Grönland – 18 Tage Segeln an der Nordwestküste

Im Folgenden möchte ich ein wenig von meinen Erlebnissen einer Reise berichten, an der ich im August diesen Jahres teilnehmen durfte. Sie führte von Aasiaat, im Westen Grönlands gelegen, bis hoch in den Norden in die Thule-Gegend, wo noch heute zahlreiche Überreste einer Kultur zu sehen sind, die vor etwa 600 Jahren in dieser unwirtlichen Region siedelte. Da diese Tour mit einem Dreimastschoner, die Rembrandt van Rijn, bestritten wurde und es mehr um das Entdecken und Erleben ging, sind die Fotos sicher keine Überflieger, sondern viel mehr Erinnerungen an eine Reise, die sich für immer in mein Gedächtnis eingebrannt haben wird und deren Erinnerung mir wohl auch in den kommenden Jahren immer wieder ein seliges Lächeln ins Gesicht zaubern wird. Sollte ich jetzt oder später einen perfekten Urlaub beschreiben, so sieht er aus. Vielleicht findet ja der ein oder andere diese Begeisterung und Faszination in meinen Bildern wieder und kann sich in stark abgeschwächter Form vorstellen, was es heißt, am Aufnahmestamdpunkt der Bilder tatsächlich vorort gewesen zu sein. Mir ist bewusst, dass diese, nun folgenden Bilder, nur einen winzigen Ausschnitt der Realität darstellen können und objektiv betrachtet wohl nur wenig mehr sind, als reine Erinnerungsfotos, dennoch möchte ich gern ein breiteres Publikum daran teilhaben lassen und vielleicht lässt sich der ein oder andere ja auch auf eine Reise in eine der faszinierendsten Ecken unseres Planeten ein. Nun aber genug des einleitenden Wortschwalls.

Tag 1

Aasiaat präsentierte sich uns am ersten Tag von seiner äußerst tristen Seite. Dunkle Wolken am Himmel, dichter Nebel, so dass der Pilot unseres Inlandsfluges darauf hinwies, dass es eventuell mit der Landung länger dauern könnte, 10°C und wenn sich der Nebel etwas zurückzog, fing es an zu nieseln. Also im Prinzip ein wenig einladender Empfang, zumal die Stadt auch nicht besonders zum Bummeln oder Sightseeing einlud. Aasiaat gleicht eher einem Arbeiterbezirk, in dem sämtliche Arbeitsplätze unmittelbar am Hafen hängen. Dieser fungiert durch seine günstige Lage auch als Versorgungsdrehkreuz für alle weiteren nördlicher gelegenen Siedlungen und Städte. Und natürlich ganz wichtig: Ich bin in Grönland!

Da zum Zeitpunkt unserer Ankunft noch kein freier Liegeplatz am Pier vorhanden war, wurden sämtliche Passagiere zunächst im örtlichen Seemannsheim zwischengeparkt. Dort stand es uns frei, die Ortschaft auf eigene Faust zu erkunden, oder ein warmes Mittagessen einzunehmen. Direkt vor dem Eingang zu besagtem Seemannsheim lag dieser nette Willkommensgruß. Als Antiwalfangaktivist schon ein ziemlich schockierender Anblick. Mein Standpunkt hinsichtlich des grönländischen Walfanges sollte sich aber im Laufe der Reise noch stark verändern. Zusätzlich zu diesem erlegten Zwergwal, war in einiger Entfernung eine Schule Buckelwale zu erkennen, fasste drängte sich der Eindruck auf, es handelte sich um das Begrüßungskomitee. Viel mehr passierte am ersten Tag nicht mehr, außer dass wir diverse Sicherheitsinstruktionen erhielten, unsere Kabinen bezogen und sich Passagiere und Crew vorsichtig beschnupperten. Noch am gleichen Abend liefen wir aus und fuhren über Nacht in Richtung Discoisland.

Tag 2

Nach dem ersten Frühstück an Bord, erhielten wir durch unsere beiden Guides eine kurze Unterweisung hinsichtlich der Verhaltensregeln in der arktischen Natur, gingen vor Anker und begaben uns auf unsere erste Anlandung mit den Zodiac-Schlauchbooten. Daran schloss sich eine Wanderung durch die wunderbare und grüne Natur auf der Discoinsel an, wobei uns Denis, unser Geologen-Guide, viel von der interessanten geologischen Beschaffenheit zu berichten wusste. Leider hatte sich das Wetter nicht sonderlich gebessert, es gab lediglich keine Regenschauer mehr. Die Wanderung war dennoch ein wunderbares Erlebnis, hatte man doch das Gefühl, völlig allein zu sein, sieht man von den Mitreisenden einmal ab.

Nach dem wir zum Mittagessen zurück an Bord waren, lichtete die Crew den Anker und wir fuhren ein Stück aus dem Fjord heraus, passierten dabei die kleine Siedlung Kangerluk, welche 42 Einwohner (Stand August 2015) beherbergt. In unmittelbarer Nähe suchten wir einen weiteren Ankerplatz um noch einen zweiten Landgang zu unternehmen, ein Besuch der Siedlung stand jedoch nicht auf dem Programm.

