Nørdwinkel

Fotografieren lernen – Tipps für einfach bessere Bilder

Durch Smartphones wird heute jeder zum Fotografen. Oder fast, vielleicht, halbwegs, zumindest beinahe. Ich verrate dir, wie du mit ein paar einfachen Tricks und Kniffen dich von der Masse der „Beinahe-Fotograf*innen“ abhebst. Denn Fotografieren lernen ist wirklich nicht schwer. Das Schöne daran: Du brauchst keine teure Kameraausrüstung, kaum technisches Verständnis und musst im Kunstunterricht auch nicht zu den Überfliegern gehört haben. Versprochen.:)

roter abendhimmel über einem see mit zwei inseln willst du ernsthaft fotografieren lernen bekommst du bald solche bilder hin
Für solche Bilder brauchst du vor allem Geduld!

Um spannende Fotos zu machen, brauchst du eigentlich nur Folgendes:

  • Geduld (in meinen Augen am wichtigsten!)
  • irgendeine Kamera (das Handy reicht vollkommen)
  • Geduld (in meinen Augen am wichtigsten!)
  • Selbstbewusstsein (habe keine Angst dich zum Affen zu machen)
  • Geduld (in meinen Augen am wichtigsten!)
  • Kleidung, die dreckig werden darf
  • Geduld (in meinen Augen am wichtigsten)
  • Bereitschaft aus Fehlern zu lernen
  • Geduld (in meinen Augen am wichtigsten!)
  • Bedienung eines Computers (oder Smartphones)

Wie du siehst, die wichtigsten Sachen (GEDULD!) kannst du dir auch nicht für viel Geld kaufen. Mit Ausnahme der Kamera. Aber sei dir da versichert: Je teurer die Kamera, desto mehr Möglichkeiten erwirbst du, dir das Bild zu versauen.:) Willst du mehr über die technischen Grundlagen des Fotografierens wissen, sieh dir den Beitrag Fotografie Grundlagen an. Hier erkläre ich dir die Technik der Fotografie. 🙂

Geduld

Geduld ist eine Grundtugend. Ohne sie wird dir das Fotografieren lernen schwer fallen. „Die ersten 10.000 Bilder sind die Schlechtesten.“ Dieses Zitat sagt eigentlich so ziemlich alles aus. Ohne Geduld wirst du diese Grenze nicht überschreiten. Aber ich verspreche dir: Mit jedem bewusst aufgenommen Bild wirst du dich spürbar verbessern! Und der eigene, sichtbare Fortschritt wird zu deiner Motivation. Denn wenn du schon deine Fortschritte siehst, sehen sie andere erst recht.:)

spiegelnder berg vor gebirgssee
Geduld und Erfahrung ermöglichen solche Aufnahmen

Weiterhin ist Geduld notwendig, um auf das richtige Licht zu warten. Für einige meiner besten Bilder von der Ostsee bin ich unzählige Male an den Strand gefahren – ohne dass ich zeigenswerte Bilder aufgenommen hätte. Oder ich packte meine Sachen frustriert zusammen und auf dem Rückweg fand die Sonne eine Lücke in der Wolkendecke. Das Farbspektakel am Himmel verfolgte ich im Rückspiegel… . Dies wirst du in meinen Bildern aber nicht sehen. Und doch gehört dieser Part genauso dazu. Auch schlechte Ergebnisse musst du beim Fotografieren lernen hinzunehmen.

Nicht entmutigen lassen!

Wichtig ist dabei, dass du dich nicht entmutigen lässt. Sondern dass du weiter machst. Eines der besten Tierfotos, die ich sah, zeigt einen Eisvogel kurz vor dem Eintauchen im spiegelnden und glatten Wasser. Der Fotograf Alan McFadyen gab an, dass er für dieses Bild ca. 720.000 andere Bilder aufnahm. Dafür hat es sich aber gelohnt.:)

Und auch vor Ort zahlt sich Geduld aus. Hektik ist beim Fotografieren, und ganz besonders beim Fotografieren lernen, oft ein sehr schlechter Berater. Lass dir Zeit für deine Fotos. Nimm die Atmosphäre des Ortes auf und probiere dich aus. Und, wie schon weiter oben erwähnt, packe deinen Kram nicht zu früh ein. 🙂

sonne bricht durch dichte nebel- und wolkendecke
Fast hätten wir schon unsere Kameras eingepackt, als sich die Sonne für einen kurzen Moment im Pfälzerwald blicken ließ

Um dennoch zügig Fortschritte in deinen Bildern zu sehen, hast du immerhin schon den ersten wichtigen Schritt gemacht: Du suchst im Netz nach Anleitungen, um das Fotografieren zu lernen. Und nun kommen wir zu ganz praktischen Schritten.

