbar sein wird. Am Anfang bin ich auf den Quatsch reingefallen. Heute weiß ich es zum Glück besser. Daher mein Rat: Lass‘ dich von dem Unsinn nicht verunsichern. 🙂

leuchtendes fenster in ienem dunkeln raum
Hier kam die Kamera an ihre Grenze. Der Helligkeitsunterschied ist zu heftig. Je empfindlicher der Sensor (also je höher der ISO-Wert) desto weniger Helligkeitsunterschied verkraftet der Sensor.

Wesentlich wichtiger, weshalb du hohe ISO-Werte meiden solltest: Der Dynamikumfang des Sensors wird immer geringer. Alles klar? Nein? Kein Problem. Ich erklär’s dir kurz. Kamerasensoren können nur eine bestimmte Bandbreite an Helligkeit darstellen. Klassiker: Du fotografierst bei Sonnenschein in einem Innenraum mit Fenstern. Der Helligkeitsunterschied lässt dich nun wählen: Innenraum hell, dafür in den Fenstern nach draußen nur weiß. Oder auf dem Bild ist die Aussicht aus dem Fenster zu erkennen, aber der Innenraum ist zu dunkel. Und je höher dein ISO-Wert steigt, desto weniger Helligkeitsunterschied verträgt der Sensor. Noch mal etwas praktischer: Fotografierst du bei Sonne im Wald, siehts du bei ISO 100 sowohl das Himmelsblau als auch etwas Grün im Wald. Um und bei ISO 1600 und höher wirst du nur noch entweder Himmelsblau oder Waldgrün erkennen. Aber nicht mehr beides zusammen. Als Landschaftsfotograf finde ich dieses Problem wesentlich gravierender, als ein bissel Bildrauschen. 🙂

ISO-Automatik

Meine Empfehlung: Gerade in den Anfängen will ich dir empfehlen, die ISO-Automatik deiner Kamera zu nutzen. Denn glaube mir, du wirst mit Blende, Belichtungszeit und Bildgestaltung genug zu tun haben. Und wie bereits erwähnt: Lieber ein Bild mit einem hohen ISO-Wert als gar keins. 🙂

zwei tobende hunde auf einer wiese
Strahlender Sonnenschein, aber der Schatten bei einer Belichtungszeit von 1/4000 Sekunde machte eine Erhöhung des ISO-Wertes auf 800 notwendig.

So, und nun hast du es auch schon fast geschafft. Eine kleine Aufgabe gibt es aber noch: Mach ein paar Bilder mit verschiedenen ISO-Werten. Guck dir die Bilder anschließend an und notiere dir, bis zu welchem ISO-Wert du mit dem Bildergebnis leben kannst. Wühle dich im Anschluss durch das Menü deiner Kamera und stell‘ bei der ISO-Automatik den von dir notierten ISO-Wert als Maximalwert ein. Damit hast du nun erstmal Ruhe und kannst dich auf die anderen Aspekte der Fotografie Grundlagen stürzen. 🙂 (Falls es dich interessiert: Meine Schmerzgrenze liegt bei ISO 12.800. Und das mit einer Kamera, die laut Foren schon bei ISO 500 nicht mehr zu gebrauchen ist… :D)

Kleiner Motivationsschub gefällig? Du hast es fast geschafft. 🙂 An diesem Punkt weißt du schon mehr übers Fotografieren als vermutlich 85% aller Instagram-Nutzer*innen. (Und nein, ich habe keinen Beleg für meine Behauptung. Wenn ich durch die Ergebnisse scrolle, habe ich aber den Eindruck, dass lediglich 15 Prozent wirklich wissen, was sie da tun 😉 )

Zusammenfassung – Der ISO-Wert

Du kannst die Lichtempfindlichkeit des Sensors je nach Lichtsituation anpassen. Ein kaum zu überschätzender Vorteil. Gestatten dir Blende und Belichtungszeit kreativen Spielraum, kann das dritte Element der Fotografie Grundlagen damit nicht aufwarten. Den ISO-Wert zu variieren bringt dir nur mehr Spielraum in anspruchsvollen Lichtsituationen. Oder aber zum Ausgleichen, wenn du beispielsweise sehr viel Tiefenschärfe im Bild haben willst oder sehr kurz belichten willst.