Der zweite Landgang stand ganz im Zeichen der in Grönland beheimateten Tierwelt. Zum einen besichtigten wir einen Sammelpunkt kanadischer Wildgänse, wobei eine von diesen vor Schreck fast mit unserem Expeditionsleiter zusammengestoßen wäre, zum anderen sahen wir einen weiteren Buckelwal, allerdings in reichlicher Entfernung, so dass zumindest bei mir, kein brauchbares Foto entstand. Wie auf dem Bild zu erkennen ist, riss nun aber die Wolkendecke auf und die ersten grönländischen Sonnenstrahlen brachen durch. Kleiner Nachteil, die Sonne erweckte auch eine ansehnliche Masse an Mückenschwärmen und brachte uns Passagieren die Erkenntnis, dass zumindest deutsche Anti-Mücken-Produkte grönländischen Mücken nur ein müdes Lächeln abringen. Auch sahen wir in der Nähe der Landungsstelle die Überreste einer Radarstation, welche die US-amerikanischen Truppen hier im Laufe des Zweiten Weltkrieges installiert hatten, um den nördlichen Atlantik überwachen zu können. Für eine Besichtigung der Station reichte allerdings unsere Zeit nicht mehr aus.
An Bord zurückgekehrt, wurde das Abendessen serviert, die ersten Gespräche an die Bar verlegt und wir Passagiere erhielten die wenig erfreuliche Information, dass der Wind völlig untypisch für diese Jahreszeit aus nördlicher Richtung bläst. Die gemessenen Geschwindigkeiten, die Vorhersagen vermeldeten etwa 35-50 Knoten, machten es nahezu unmöglich gegen den Wind anzusegeln, so dass das erstellte Programm für die kommenden zweieinhalb Wochen bereits am ersten Tag der Reise völlig über den Haufen geworfen wurde und wir nicht zunächst gen Norden segelten, sondern einen Abstecher in die Discobucht machen würden. Dabei stand der Gedanke und die Hoffnung Pate, dass die Discobucht ausreichend Schutz bieten und sich der Wind alsbald abschwächen würde. Als wir aus dem Fjord heraus wieder die offene See erreichten, wurde deutlich, was die Windgeschwindigkeit für Einfluss auf den Seegang hat. Etwa die Hälfte aller Passagiere war mehr damit beschäftigt, die gefürchtete Seekrankheit zu überstehen, als sich den abendlichen Vortrag zur geologischen Entstehung Grönlands anzuhören.

Während des Abendessens nach unserem zweiten Landgang auf der Discoinsel wurden zum ersten Mal die Segel gehisst. Was wir zu diesem Zeitpunkt nicht ahnten, so häufig würden wir dieses seemännische Schauspiel während der Reise nicht bewundern dürfen. Wie bereits beschrieben, führte uns unser Weg zunächst wieder ein Stück südwärts, um die Südspitze der Discoinsel herum, geradewegs in die Discobucht hinein. Das Segelglück währte allerdings nur wenige Stunden, bis wir schließlich in den Windschatten der Insel traten und der Wind schließlich nicht mehr ausreichte, das Schiff mit Segelkraft weiter voranzutreiben. Ebenfalls beschrieben hatte ich ja bereits, dass diesen Ausblick, der auf dem Bild zusehen ist, nur der Hälfte aller Passagiere vergönnt war. Die andere Hälfte lag in den Kojen und sehnte einem baldigen Abflauen des Seeganges entgegen.

Wie bereits schon auf dem vorhergehenden Bild zu erkennen, hatte sich das Wetter schlagartig verbessert, so dass wir nun auch in den Genuss eines Sonnenunterganges kamen, der allerdings schon zu fast unchristlicher Zeit, um 23:08 Uhr, zu bestaunen war, bedenkt man den Fakt, dass bereits um 7:30 Uhr der morgendliche Weckruf des Expeditionsleiters durchs Schiff hallte. Die Zeit zwischen abendlichen Vortrag und Sonnenuntergang ließ sich aber an der Schiffsbar mit einer sich immer besser verstehenden kleinen Gruppe Reisender, einem hervorragenden Hotelmanager/Kellner/Barkeeper/Chefsteward in Personalunion und einigen gekühlten Getränken ausgezeichnet überbrücken. Obiges Bild ist im Prinzip gleichbedeutend mit dem Ende des zweiten Tages.

Tag 3

Ein kleiner Eisberg am frühen Morgen. Auf einem Schiff nicht schlafen zu können, ist nicht immer ein Fluch, bekommt man sich so aus der Koje gewälzt, dass der Kabinennachbar nichts davon mitbekommt, wird man mitunter mit solch einem, fast schon kitschigen, Anblick belohnt. An den Rillen an der Seite kann man erkennen, dass dies ein kleines Stück von einem größeren Brocken ist und sich selbiger, auf der Suche nach dem Gleichgewicht, um fast 90° gedreht hat. Zu dieser frühen Morgenstunde spielte das Wetter auch noch eine herausragende Rolle, dies veränderte sich allerdings bis zum Frühstück wieder schlagartig, so dass wir wieder mit einem grauen Himmel gesegnet waren, aus dem aber immerhin kein Regen fiel.

Wie schon angesprochen, ist Qeqertarsuaq eine recht große Ortschaft, die auch über einen eigenen Fußballplatz verfügt. An selbigem sind sogar Trainerbänke zu finden und dieses spezielle „Stadion“ war im Jahre 2009 Austragungsort des Meisterschaftsturniers. Eine grönländische Fußballliga, wie man sie aus unseren Breiten kennt, gibt es jedoch nicht. In den Sommermonaten werden in regionalen Fußballturnieren die jeweiligen Teilnehmer des Meisterschaftsturniers ermittelt. Die jeweils acht besten Mannschaften treffen dann im August aufeinander und spielen im Turniermodus schließlich die grönländische Meisterschaft aus. Der derzeitige amtierende Meister ist wie in den vergangenen vier Jahren B-67 aus Nuuk, der Hauptstadt.

Das Ziel unseres Ausfluges nach Qeqertarsuaq ist hier zu sehen, ein Wasserfall mit dem Namen Qolortorsuaq. Über den sich der Fluss Rode Elv in Richtung Meer bewegt. Dieser Fluss speist sich allein durch das Schmelzwasser des Lyngmarksgletschers, wobei ein Besuch dieses Gletschers bei uns leider nicht im Reiseprogramm stand.Interessanterweise gab es zu diesem Wasserfall einen weitestgehend gut sichtbaren Pfad, so dass wir hier auch noch dem ein oder anderen Touristen über den Weg liefen, der nicht zu unserem Schiff gehörte. Diese wiederum genossen ebenfalls die Ausführungen unseres Geologen Denis hinsichtlich der geologischen Besonderheiten der Discoinsel, denn diese gehört zu den jüngsten Gesteinsformationen Grönlands.