Bildgestaltung

Ich erwähnte weiter oben ja bereits den Kunstunterricht. So ganz kommst du um die Inhalte nicht herum. Es wird aber sehr kurz und schmerzlos, versprochen.:)

Schau dir zunächst mal ein paar Bilder von guten Fotograf*innen genauer an. Überlege dir, weshalb die Bilder eine starke Wirkung auf dich haben. Mach‘ dir am besten Notizen zu den Dingen, die dir auffallen. Gefällt dir das besondere Licht? Fasziniert dich der Bildaufbau? Kurzum: Alles, was dir auffällt, kannst du bei deinem nächsten, eigenen Fotoausflug einfach mal ausprobieren. Schwierig wird es nur, wenn dich, wie mich, Bilder von Eisbergen faszinieren. Eisberge in unseren Breiten sind ja leider weitestgehend unmöglich… .
Vermutlich fallen dir bei genauerer Betrachtungsweise einige Sachen auf, die ich dir kurz vorstellen werde:

Grundlegendes

Das Bild erzählt eine Geschichte!
Ja, Bilder können Geschichten erzählen. Wenn du das Fotografieren lernen möchtest, solltest du dir Gedanken über dein Bild machen. Damit meine ich, dass du dir überlegen sollst, was du zeigen willst. Welche Geschichte willst du deinem Publikum erzählen? Willst du Menschen zum Lachen bringen? Nachdenklich stimmen? Offen auf Missstände hinweisen? Oder ein Art Märchen erzählen?

Trekking-Ausrüstung an einem Strand eines Sees
Verschiedene Elemente sorgen für Spannung im Bild. Willst du die Geschichte im Bild erfahren?

Ich fand in meinen Anfängen Aussagen wie: „Ich muss noch mal zu dem Spot. Ich hab‘ da noch ein Bild im Kopf, dass ich unbedingt aufnehmen will.“, weitestgehend merkwürdig. Mittlerweile verstehe ich, was damit gemeint ist.

In Gedanken bilden sich Vorstellungen von Lichtsituationen. Und wie diese sich auf eine bestimmte Szenerie ausswirken. Mit verschiedenen Zusatzprogammen lässt sich beispielsweise der Sonnenstand anzeigen. So kannst du nachvollziehen, wann die Sonne wohin scheint. Google Earth kann so etwas beispielsweise.

Zur Geschichte gehört aber noch mehr. Wann interessieren dich Geschichten? Wenn Unerwartetes passiert, Spannung entsteht oder wenn Gegensätze aufeinander prallen. Mach‘ dir dieses Wissen zunutze. Erschaffe Bilder mit starken Kontrasten.

Exkurs: Kontraste

Lass‘ mich hier kurz meinen Erzählstrang unterbrechen. Kontraste sind eines DER Bildelemente, mit denen du Zuschauende gefangen nimmst. Folglich sind sie im Prozess des Fotografieren lernens auch enorm wichtig.
Wie kannst du aber Kontraste erzeugen? Dafür stehen dir in der Fotografie verschiedene Möglichkeiten zur Auswahl:

  • Farbkontraste
  • Hell-Dunkel-Kontraste
  • Inhalt-Kontraste (Gegensätze)
  • Strukturkontraste
  • Größenkontraste

Farbkontraste erzeugst du am einfachsten über die klassischen Komplementärkontraste. Rot-Grün, Orange-Blau, Gelb-Violett. Mit besten Grüßen aus dem Kunstunterricht. 🙂 Im Bild kann das dann folgendermaßen aussehen:

orange wolken über bergkulisse hinter einem see
Ein Klassiker: orange Wolken in einer sehr blauen Umgebung.