  • So niedrig wie möglich, so hoch wie nötig
  • hohe Lichtempfindlichkeit mindert den Dynamikumfang
  • hohe Lichtempfindlichkeit sorgt für Bildrauschen
  • dient als Ausgleichsmöglichkeit, wenn du Veränderungen an Blende und/oder Belichtungszeit vornimmst
  • lässt dich flexibel auf sich verändernde Lichtsituationen reagieren
  • zu Beginn als Fotograf*in bist du mit der ISO-Automatik gut beraten

Das Belichtungsdreieck

Im Zuge der Lichtempfindlichkeit tauchte ja bereits ein erster Hinweis auf: Die drei genannten Elemente (Blende, Zeit, ISO) hängen zusammen. Oder etwas genauer: Die drei Elemente beeinflussen einander und damit die Belichtung deines Bildes. Veränderst du einen der Werte, wirst du die anderen anpassen müssen. Gleichzeitig hast du damit auch die Möglichkeit, auf verschiedene Situationen mit unterschiedlichen Anpassungen zu reagieren.

Daher ist es wichtig, dass du dir bereits vor deinem Bild überlegst, was du aufnehmen willst. Möchtest du einen rennenden Hund aufnehmen, hast du bei der Belichtungszeit nicht viel Spielraum. Hier musst du eher die Blende öffnen und/oder den ISO-Wert erhöhen. Und zwar genau in dieser Reihenfolge. 😉

Ganz anders sieht es in der Landschaftsfotografie aus; besonders wenn du mit einem Stativ durch die Natur stappfst. Wirken deine Bilder zu dunkel, kannst du die Belichtungszeit nahezu unbegrenzt ausdehnen. Und das erspart dir wiederum das Variieren der ISO. Okay, vielleicht ein wenig sehr stark verallgemeinert, aber ich denke, du verstehst, was ich meine. Um das ganze ein wenig anschaulicher zu machen, stell‘ dir ein Dreieck vor. Die Ecken sind die drei Elemente der Fotografie Grundlagen: Blende, ISO, Belichtungszeit.

schematische darstellung des belichtungsdreiecks
Haut vielleicht nicht zu 100% hin, verdeutlicht aber den Zusammenhang der drei Faktoren

Die Brennweite

Ein letztes Thema will ich zumindest noch kurz ansprechen: Die Brennweite. Diese hat nur indirekt Einfluss auf die Belichtung. Dafür bestimmt die Brennweite, wie groß dein Bildwinkel der Aufnahme ist. Mit anderen (flapsigen) Worten: Die Brennweite sagt dir, wieviel auf’s Bild passt. Diese wird in Millimetern angegeben. Es gibt zwei grundlegend unterschiedliche Arten von Objektive: Zooms und Festbrennweiten. Erstere sind in der Brennweite variabel, letztere haben in der Regel eine größere maximale Blendenöffnung.

brennweitenangabe auf einem objektiv
Die Brennweite wird in der Regel auf dem Objektiv aufgedruckt.

Es lassen sich dabei drei Hauptkategorien unterscheiden:

  • 0-35 Millimeter Brennweite „Weitwinkelobjektive“ (weiter Bildwinkel)
  • 35-70 Millimeter Brennweite „Normalobjektive“ („normal“ weil dieser Bereich unserem Sichtfeld nahe kommt)
  • ab 70 Millimeter „Teleobjektive“

Je kleiner die Zahl, desto größer der Bildwinkel. Je größer die Zahl, desto kleiner der Bildwinkel. Was meine ich nun aber mit Bildwinkel. Diese Größe meint das Licht, was vor dem Objektiv eingesammelt wird und auf Sensor/Film trifft. Mit großen Brennweiten lassen sich kleine Motive formatfüllend auf ein Bild bringen. Hingegen mit kleineren Brennweiten taucht mehr von der Umgebung im Bild auf. Damit kannst du hervorragend spielen und rumprobieren. Aber Vorsicht: Sehr kurze Brennweiten erfordern etwas Übung im Hinblick auf Bildgestaltung. Andernfalls werden die Bilder sehr schnell langweilig. Und sehr lange Brennweiten eignen sich für Details. Aber sein gesamtes Portfolio aus Details zu erstellen, kann halt auch sehr schnell langweilig werden. Das aber nur als kleine Anmerkung am Rande.