Netterweise hatte der Großteil unserer Gruppe das morgendliche Briefing so verstanden, dass die Wanderung, die geplant war, bis zum Wasserfall führen sollte und anschließend wieder zurück. Neben fünf weiteren Mitreisenden hatte ich aber noch im Ohr, dass von einer anderthalbstündigen Tour die Rede war, wir den Wasserfall aber bereits nach 30 Minuten erreichten. Denis, unser Guide, war auch ein wenig verwundert, als der Großteil schon wieder den Rückweg antrat, denn er wollte eigentlich noch ein gutes Stück weiter ins Landesinnere laufen. So erhielten wir sechs Verbliebenen eine zusätzliche Geologiestunde und Ansichten, die der große Rest gar nicht mehr mit bekam. Dabei entstand unter anderem dieses Foto. Die rötliche Färbung des Felsen kommt wohl durch diverse Eisenablagerungen in den Sedimentschichten zustande und kann, je nach Einlagerung, stark variieren. Als kleines Anekdötchen am Rande: Auf dem Rückweg vom Wasserfall kam ich mit einer Mitreisenden ins Gespräch, die mit Mann und Kleinkind unterwegs war. Die junge Familie hatte sechseinhalb Jahre in Grönland gewohnt und nahm diese Reise als Art Abschiedstournee. Und während wir uns unterhielten, woher wir denn so kommen, stellten wir fest, dass sie in Cottbus studierte, was in etwa 20km von meinem Heimatstädtchen entfernt liegt. Die Welt ist wirklich manchmal ein Dorf.
Im Anschluss an diese kleine Wandertour ging es zum Mittagessen wieder an Bord. und wir fuhren ein Stück an der Küste der Discoinsel weiter in die Discobucht hinein.

Am Nachmittag nach unserer Wanderung stand eine kleine Zodiactour auf dem Programm. Ziel waren die Basaltsäulen, die an der südlichen Küste der Discoinsel zu finden sind. Diese kann man sich vorstellen, wie den Giants Cause Way in Nordirland. Nur dass hier die Basaltsäulen nicht senkrecht liegen, sondern eher waagerecht. Dabei entstehen Gebilde, die zeitweise an eine Kathedrale erinnerten. Auf jeden Fall sehr eindrücklich und die Fahrt war auch schon ein ziemlicher Wahnsinn. Bilder habe ich hiervon allerdings keine gemacht, da beim Start meiner Gruppe (wir hatten nur zwei große Zodiacs an Bord, so dass nicht alle Passagiere drauf passten und die Gruppe geteilt werden musste) es schon wieder regnete und ich meine Kamera auf dem Schiff ließ. Dafür gibt es nun einen Eisberg zu sehen, den ich als ausgesprochen fotogen empfand, insbesondere ob des leuchtenden Türkis. Dies war auch einer der ersten Vorboten dessen, was uns am nächsten Tag erwarten würde. Da der Wind in den folgenden drei Tagen laut Vorhersage nicht an Kraft verlor und auch die Richtung nicht wechselte, wurde die Route verändert und wir steuerten Ilulissat an und machten dort auch am riesigen Eisfeld Station. Doch dazu an späterer Stelle mehr.

Während die zweite Gruppe Passagiere zur Zodiactour startete, tauchte wie aus dem Nichts in 300-400m Entfernung eine Schule von Finnwalen auf. Und während unsere wackeren Zodiacfahrer versuchten dichter an die Tiere heran zu kommen, entschieden sich die Wale zu schauen, was denn bei uns auf der Rembrandt so los ist. Letztendlich traute sich die Gruppe bis auf etwa 75-100m heran. Das Blas der Wale zu hören ist eine der Erinnerungen, die ich definitiv nicht mehr vergessen werde. Immerhin war es das dritte Mal überhaupt, dass ich Wale sah, und dann direkt aus dieser geringen Distanz. Ein wahrlich unvergesslicher Moment!
Noch am Abend erhielten wir von Jordi, unserem Expeditionsleiter und Meeresbiologen, eine kurze Lektion zur Rasse der Finnwale. Diese sind die zweitgrößte Walart überhaupt, tauchen nicht so charakteristisch aus dem Wasser wie etwa Buckelwale und sind sehr schnelle Schwimmer. Besonders den letzten Punkt durften wir zur Genüge bestaunen. Wie schnell die Gruppe innerhalb kürzester Zeit die Positionen wechselte, war schon phänomenal. Vielleicht haben sie sich aber auch einfach einen Spaß daraus gemacht, uns Touristen zu beobachten, wie wir ständig von einer Seite des Schiffes zur anderen flitzten.

Nach diesem spektakulären Schaulaufen der Finnwale nahmen wir schließlich Kurs auf Ilulissat und fuhren über Nacht tiefer in die Discobucht hinein.

Tag 4

Der morgendliche Ausblick, als ich mit Kaffee in der Hand schlaftrunkend an Deck stolperte. Erneut ein grauer Himmel, nur ganz weit in der Ferne ein kleineres Löchlein in der Wolkendecke, was eine Mitreisende und mich dazu brachte, allen übrigen mit unserem Optimismus, dass mit Sicherheit noch die Sonne herauskommen würde, auf die Nerven zu gehen. Sehr bemerkenswert fand ich, dass insbesondere an diesen trüben Tagen das Blau in den Eisbergen wesentlich heftiger leuchtet.

Hier sieht man das strahlende Blau nochmals wesentlich deutlicher. Diese intensiven Blautönen entstehen nach Aussage unserer Guides, wenn Schnee nach jahrelanger Kompression schließlich soweit verdichtet wird, dass kaum noch Luftbläschen im Eis enthalten sind. Das Fehlen dieser Bläschen führt dazu, dass das eintreffende Licht nicht mehr gestreut wird, sondern quasi durch scheint. Dabei werden alle anderen Farbfrequenzen absorbiert, mit Ausnahme des blauen Lichts. Blaues leuchtendes Eis deutet also auf ein hohes Alter hin, was gleichbedeutend ist, mit mehreren tausend Jahren. Ebenfalls spannend fand ich die Geräuschkulisse, da die Süßwassereisberge laut und vernehmlich zischelten und knackten.