Durch die Kontrastfarben Orange und Blau entsteht ein spannender Kontrast im Bild. Das fällt auf und bleibt auch in der Instafotoflut hängen.

dicke wolken in felsiger landschaft durch die die sonne bricht
Der Kontrast zwischen den düsteren Wolken und den Sonnenstrahlen erzeugt eine ganz eigene Stimmung

Hell-Dunkel-Kontraste sorgen spürbar für Dramatik in der Szenerie. Im obigen Bild deutet der Hell-Dunkel-Kontrast an, dass das Wetter in Nordschweden sehr wechselhaft war. Während in einigen Bereichen die Sonne durch die Wolken brach, wanderten wir eher im Schatten. Wir hatten an dem Tag übrigens reichlich Glück. Hinter uns konnten wir sehen, wie sich die dicken Wolken entluden. So richtig nass geworden sind wir erst ein paar Tage später… .

industrieruine wo zwischen schutt grüne pflanzen wachsen
Eine verfallene Industrieruine, die sich die Natur zurückerobert. Sehr dankbar für uns Fotograf*innen und regt Betrachtende zu Diskussionen an.

Inhalt-Kontraste (Gegensätze) erklären sich fast schon von selbst. 🙂 Durch die Kombination von Gegensätzen bringst du die Zuschauenden zum Nachdenken. Durch inhaltliche Kontraste kannst du Menschen auffordern, sich zu positionieren, sich mit dem Inhalt auseinanderzusetzen oder ihnen eine weitere Perspektive eröffnen.

das delta des flusses rapaädno von oben
Die weichen Biegungen und Rundungen des Flusses Rapaädno stehen im Gegensatz zum angrenzenden, schroffen Berg Tjakehlij

Strukturkontraste lassen sich in der Natur nicht ganz so einfach finden. Deshalb tat ich mich bei der Auswahl des Bildes ziemlich schwer. Ich hoffe, du kannst dennoch nachvollziehen, worauf ich hinaus will. Weiche sanfte Rundungen stehen im Kontrast zu scharfen Kanten und Ecken. Wie du siehst, auch ich bin noch lange nicht am Ende meiner Lernkurve… 🙂

riesiger eisberg neben einem kleinen schlauchboot
Das kleine Schlauchboot am Rande vermittelt einen Eindruck, wie gewaltig der Eisberg links eigentlich ist

Größenkontraste geben dir oftmals eine gute Möglichkeit, deinen Zuschauer*innen zu verwirren. Auf den ersten Blick fällt im Bild oben gar nicht auf, wie groß der Eisberg ist. Erst einen Moment später realisieren die meisten, dass da noch ein kleines Schlauchboot zu sehen ist. So konnte ich mit einfachen Mitteln ein an sich wenig spektakuläres Bild um einiges aufpeppen. 🙂

Das Bild saugt dich quasi in die Szenerie hinein.
Wie kann dich aber ein (zweidimensionales) Bild in die Szenerie hinein saugen? Auch hier wird der Kunstunterricht noch mal relevant. Der Effekt der Räumlichkeit ist dafür verantwortlich. Also beispielsweise führt ein Geländer den Blick in die Ferne.

steg führt auf die gefrorene ostsee
Die dominanten Geländer führen den Blick in die hinteren Bereiche des Bildes. Das Bild wirkt räumlich.

Durch das Aufeinander-Zulaufen der Geländer links und rechts, bekommen wir suggeriert, dass sich die Enden „weiter hinten“ im Bild befinden. So nehmen wir den Raum mit dem Auge wahr.

Exkurs: Räumliche Tiefe

Räumliche Tiefe erreichst du über Linien, die „in das Bild hinein“ führen. Solche Linien gibt es so gut wie überall. Du musst dir nur die Mühe machen, sie zu suchen. Hast du Linien gefunden, versuche sie zu einem Element in deinem Bild hinführen zu lassen. Und Zack!, du hast einen räumlichen Eindruck erschaffen.

fussspuren am strand
Manchmal können auch Fußspuren zu etwas gut sein. 🙂

Ein räumlicher Eindruck entsteht aber auch, in dem du dein Bild in Gedanken aufteilst: Vordergrund, Mittelgrund (ja, ich weiß, als Liebhaber der deutschen Sprache rollen sich meine Zehnägel nach oben) und Hintergrund. Wahrscheinlich kennst du zahlreiche Landschaftsbilder, in denen am unteren Bildrand, also im Vordergrund, ein Stein zu sehen ist. Von dort aus führt eine Linie zum Meer in der Bildmitte. Und schließlich wird das Bild von einem dramatischen Abend- oder Morgenhimmel im Hintergrund gekrönt.

zugefrorener see im gebirge unter orangenen wolken
Steine im Vordergrund führen zum leuchtenden See mit dem Berg und der angestrahlten Wolkenwand im Hintergrund.