Brennweite und Tiefenschärfe hängen zusammen

Der Grund, weshalb ich dich mit einer weiteren physikalischen Größe quäle: Die Brennweite wird durch das Objektiv vorgegeben. Ein weiteres Element der Fotografie Grundlagen sitzt ebenfalls im Objektiv: Die Blende. Wie du dich sicher erinnerst, steuerst du zwei Sachen mit der Blende. A, den Querschnitt des Lichtbündels der auf Sensor/Film trifft und B, den Bereich der Tiefenschärfe. B ist im Zusammenhang mit der Brennweite wichtig. Denn je größer die Brennweite, desto kleiner wird der Bereich der Tiefenschärfe. Kleines Beispiel: Du nimmst ein Portrait bei 300mm Brennweite und einer Blende von f2.8 auf. Du hast natürlich auf die Augen fokussiert. Der Bereich der Schärfe beträgt bei diesen Einstellungen allerdings weniger als 1 Zentimeter. Es reicht also, wenn sich die Person nur einen Hauch bewegt und dein Fokus liegt daneben. 🙂 Andererseits haben größere Brennweiten den Vorteil, dass der Hintergrund sehr schnell verschwimmt, was bei Portraits ja gern gewünscht ist.

libelle auf einem grashalm vor verschwommenen hintergrund
Große Brennweite und offene Blende sorgen für einen stark verschwommenen Hintergrund. So lenkt nichts von der Libelle ab.

Da ich keine Fotos von Menschen aufnehme, muss halt ein Insekt herhalten. Ich denke, du verstehst, was ich meine. 🙂

Und ja, ich muss es kurz noch loswerden: Es gibt keine ideale Brennweite für ein bestimmtes Subgenre der Fotografie. Häufig kannst du in Fotoforen lesen, dass Landschaftsfotografie nur mit (Ultra-/Super-/Hyper-/Mega-)Weitwinkel möglich ist. Andersrum lässt sich Sport wohl nur mit Teleobjektiven knipsen. Meiner Meinung nach einfach Unsinn.

sonnenuntergang am see bei farbigem sonnenuntergang
Ein Landschaftsbild ohne Weitwinkel. Da stellen sich bei einigen Dogmatikern*innen wohl die Nackenhaare auf… 😀

Die praktische Anwendung

So! Herzlichen Glückwunsch. Du hast es geschafft. Wenn du hier angekommen bist, sollte dich deine Kamera vor keine Rätsel mehr stellen. Zumindest nicht was die Fotografie Grundlagen angeht. Mir ist bewusst, dass so eine Kamera noch viel viel mehr kann. Themen wie Autofokus, Belichtungsreihen, Blitzlicht und so weiter, habe ich noch gar nicht angerissen. Das darfst du nun selber herausfinden. Denn das technische Wissen für gute Fotos hast du nun. 🙂

Willst du neben der Technik auch erfahren, was gute Fotos ausmacht und wie du dich mit deinen Bildern von der Masse abheben kannst? Dann schau‘ dir unbedingt meinen Beitrag zum Fotografieren lernen an. Denn da geht’s weniger um die Technik, als viel mehr um das, was du mit deinen Bildern zeigen willst/kannst. 🙂 Darf es noch praktischer sein? Unter Sonnenuntergang an der Ostsee fotografieren habe ich dir kurz und knackig aufgeschrieben, wie ich vorgehe, wenn ich das Farbenspiel am Abend einfangen will.

Probier‘ dich aus und lerne deine Kamera kennen. Du wirst feststellen, dass du mit jedem bewusst aufgenommen Bild sicherer im Umgang mit deinem Apparat wirst. Und dabei ist es völlig irrelevant, ob das Gerät den Wert eines Kleinwagens hat oder du gebraucht ein älteres Modell erworben hast. Und auch mit dem Handy lassen sich mittlerweile großartige Bilder aufnehmen. Denn die beste Kamera ist die, die du dabei hast.

In diesem Sinne Gut Licht!

Fotografie Grundlagen – Fototechnik kurz und einfach erklärt

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