Direkt nach dem Frühstück setzten wir mit den Zodiacs über und kombinierten eine Stadtbesichtigung Ilulissats mit einer Wanderung zum berühmten Eisfjord. Hierbei sei gesagt, dass Ilulissat in Grönland mit über 4000 Einwohnern als richtige Großstadt gilt, in der erstaunlich viel los ist. Auch gibt es viele Geschäfte und eine Bevölkerung, die Touristen als Einnahmequelle entdeckt hat. Als Nachteil zeigte sich, dass die in anderen Siedlungen sehr natürliche Atmosphäre ziemlich verloren ging.
Der 2004 in das UNESCO-Weltnaturerbe aufgenommene Eisfjord nahe Ilulissat ist mittlerweile über einen Brettersteg gut erreichbar, die Wanderung dauert etwa eine halbe Stunde, so man denn den kürzesten und direkten Weg wählt. Es gibt allerdings noch zwei weitere Wege, wobei der längere von beiden wohl 8 Stunden dauert, dabei wohl aber auch vielfältige Einblicke in die umgebende Natur ermöglicht. Der direkten Weg teilt man sich mit einer Vielzahl an Touristen, die besonders in den Sommermonaten in hoher Zahl in Ilulissat anzutreffen sind.
Zur Wahrnehmung der Größenverhältnisse beachte man das Motorboot zwischen den Eisbergen.

Spannenderweise behielten meine Mitreisende und ich recht. Hin und wieder kämpfte sich die Sonne durch die Wolken, so dass wundervolle und spannende Lichtstimmungen entstanden. Auf diesem Bild ist auch gut zu erkennen, wie Grönland zu seinem Namen kam. Die verschiedenen Grüntöne erinnerten mich zeitweise sehr stark an Irland.

Hier nun noch mal ein unverstellter Blick auf den Eisfjord. Man beachte, dass all dies Eis, tatsächlich schwimmt. Nach Aussage unseres Expeditionleaders hat der Fjord selbst eine Tiefe von 800 Metern, so dass selbst diese riesigen aufragenden Kolosse schwimmen. Diese laufen erst am Ausgang des Fjords auf Grund. Hier hat wohl in grauer Vorzeit ein Gletscher seine Endstation eingelegt und das sich vor diesem auftürmende Geröll sorgt für einen abrupten Höhen- bzw. Tiefenunterschied unter Wasser. Dies führt dazu, dass die nachdrückenden Eismassen die großen Berge nach und nach zerkleinern, bis sie leicht genug sind, um über diese Unterwasserschwelle des Fjords ins offene Meer zu gelangen.

Am Nachmittag, nach unserem vormittäglichem Stadtbummel und der kleinen Wandertour, stand eine Tour mit den Zodiac-Schlauchbooten durch das nahe gelegene Eisfeld auf dem Programm. In diesem Falle empfanden wir alle es fast schon als Segen, dass der Himmel nur gelegentlich auflockerte, so dass immer wieder interessante Eis- und Wolkenformationen um unsere Aufmerksamkeit rangen. Hinzu kommt, dass unser Fahrer, unser Expeditionsleiter, ein unheimlich erfahrener Zodiacpilot war, der uns an Stellen brachte, an die uns nur noch das zweite Zodiac der „Rembrandt van Rijn“ folgte, Die Kollegen, der ebenfalls vor Ilulissat vor Anker gegangenen „Hanseatic“, jedoch nicht. So ernteten wir, zusätzlich zu den spektakulären Ansichten auch noch eine Vielzahl erstaunter Blicke der anderen Touristen, welche mit besagtem, größeren Expeditionskreuzschiff unterwegs waren.

Hier im Bild am Horizont ist besagte Hanseatic zu erkennen. Diese hatte aufgrund ihrer Größe immer wieder Probleme mit den umher treibenden Eisbergen und musste häufiger die Position wechseln, da sie aufgrund des größeren Tiefganges auch nicht in eine ähnliche kleine, gut geschützte Bucht einlaufen konnte, wie die „Rembrandt“.

Nach den Aufregungen der wirklich wunderbaren Zodiactour, hatte sich das Wetter entschlossen, uns nicht etwa eine kleine Verschnaufs- bzw. Aufwärmpause zu geben. Kurz nachdem die Zodiacs an den Kränen hingen und der Anker gelichtet wurde, brach die Sonne dauerhaft durch die Wolkendecke und zauberte uns einen Regenbogen über die umher schwimmenden Eisberge. Und dies war wohl gemerkt erst der vierte Tag unserer 18 Tage dauernden Reise. Also war es nichts mit der Idee, die auf der Zodiactour gesammelten Eindrücke zu verarbeiten oder gar die einigermaßen abgekühlten Gliedmaßen aufzuwärmen. Wenn sich die Natur zu solch einem imposanten Schauspiel hinreißen lässt, will man natürlich auch direkt in der ersten Reihe sitzen.

Tag 5

Noch am Abend zuvor wurden wir über den Plan unserer Crew informiert, den größten Turn in Angriff zu nehmen. Die Windvorhersagen legten nahe, dass sich die Verhältnisse ins Positive verschieben würden und wir nun Kurs in Richtung Thule-Gegend nehmen würden. Also fuhren wir über Nacht durch die Vaigat-Straße, eine sehr enge Wasserstraße zwischen Discoinsel und Festland, die durch die Winde voller treibender Eisberge auch nicht gerade ungefährlich zu befahren war. Am Morgen würden wir dann die offene See erreichen und stur gen Norden fahren, bis die 900 Seemeilen Distanz zum Thulegebiet hinter uns lägen. Zur Abwechslung waren wieder eine Reihe von Vorträgen geplant, die uns Land, Natur und Leute Grönlands näher brachten. Hinzu kam, dass sich das Wetter nun schlagartig von der besten Seite zeigte. Obiges Bild nahm ich am Morgen des fünften Tages noch vor dem Frühstück auf, jene Szenerie verschlug mir während meines morgendlichen Kaffees auf Deck schlicht den Atem. Später stieg die Temperatur derartig an, dass im Windschatten des Fahrtwindes ein T-Shirt als Oberbekleidung ausreichte. Die nun entstehende Zeit vertrieben sich die Passagiere mit der Verarbeitung des bisher Gesehenen, der Kontaktaufnahme zu anderen Reisenden und dem Aufnehmen von Informationen durch unsere beiden Guides durch die schon angesprochenen Vorträge.