Perspektive

Spannende Fotos zeigen die Welt aus ungewohnten Perspektiven. Bilder aus dem Stand, also auf Augenhöhe, wirken schnell gewöhnlich und damit langweilig. Selbst wenn sich am Himmel dramatische Szenen abspielen, lässt sich in 99% aller Fälle mit einer überraschenden Perspektive ein noch ansprechenderes Bild machen. Willst du ernsthaft Fotografieren lernen, musst du mutig sein und darfst keine Angst davor haben, schmutzig zu werden.

Was sind denn nun ungewöhnliche Perspektiven? Im Prinzip alles, was nicht der normalen Augenhöhe entspricht. Also Draufsichten oder Froschperspektiven. Gehe beim Fotografieren einfach mal in die Knie. Du wirst merken, die Welt sieht gleich ganz anders aus. Treibe das Spiel auf die Spitze und lege dich auf den Boden. So entstehen ungewöhnliche Bilder, an denen andere beim Betrachten hängen bleiben. Versprochen.

weihnachtskugel schwimmt im meer
Bild einer Weihnachtsbaumkugel aus normaler (stehender) Position am Strand.
weihnachtskugel am strand aus bodennaher perspektive
Und hier die Weihnachtsbaumkugel aus einer gänzlich anderen Perspektive.

Für obiges Foto lag ich übrigens bäuchlings am Strand. Die Blicke der anderen Menschen brauche ich dir wahrscheinlich nicht beschreiben. Wirklich köstlich. 🙂 Aber wert war es mir die abschätzigen Blicke allemal. Denn dieses Bild diente mir als Weihnachtskarte und kam ausgesprochen gut an. Also: Augen auf und Perspektive verändern.

Übrigens: Perspektivwechsel heißt Bewegung. Denn erst dadurch findest du neue Blickwinkel. Geh‘ dicht (wenn möglich) an dein Motiv heran oder bewege dich mal ein Stück davon weg. Lege dein Motiv an einen Bildrand, schneide es an, etc. Deiner Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Probier‘ dich aus!

Kombinierst du die ungewöhnliche Perspektive mit einer guten Linienführung bringst du deine Fotografie bereits auf ein neues Level. Gänzlich ohne Geld auszugeben. Du brauchst lediglich ein wenig Überwindung und den Mut, dich schräg angucken zu lassen.

Bildaufteilung

Wenn du es ernst meinst, mit dem Fotografieren lernen, müssen wir erneut kurz den Kunstunterricht ins Gedächtnis rufen. Ich bin mir sicher, auch du hast garantiert schon etwas vom „Goldenen Schnitt“ gehört. Zur Erinnerung: „Als Goldener Schnitt (lateinisch sectio aurea, proportio divina) wird das Teilungsverhältnis einer Strecke oder anderen Größe bezeichnet, bei dem das Verhältnis des Ganzen zu seinem größeren Teil (auch Major genannt) dem Verhältnis des größeren zum kleineren Teil (dem Minor) gleich ist.“ (Quelle: Wikipedia) Alles klar? 🙂 Falls nicht, lass es mich einfacher erklären. Der Goldene Schnitt teilt eine Fläche harmonisch auf. Das galt und gilt für alle bildende Künste, also auch die Fotografie.