Wie schon geschrieben, waren wir den kompletten Tag auf See, so dass es keine großartigen Erlebnisse zu beschreiben bzw. zu fotographieren gäbe, zwischen Sonnenauf- und Sonnenuntergang, die, trotz Überschreiten des Polarkreises aufgrund der fortgeschrittenen Jahreszeit noch statt fanden.

Auch am Abend spielte das Wetter wieder fabelhaft mit, so dass wir uns nicht etwa mit einem rein rötlich scheinendem Himmel zufrieden geben mussten, sondern wir erhielten noch ein paar fotogene Zierwolken. Den Abend verbrachten viele Reisenden an der Bar, immer wieder von kurzen Fotoaufenthalten an Deck unterbrochen, da Aussicht und Farbenspiel geradezu dazu aufforderten. Gleichzeitig lernten wir unseren Barkeeper auch besser kennen und konnten ihn sogar dazu bewegen, uns während der morgendlichen Frühstücksansage zu informieren, ob denn Bacon, Zimtschnecken und Kartoffeltörtchen den Weg zum morgendlichen Buffet gefunden haben, um so leichter entscheiden zu können, ob ein Aufstehen zu so früher Stunde denn lohnenswert erscheint oder nicht.

Sehr spannend an diesen Dämmerungs- bzw. Abendrotbildern fand ich, dass man sich in unseren Breiten als Landschaftsfotograf in den meisten Fällen enorm sputen muss, möchte man solch ein Licht angemessen auf dem Sensor bannen. Da wir uns mittlerweile aber schon recht weit nördlich befinden, war hier alle Zeit der Welt vorhanden, seine Bilder aufzunehmen und gegebenenfalls noch etwas nach zu justieren. Ein wirklich wundervoll entspanntes Fotografieren.

Tag 6

Der morgendliche Kaffeeausblick. Wir sind jetzt schon ein gutes Stück weit in den Norden gekommen, die Eisberge werden seltener, man möchte aber fast behaupten auch schöner. Auch an jenem Tag standen wieder einige Vorträge auf dem Programm, darunter auch ein kurzer Grundkurs in der Segeltechnik, auch wenn wir noch nicht wieder in den Genuss kamen, die Segel zu setzen. Der Grund hierfür: Nach dem der Wind nun in eine uns eigentlich passende Richtung gedreht hatte, schwächte er sich derartig ab, dass das Setzen der Segel keinerlei messbaren Erfolg gebracht hätte. Das sonnige Wetter hielt nun an und mitunter kamen wir auf Deck in den Wind geschützten Ecken fast schon ins Schwitzen, will heißen, es herrschten 15-17°C, in der Sonne sicher noch etwas mehr.

An jenem Abend sorgte ich für anhaltende Lacher an Bord, da mir nicht bewusst war, WIE weit wir mittlerweile nördlich gekommen waren. Ich war der felsenfesten Überzeugung, zu warten und wach zu bleiben, bis die Sonne uns erneut einen wunderbaren Sonnenuntergang bescheren würde wie tags zuvor. So vergingen die Stunden, ich wechselte immer wieder von der Bar an Deck und wartete voller Hoffnung. Schließlich gab ich morgens um zwei auf. Am nächsten Morgen wurde mir dann klar, dass ich auf meinen Sonnenuntergang noch ewig und drei Tage hätte warten können, viel näher, als auf obigen Bild zu sehen, kam die Sonne dem Horizont nicht mehr. Mitternachtssonne war das Stichwort. Meine nächtliche Aktion hatte nun gleich einen zweifachen Effekt: Zum einen hatte ich nun zum ersten Mal in meinem Leben die Mitternachtssonne gesehen und zum anderen hatte ich für die kommenden Tage die Lacher auf meiner Seite, was gleichzeitig dazu führte, dass, neben unserem kleinen anderthalbjährigen Sonnenschein, nun auch ich die Stimmung an Bord hob.

In Anbetracht meiner Bildergebnisse haftete dem allgemeinen Gelächter jedoch nichts spöttisches an. Dieses Schauspiel zu dieser nachtschlafenden Zeit an Bord eines Segelschiffes zu erleben, welches durch eine fast schon unheimlich ruhige See glitt, gehört zu einem der vielen Eindrücke, die mir wohl ein Leben lang ein verträumtes Lächeln ins Gesicht zaubern werden.

Tag 7

Da ich nach meinem schlafraubenden Erlebnis am darauffolgenden Morgen nicht aus den Federn kam, reifte der Entschluss liegen zu bleiben und manifestierte sich endgültig, nach dem uns unser Barkeeper informierte, dass es keinen Bacon zum Frühstück geben würde. So schlurfte ich erst zum vormittäglichen Vortrag aus meiner Kabine. Jener Vortrag wurde just unterbrochen, als die Runde die Info erreichte, dass wir endlich wieder günstigen Wind haben und nun Segel setzen würden. Anbei der Beweis, wir segeln tatsächlich wieder. Die weiß-rote Flagge ganz oben im Mast, ist übrigens die grönländische Nationalflagge, die als Gastflagge gehisst wurde.

An benanntem Tag hatten wir ein Geburtstagskind an Bord. Dessen Wiegenfest jährte sich zum 60. Male und er war unübersehbar glücklich, dieses Jubiläum an Bord eines Schiffes auf einer derartig abenteuerlichen Reise verbringen zu dürfen. Um die Geburtstagsfreude komplett zu machen, durfte er als erstes unseren Expeditionsleiter in den Bug unseres stolzen Schiffchens begleiten und bis nach vorn, auf die Spitze des Klüverbaumes klettern. Anschließend wurde diese Kletterei auch für andere, wagemutige Passagiere freigegeben, so dass ich das großartige Vergnügen hatte, ebenfalls einen Blick und ein Bild zu riskieren. Das Gefühl, welches einen dort vorn übermannt, lässt sich im Prinzip nicht in Worte fassen. Kein Motorengeräusch, nur das Rauschen und Gurgeln des stampfenden Bugs, eine völlig unversperrte Sicht auf die endlose Weite des Meeres, der pfeifende Wind, der einem die Nase kühlt und die Augen tränen lässt. Viel wurde über das Gefühl der Freiheit geschrieben, gesungen, gedichtet, dort vorn war es greifbar.

An jenem Tag näherten wir uns nun endlich dem eigentlichen Zielgebiet der Reise, die Thule-Gegend. Da wir erst relativ spät am Tage im Norden eintrudelten, stand erst nach dem Abendessen wieder ein Landgang an. Nach den drei Tagen auf See, wurde das auch höchste Zeit, so langsam hatte man genug Vorträge gehört und die Stimmung war beim morgendlichen Frühstück nicht mehr bei allen Passagieren so ausgelassen, wie bei unserer lustigen Geburtstagsrunde.

Ziel unseres kleinen Landganges war Meteorite Island nahe der kleinen Siedlung Savissivik in der Melville Bucht. Das kleine Eiland kam durch einen Meteoriten zu seinem Namen, welcher den dort siedelnden Menschen lange Zeit als Eisenquelle diente. Werkzeuge und Waffen wurden aus dem Material des Meteoriten gefertigt. Diese Eisenquelle fand jedoch Ende des 19. Jahrhunderts ein jähes Ende, da der Polarforscher Peary von diesem Meteor erfuhr, eine Expedition ausrüstete und leitete, in deren Folge der Meteorit kurzer Hand von der Insel entfernt wurde. Ein kleines Stück des Meteoriten ist noch im kleinen, aber sehr empfehlenswerten, Museum in Qaanaaq (New Thule), zu finden, der große Teil hingegen kann im American Museum of Natural History in New York besichtigt werden.

Nach dem wir abermals unsere Reisegruppe in zwei kleinere Grüppchen aufgeteilt hatten, starteten wir zu einer kleinen Wanderung. Dabei stießen wir auch auf die ersten Eisbärspuren, die zwar nicht frisch, aber auch nicht sonderlich alt waren. In diesen sehr nördlichen Regionen waren unsere beiden Guides auch nur noch bewaffnet unterwegs und wir Reisenden durften die Gruppe nicht mehr verlassen. Zurück zur Insel, diese erinnerte mich an eine sehr karge Mondlandschaft, wobei die herrschende Stille nicht zu beschreiben ist. Dazu der Ausblick auf das nahe gelegene Eisfeld und hin und wieder das Krachen eines auseinanderbrechenden Eisberges. Hinzu kam nun auch noch der sehr frische arktische Wind. Das waren die Gründe, die mich dazu brachten, eine Reise nach Grönland zu buchen!

Im Anschluss an unsere kleine Wanderung gab es noch eine Zodiactour durch das nahe gelegene Eisfeld. Dieses empfand ich als wesentlich eindrücklicher als jenes in Ilulissat. Teilweise wirkte es, wie eine dieser Sandskulpturenausstellungen, nur dass als Material eben kein Sand verwendet wurde, sondern Eis. Mir drängte sich dann der Gedanke auf, dass diese Formationen und Gebilde kaum ein Menschen sehen würde und sie sind dennoch da. Gleichgültig, ob sich Menschen darum kümmern oder nicht, die Natur erschafft ihre eigene Kunst. Definitiv einer der erhabensten Augenblicke dieser Reise.

Ein weiteres Eismonument. Bei diesem Exemplar auch wieder sehr schön zu sehen, die ins Eis gefrästen Linien, die durch Schmelzwasser entstanden.

Hier auch sehr schön zu sehen, die See war erstaunlich ruhig. Es herrschte auch kaum noch Wind, so dass im Prinzip keine Nebengeräusche mehr auftraten, sieht man vom tuckernden Motor des Zodiacs und den klickenden Kameras einmal ab. Sehr spannend zu beobachten fand ich, wie alle Insassen des Zodiacs anfingen sich nur noch im Flüsterton zu unterhalten, wenn überhaupt noch gesprochen wurde. Eine kaum zu beschreibende andächtige Stille hatte auch noch den größten Sabbelkopf ergriffen und der Anblick ließ uns alle in ehrfürchtigem Staunen erstarren. Klingt vielleicht ein wenig sehr pathetisch, aber genau dieses Gefühl war dort fast schon mit den Händen greifbar.

Auf unser stolzes Schiffchen zurückgekehrt, ließen wir nun zunächst unser Geburtstagskind hoch leben, wobei sich im Laufe des Abends, es war immerhin schon elf Uhr als die Reisegruppe wieder komplett an Bord eingetroffen war, eine wunderbare feierliche und ausgelassene Stimmung über das Schiff legte, die auch in den kommenden Tagen anhalten sollte. Begünstigt durch die Mitternachtssonne saßen noch zu wirklich nachtschlafender Stunde eine Vielzahl an Passagieren an der Bar und tauschten sich über allerhand Reiseerfahrungen aus. Unsere Gruppe hatte nun die erste größere Herausforderung gemeistert, die drei Tage auf See, ohne die Möglichkeit, sich großartig aus dem Wege gehen zu können, lief im Prinzip konfliktfrei ab. Ein tolles Gefühl und keineswegs selbstverständlich, wie uns die Crew aus Erfahrung zu berichten wusste.

Und als wären wir von diesem Tag noch nicht beeindruckt genug gewesen, legte sich der Abendhimmel, der natürlich die gesamte Nacht durch währte, sich auch noch mal so richtig ins Zeug. Während wir also mit unserem Geburtstagskind auf dessen Wohl anstießen, bemühte sich die Sonne einen derartig goldenen Abendhimmel ans Firmament zu zaubern, dass es uns wörtlich die Sprache verschlug.

Tag 8

Am Morgen des 8. Tages hob sich die Stimmung zusehends. Zum einen hatten wir tollstes Segelwetter, wie man unschwer erkennen kann und zum anderen haben wir es nun endlich geschafft, wir haben das Ziel der Reise endlich erreicht: Thule (Pituffik). Dieser Ort wurde in den 50er des vergangenen Jahrhunderts zwangsumgesiedelt, da er der Thule Air Force Base im Weg stand. Die Basis gibt es auch heute noch. Dort sind derzeit etwa 1200 Soldaten stationiert und es arbeiten auch Einheimische dort auf dem Stützpunkt. Denis, unser Geologen-Guide, erzählte uns, dass auf einem Bergkamm ein kleines Wachhäuschen steht, in dem Soldaten tatsächlich Dienst schieben. Wie häufig es vorkommt, dass sie dort wirklich etwas zu tun bekommen, konnte mir Denis allerdings auch nicht sagen.