Drittelregel

Wesentlich einfacher und besser zu verstehen ist die an den Goldenen Schnitt angelehnte „Drittelregel“. Hierbei wird eine Fläche mit vier Geraden in neun gleich große Rechtecke aufgeteilt:

drittelregel als muster über ein bild gelegt
Hier die Drittelregel in Anwendung

Diese Regel leitet sich von der Sehweise ab, wie wir Menschen Bilder betrachten. So rate ich dir, dass du wichtige Sachen auf die Schnittpunkte der Geraden legst:

  • dein Bild wirkt aufgeräumt
  • wichtige Informationen werden sofort erfasst
  • dein Bild wirkt harmonisch
  • Zuschauende erkennen, dass du dir beim Aufnehmen des Bildes Gedanken gemacht hast

Auch hier haben Digitalkameras einen sehr großen Vorteil: Du kannst dir im Display der Kamera so ein Gitternetz einblenden lassen. So kannst du direkt bei der Aufnahme darauf achten, wo du Elemente im Bild platzierst. (Okay, ich will nicht verheimlichen, dass dies auch bei analogen Kameras funktioniert. Ist aber lange nicht so bequem. 🙂 )

Fotografie: Malen mit Licht

„Fotografieren“ bedeutet wörtlich übersetzt: „Malen mit Licht“. Nichts anderes machst du, wenn du dein Telefon zückst, die Kamera startest und ein Bild aufnimmst. Du malst mit Licht. Deswegen ist das Licht auch der entscheidende Faktor beim Fotografieren (sagt ja schon der Name(:). Das bedeutet aber im Umkehrschluss: Wo kein (gutes) Licht ist, entstehen nur selten gute Fotos.

„Licht ist alles. Ohne Licht, ist alles nichts.“

plöner see in pastellfarben
Mit dem richtigen Licht kann auch eine eher unspektakuläre Aussicht faszinierend wirken

Sonnenunter- und Sonnenaufgänge sind nicht umsonst die am meisten fotografierten Motive (abgesehen von Katzen und Hundewelpen…). Denn zu diesen Zeiten entstehen einzigartige Farben am Himmel. Diese dann auf einem Sensor oder einem Film einzufangen, ist gar nicht so einfach wie du vielleicht denkst.

Zu verschiedenen Tageszeiten ist das Licht jeweils sehr verschieden, zumindest draußen. Besonders beliebt sind die Zeiten unmittelbar vor und nach dem Sonnenauf- bzw. -untergang. Diese Zeiten tragen sogar eigene Namen: „Goldene Stunde“ und „Blaue Stunde“. Zwei Begriffe, um die du beim Fotografieren lernen nicht herum kommst.

Goldene Stunde

Die Goldene Stunde profitiert von einem sehr flachen Einfallswinkel der Sonne auf die Erde. So entstehen sehr lange Schatten. Das Licht selbst wirkt sehr warm und weich. Diese Stunde gehört sowohl morgens als auch abends zu meinen Lieblingszeiten. Ich mag diese goldenen Farbtöne. Wie der Name schon sagt: Die Goldene Stunde bezeichnet ca. eine Stunde nach Sonnenaufgang oder ca. eine Stunde vor Sonnenuntergang.

sonnenaufgang im wald
Die Sonne steht noch recht tief. Lange Schatten und warmes, weiches Licht sind die Folge.

Blaue Stunde

Die Blaue Stunde ist die Zeit, wenn die Sonne bereits oder noch hinter dem Horizont steht. Der Himmel erhält dadurch ein sehr tiefes Blau. Die Farben wirken generell eher pastellartig. Grundsätzlich ebenfalls eine sehr schöne Zeit zum Fotografieren. Die Blaue Stunde bezeichnet also ca. eine Stunde vor dem Sonnenaufgang bzw. ca. eine Stunde nach dem Sonnenuntergang.

steg einer seebrücke auf der ostsee im abendlicht
Der Himmel färbt sich tiefblau, die ersten Sterne tauchen auf und am Horizont strahlen kräftige Pastelltöne, die Blaue Stunde.

Probiere es unbedingt mal aus, zu diesen Uhrzeiten zu fotografieren. Du wirst sehen, es lohnt sich! Besonders im Sommer kann der Sonnenaufgang um 4:45 Uhr eine echte Herausforderung werden. Wer steht schon freiwillig um diese Uhrzeit auf?!

Übrigens: Wenn du dich für den Bereich Landschaftsfotografie interessiert und intensiver reinschnuppern möchtest, sein dir einer Tatsache bewusst: Entweder du stehst zu völlig absurden Uhrzeiten auf, oder du frierst dir den Allerwertesten ab. Häufig sogar beides… Und trotzdem macht es, mir zumindest, einfach unglaublich viel Spaß!

Falls du Interesse hast, sieh doch mal im Artikel Sonnenuntergang an der Ostsee fotografieren nach. Dort habe ich dir ausführlich aufgeschrieben, wie ich bei Sonnenuntergängen an der Ostsee vorgehe. Nach der ganzen Theorie kommen wir nun kurz auf die Technik zu sprechen.

Kamera

Klar, ohne Kamera lässt es sich schlecht fotografieren. Was du als Kamera verwendest, bleibt dir völlig selbst überlassen. Die ersten Kameras kamen im 19. Jahrhundert auf. Damals schleppten die Fotografen noch dicke Metallplatten und die Belichtungszeiten betrugen Stunden. Der technische Fortschritt hat diesen Prozess zum Glück vereinfacht. Keine Magnesiumfackeln mehr, keine Vorhänge und stundenlanges Stillsitzen. Handy aus der Tasche, aufs Display patschen, fertig. So einfach geht fotografieren heute. Denkt zumindest der überwiegende Teil. Aber schon hier trennt sich die Spreu vom Weizen.

Auch wenn ich dir kurz vorher sagte, die Art der Kamera ist egal: Kannst du Einstellungen an der Kamera selbst vornehmen, kannst du mehr Einfluss auf das Bildergebnis nehmen. Oder aber du überlässt irgendwelchen Algorithmen die Einstellungen der Kamera, dann kommt mit Sicherheit irgendwas raus. Meist nichts Schlechtes, aber eben nur Durchschnitt. Und davon willst du ja weg und willst das Fotografieren lernen.

Beschäftige dich mit deiner Kamera. Sieh dir an, was du alles verstellen kannst. Und probiere es direkt auch mal aus (solange die Kamera digitale Bilder ausspuckt…). Falls es dich interessiert, unter Ausrüstung habe ich angefangen, meinen Ausrüstungswerdegang aufzuschreiben. Du musst ja nicht in die gleichen Fettnäpfchen hüpfen wie ich. 🙂

Fotografieren lernen heißt: Einstellungen vornehmen, die die Bildaussage verstärken.

Kommen wir kurz zu technischen Details. Welche grundlegenden Einstellungen nehmen Einfluss auf das Bild?

  • Die Belichtungszeit,
  • die Blende
  • die Lichtempfindlichkeit des Aufnahmemediums (Sensor, Film, Platte).

Diese drei Parameter sind grundsätzlich für die Belichtung eines Bildes verantwortlich. Daran hat sich seit der Erfindung der Fotografie nicht viel verändert. Allein der dritte Punkt hat durch die Digitalisierung einen Schub erfahren. Und diese drei Begriffe und die Prinzipien sind absolut grundlegend um das Fotografieren zu lernen. Doch der Reihe nach.

Belichtungszeit

Die Belichtungszeit gibt an, wie lang Licht durch die Linsenkonstruktionen auf den Sensor/Film trifft. Steht sehr viel Licht zur Verfügung, wird die Zeit sehr kurz gewählt. Beispielsweise wenn du direkt in die Sonne fotografierst oder ein Bild unter einem Baustellenscheinwerfer aufnimmst. Die Zeit der Belichtung verlängert sich, je weniger Licht vorhanden ist. Später am Abend, wenn die Sonne verschwindet, verlängert sich die Belichtungszeit.

welle kracht über bunker
Eine sehr kurze Belichtungszeit „friert“ das Wasser der Welle ein

Dies hat unterschiedliche Effekte. Eine sehr kurze Belichtungszeit „friert“ Bewegungen ein. Bei starkem Wellengang kannst du so einzelne Wassertropfen einer brechenden Welle einfangen. Eine sehr lange Belichtungszeit lässt Bewegungen verwischen. So erscheint das Meer beispielsweise verschwommen, ja fast schon wie Nebel.

schnell ziehende wolken über see
Durch eine sehr lange Belichtungszeit verschwimmen die Wolken am Himmel durch ihre Bewegung

Blende

Die Blende lässt sich gar nicht so einfach erklären. Die technische Definition lautet (sehr vereinfacht) folgendermaßen: Die Blende begrenzt den Querschnitt an Strahlenbündeln. Das hilft dir vermutlich nur wenig. Die Blende hat aber sehr große Auswirkungen in der Fotografie. Sicher kennst du Bilder, in denen ein Objekt, Mensch oder Tier im Vordergrund deutlich und scharf zu erkennen ist, während der Hintergrund verschwimmt. Dies hängt maßgeblich mit der Blende zusammen.