Dies sind einige der Überreste der Siedlung. Ein paar der Häuschen stehen aber noch und drei oder vier werden davon auch noch als Wochenendhäuschen genutzt. Der Friedhof, den man zwischen den Ketten der Schaukel erahnen kann, stammt noch aus der Zeit, bevor die Umsiedlung statt fand. Wir machten in diesem Gebiet eine kleine Wanderung und wurden von einer Einheimischen, die in Pituffik in einer Wetterstation arbeitet, darauf hingewiesen, dass vor gut einer Woche ein Eisbär durch die Bucht schlich. Die Warnungen und Vorsichtsmaßnahmen waren also durchaus berechtigt. Zu Gesicht bekamen wir aber zum Glück keinen Bären.

Hier sieht man die kleine Wetterstation an der wir die Einheimische trafen. Der Berg im Hintergrund heißt Dundas und erreicht eine Höhe von knapp 200m. Die leicht hellere Zeichnung an der Flanke des Berges ist übrigens ein Pfad zur Erklimmung des Berges. Die letzten 15 Meter sind dann allerdings mit Seil, welches dort bereits angebracht ist, zu bewältigen.

An dieser Stelle sind eine Vielzahl von Überresten der alten Siedlung zu finden. Die ältesten Funde stammen aus dem 15. Jahrhundert, als es auch in Grönland wesentlich wärmer war. Der Siedlungsplatz war durchaus mit Bedacht gewählt, da der Siedlungspunkt von zwei Seiten vom Meer aus zu erreichen ist. Es stehen sogar noch alte Hütten auf dem Arreal, an denen man die typische Bauweise erkennen kann. Der Eingang dieser Hütten ist sehr tief gelegen, so dass man im Prinzip in die Hütte robben muss. Dies soll verhindern, dass die Wärme durch den Eingang verloren geht. Gedämmt wurden die Behausungen mit Grasoden, die direkt vor Ort gestochen wurden. Und wenn man dann morgens aus seiner Hütte gekrochen kommt, hat man direkt diesen Ausblick!

Hier ist nun ein Teil unserer Gruppe den Berg hochgeklettert. Wobei man dazu sagen muss, dass der Weg nach oben zwar schon ziemlich gewagt und steil war, der Weg nach unten, durch das lose Geröll, aber noch mal um einiges gefährlicher wurde. Ich hab dabei auch ein gutes Stück Haut meiner linken Daumenkuppe eingebüßt, da einer der Steine, an dem ich mich festhielt, plötzlich abbrach und die Bruchkante quasi wie ein Messer meine Fingerkuppe abschnitt. Ich hab das erst gar nicht bemerkt, wunderte mich dann aber ob der Taubheit meines linken Daumens und sah dann auch ziemlich viel Blut. Aber alles halb so wild. Witzigerweise sahen einige Nachzügler auch noch die Blutspuren auf dem Stein. Wie ich schon beschrieb, mussten die letzten 15 Meter des Berges mit einem Seil bezwungen werden, was ich mir dann aber nicht mehr zutraute, da ich ziemlich mit Höhenangst zu tun habe. Also entschied ich kurzerhand, dass der Ausblick an der Schuttgrenze ebenfalls grandios ist. Weiter rechts vom Ausschnitt war dann übrigens die Thule Air Force Base zu sehen, da ging es ganz schön geschäftig zu. Noch ein paar Worte zum Wetter: Während wir also den Berg rauf krabbelten, reichlich Staub schluckten und die Sonne auf uns runter brutzelte, hatten wir mitunter das Gefühl, irgendwie falsch zu sein. Schließlich wollten wir ins Eis, wo man friert und nichts als Wasser um sich herum sieht. Nun saßen wir also auf einem Berg in der Sonne, schwitzten wahre Bäche an Schweiß und dachten über die Beschwernisse des Abstiegs nach. Letztendlich kamen aber alle wieder gesund und munter auf dem Schiff an, der Erste Offizier teilte uns mit, dass an Deck 22°C herrschten und ich ließ mir von unserer Ärztin aus der Reisegruppe meinen Finger verbinden. Alles in allem ebenfalls wieder ein gelungener Tag.

Tag 9

An jenem Tag erreichten wir nun auch das umgesiedelte Thule, Qaanaaq. Von diesem Ort habe ich allerdings keinerlei Aufnahmen, da zum einen das Wetter umschlug, während abends und nachts zuvor noch strahlender Sonnenschein herrschte, begrüßte uns der Morgen mit grauen und tiefhängenden Wolken, 7°C und Nieselregen. Passend dazu, wurde in diesem Ort mit immerhin über 500 Einwohnern die Perspektivlosigkeit der Einwohner mehr als deutlich und auch die, mittlerweile schon etwas eingedämmte, Alkoholsucht und daraus resultierende Folgen wurden leider offenbar. Neben all der wunderbaren Natur gibt es eben auch schwerwiegende soziale Probleme. Der Abstecher schlug sich umgehend auf die Stimmung an Bord nieder, man meinte fast, die Trostlosigkeit mit Händen greifen zu können. Doch genug davon. Während wir uns nach unserer Stippvisite weiter auf den Weg in Richtung Norden machten, klarte das Wetter wieder auf.

Ursprünglich war unser Ziel die kleine Siedlung Siorapaluk, die nördlichste Siedlung Grönlands. Da das Wetter sich aber so wunderbar verbesserte, entschieden Kapitän und Expeditionsleiter, noch weiter nach Norden zu fahren und zu schauen, ob es nicht die Möglichkeit gäbe, einen Gletscher aus nächster Nähe zu besichtigen. Interessanterweise betraten nun alle an Bord absolutes Neuland. Weder war das Schiff, die Rembrandt, schon so weit nördlich gesegelt, noch unser Geologenguide oder Kapitän oder auch unser Expeditionsleiter. Wir betraten also weitestgehend Neuland und ein Fleckchen Erde, das vermutlich bisher nur ein paar Tausend Leute zuvor zu Gesicht bekamen. Wir fühlten uns bei dem kleinen Ausflug am Morris-Jesup-Gletscher schon ein bisschen wie Peary oder Amundsen.