muschel am strand in unschärfe
Durch eine sehr weit geöffnete Blende wird nur ein kleiner Bereich des Bildes scharf, der Rest verschwimmt in Unschärfe

Die Blende sitzt im Objektiv, bzw, zwischen den Linsen. Abseits der Physik solltest du wissen, dass du mit der Blende den Bereich steuerst, der in deinem Bild scharf zu erkennen ist, die sogenannte Tiefenschärfe. Je weiter offen die Blende bei der Aufnahme ist (je kleiner die Zahl der Blende), desto geringer fällt der Bereich der Schärfe aus. Gleichzeitig kommt durch die weit geöffnete Blende mehr Licht auf Sensor/Film. Du kannst bei einer weit geöffneten Blende also kürzer belichten.

ruhier see unter dichten wolken
Damit alle Bereiche des Bildes scharf aufgenommen werden, wählte ich für dieses Bild eine sehr weit geschlossene Blende

Die Lichtempfindlichkeit (ISO)

Die Lichtempfindlichkeit gibt an, wie viel Licht auf Sensor/Film fallen muss, um ein Bild zu erhalten. In der Zeit der analogen Fotografie, war der Wert der Lichtempfindlichkeit durch das Einlegen des Films festgelegt. Hier brachte die Digitalisierung enorme Vorteile. Denn nun kannst du bei jeder Aufnahme neu entscheiden, wie empfindlich dein Sensor sein soll. Je höher die Lichtempfindlichkeit, desto anfälliger wird der Sensor für Bildfehler, das sogenannte Rauschen.

milchstraße über steinbuhne
Insbesondere im Bereich des Wassers fällt das Bildrauschen auch in geringer Auflösung auf, dies ist der hohen Lichtempfindlichkeit geschuldet

Es gibt eine Faustregel bei der Lichtempfindlichkeit: „So niedrig wie möglich, so hoch wie nötig.“

Zusammenfassung

belichtungsdreieck schmeatisch dargestellt

Am besten du stellst dir die Zusammensetzung der Belichtung wie ein Dreieck vor. Die einzelnen Ecken sind mit Fäden verbunden, welche auf Spannung stehen. Ziehst du an der einen Ecke, verändern sich auch die anderen Ecken. Veränderst du beispielsweise die Belichtungszeit, musst du Blende und Lichtempfindlichkeit ebenfalls anpassen. Hier gilt: Überlege dir, was du in deinem Bild zeigen willst. Willst du einen laufenden Hund in der Bewegung einfrieren, brauchst du eine kurze Belichtungszeit. Du musst also die Blende soweit öffnen wie es das Objektiv zulässt. Ist dein Bild immer noch zu dunkel, bleibt dir nur, die Lichtempfindlichkeit zu erhöhen. Willst du in deinem Bild einen sehr großen Bereich scharf haben, wählst du eine sehr große Blendenzahl (sehr kleine Blendenöffnung). Dadurch kommt zwar wenig Licht auf den Sensor, dafür ist der Bereich der Schärfe sehr tief. Entsprechend musst du die Belichtungszeit verlängern oder die Lichtempfindlichkeit erhöhen. In den meisten Fällen beides.

Vielleicht kannst du jetzt erahnen, weshalb du beim Fotografieren lernen auf eine Kamera zurückgreifen können solltest, an der du die drei genannten Parameter verändern kannst. 🙂 Aber auch hier gilt: Ausprobieren! Spiele ein wenig mit den Parametern herum. So erkennst du am besten, wie sie sich auf das Gesamtbild auswirken.

Stativ

Ja, ich bin der festen Überzeugung, dass ein Stativ zum Fotografieren lernen absolut essentiell ist. Ein Stativ verschafft dir Ruhe und Zeit. Denn während du aus der Hand Bildausschnitt und Einstellungen gleichzeitig beachten musst, kannst du das auf dem Stativ ganz in Ruhe hintereinander.

Ganz ehrlich: Als ich mir mein erstes Stativ kaufte begann ich erst so richtig zu fotografieren. Einfach in dem ich mir sehr viel Zeit nahm, durch den Sucher zu schauen und bewusst auf Details zu achten. Hatte ich meinen Ausschnitt gefunden, nahm ich mir ganz in Ruhe die Einstellungen vor. Und auch dabei profitierst du mit einem Stativ. Denn so kannst du mit dem immergleichen Bildausschnitt verschiedene Einstellungen probieren.

Auch wenn es im ersten Moment unpraktisch erscheint: Ein Stativ gehört für mich zu den wichtigsten Ausrüstungsgegenständen, wenn du ernsthaft fotografieren lernen willst. Ja, auch beim Handy. Gibt da ja mittlerweile günstige und gute Lösungen.

Eine Empfehlung will ich an dieser Stelle nicht abgeben. Dafür ist der Markt zu groß und unübersichtlich. Worauf du achten solltest: Es sollte logischerweise deine Kamera tragen können und stabil stehen. Zusätzlich ist es sehr angenehm, wenn du bodennah fotografieren kannst. Preislich und im Hinblick auf das Gewicht gibt es keine Grenzen.

Lass‘ dir aber versichert sein: EIn Stativ wird dir mit Sicherheit nicht reichen. Denn die stabilen und großen Stative sind alles andere als handlich. Für eine Rucksacktour nutze ich deshalb kleinere und leichtere Varianten. Bin mir dann allerdings auch im Klaren darüber, dass diese Lösungen nicht sehr stabil sind und starkem Wind nicht viel entgegensetzen können.

Die Phototraveller haben in ihrem Reisestativcheck allerhand wissenswerte Infos zusammengesammelt. Dieser sei dir vor dem Kauf ans Herz gelegt.

Nachbereitung

Gehen wir davon aus, du hast meine Hinweise beherzigt, bist zu einer völlig absurden Zeit aus dem Bett gestiegen, hast dir ein schönes Plätzchen gesucht und Aufnahmen des Sonnenaufgangs gemacht. Dafür gebürt dir jede Menge Respekt! Es fehlt nun aber noch ein letzter und ebenfalls entscheidender Schritt. Du musst deine Ergebnisse sichten. Bild für Bild durchsehen. Achte auf Auffälligkeiten. Was gefällt dir an einem Bild, was gar nicht. Wie kommen verschiedene Einstellungen zum Tragen? Hast du mit den Perspektiven gespielt? Lagst du bäuchlings im Dreck?

Schau‘ dir auch an, ob dir im Nachhinein Linien auffallen, die du beim Fotografieren übersehen hast. Merke dir, welche Positionen gute Ergebnisse brachten.

Wenn du ein weiteres Mal zu diesem Platz fährst, wirst du von deinen Erkenntnissen profitieren, versprochen!

Abschluss

So, du hast es geschafft. Wenn du hier angekommen bist, hast du ganz viele Informationen gesammelt und gelesen, die dir dabei helfen, deine Fotos aus der Masse der Knipsereien herauszuheben. Denn Hexenwerk ist das Fotografieren wirklich nicht. Viel mehr zählen Geduld, Erfahrung und Neugier. Probier‘ dich aus.

Und folge dem Rat, den ich bei Detlev Motz gefunden habe: „Wer als Anfänger die Gestaltungsregeln der Fotografie ignoriert, hat keinen Verstand. Wer sich aber fotolebenslang daran klammert, hat keine Phantasie.“

Und falls du in die Falle der Fotoforen tappst, verinnerliche dir folgendes Zitat eines der Großmeister der Fotografie, Andreas Feininger: „Die Tatsache, dass eine technisch fehlerhafte Fotografie gefühlsmäßig wirksamer sein kann als ein technisch fehlerloses Bild, wird auf jene schockierend wirken, die naiv genug sind, zu glauben, dass technische Perfektion den wahren Wert eines Fotos ausmacht.“

In diesem Sinne wünsche ich dir allzeit „Gut Licht!“ Lass mir gern einen Kommentar da und berichte von deinen Ergebnissen und Fortschritten. Ich bin sehr gespannt.

Fotografieren lernen – Tipps für einfach bessere Bilder

3 Gedanken zu „Fotografieren lernen – Tipps für einfach bessere Bilder

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