Hier mal eine Aufnahme, die die Vielfalt der Farben in der dort herrschenden Vegetation zeigt. Ich fand diese Ecke einfach nur wundervoll und wollte am liebsten eigentlich gar nicht mehr weg.

Wir unterteilten nun wieder unsere Schar in zwei Gruppen, wobei ich diejenige Gruppe wählte, die zunächst ein wenig kraxeln musste, um schließlich sehr dicht an den Gletscher heran zu kommen und von oben drauf gucken zu können. Die Stille und Ruhe an diesem Punkt war derartig eindrücklich, dass dieser Tag, bzw. dieser abendliche Ausflug zu einem meiner Höhepunkte der Reise zählt. Auch hier hielten wir für fünf Minuten komplette Ruhe, so dass nur noch das Krachen des Eises zu hören war und sonst einfach nichts. Ein nahezu magischer Moment. Als positiver Effekt kam hinzu, dass mir auf der Wanderung doch recht schnell, sehr warm wurde. Wozu das gut sein sollte, aber an späterer Stelle.

Der Ausblick auf dem kleinen Hügel, den wir erklommen, Richtung offene See. Ohne das Eis könnte es auch eine Ansicht aus der Karibik sein.

Und hier der Blick auf die Gletscherfront. Während wir unseren Moment der Stille einhielten, löste sich ein recht ansehnlicher Brocken Eis aus der Wand und platschte mit einem ziemlichen Getöse ins Wasser. Ein wirklich beeindruckendes Schauspiel. Wie man auf dem Bild auch sehr gut erkennt, das Wasser unmittelbar an der Eiswand trägt bereits eine kleine Eisschicht, welche durch das Abbrechen zertrümmert wurde. Nach Aussage unseres Kapitäns war es erstaunlich, dass wir überhaupt noch zu diesem Datum in den Fjord hinein fahren konnten. Bei den bisherigen Reisen war dieser Fjord bereits zugefroren. Dies hängt wohl unmittelbar mit der Veränderung des Klimas zusammen.

Wie man bereits erkennen konnte, hat es in dem Fjord sehr feine Sandstrände. Da das Wetter nahezu perfekt war, kein Wind und in der Sonne gefühlte 15°C, reifte bei den jüngeren Mitreisenden der Plan, am nördlichsten Punkt unserer Reise, 77,5° nördlicher Breite, den gefühlten Höhepunkt unserer Reise mit einem Bad zu feiern. Gesagt, getan. Wir heizten uns auf der Wanderung recht ordentlich auf und rannten schließlich zu sechst in die Fluten. Die Aufnahme zeigt den Strand, an dem wir ins Wasser tobten. Ich muss ehrlicherweise sagen, es war gar nicht so schlimm, wie ich angenommen hatte. Durch die absolute Windstille war zwar das Wasser fürchterlich kalt, laut Kapitän irgendwas zwischen 3°C und 4°C, aber am Strand wollte fast schon Südseestimmung aufkommen. Und da ein Badegang bis zum Kinn nicht ausreicht, stürzten wir uns auch gleich noch ein zweites Mal in die Fluten, diesmal auch mit dem Kopf unter die Wasseroberfläche. Ein wunderbares Gefühl! Anerkennung und Respekt von Crew und Passagieren gab es natürlich auch im Überfluss, außerdem Champagner und Wodka zum Aufwärmen. Und als willkommener Nebeneffekt waren sämtliche beginnende Erkältungssymptome wie weggeblasen. Hinzu kommt natürlich, dass mit dieser Aktion ein freundschaftliches Band zwischen uns jüngeren Reisenden geknüpft wurde, an das sich ein jeder Einzelne wohl noch bis an sein Lebensende erinnern wird.

Diese Szenerie offenbarte sich uns, als wir alle wieder an Bord zurückgekehrt waren und unser Kapitän die Gelegenheit beim Schopfe packte und so dicht wie möglich an die Gletscherfront heran manövrierte. Sehr schön sieht man hier am oberen Felsen die verschiedenen Gesteinsschichten, die sich im Laufe der Jahrtausende übereinander lagerten und diese beeindruckende Landschaft schafften. Die sehr rötliche Färbung deutet auf einen hohen Eisengehalt im Gestein hin, welches durch früheren Vulkanismus mit den Sedimenten nach oben geschleuderte wurde.

Auf diesem Bild sieht man sehr schön, dass der Fjord von drei verschiedenen Richtungen durch Gletschereis gespeist wurde. Allerdings ist der Gletscher an der Südseite des Fjords, hier ziemlich zentral im Bild gelegen, verschwunden. Auf dieser Seite landeten wir auch an und kletterten auf den kleinen Kamm direkt über der Eisfront. Ich kann es nur wieder und wieder betonen, dieser Tag war definitiv mein Highlight schlechthin. Wir hatten offiziell den nördlichsten Punkt unserer Reise erreicht und befanden uns nun im Prinzip auf dem Rückweg. Auch zeitlich war nun die Hälfte der Reise bereits verstrichen und den ein oder anderen in unserer Reisegruppe holten bereits die Gedanken dessen ein, was nach der Reise alles anstand. Es war gar nicht so einfach, sich aus diesem Sog fernzuhalten, aber immerhin doch möglich. Mittlerweile hatten sich nun unter den Reisenden auch feste Gruppen gebildet und es war schon spannend zu beobachten, wie diese Gruppen untereinander agierten. Dies ging stellenweise soweit, dass beim Abendessen stellenweise seltsame Bemerkungen fielen, saß man nicht an jenem Tisch, an dem man die bisherigen Mahlzeiten einnahm. Als Pädagoge nutzte ich solche Situationen ganz gern, um etwas Verwirrung zu stiften und mich selbst davon abzulenken, dass nun die Rückfahrt anbrach.
Doch zurück zur Reise; während wir Badenden der Meinung waren, wir müssten uns mit einer Vielzahl an Getränken wieder aufwärmen, was kompletter Blödsinn war, denn durch das grandiose Wetter waren wir bereits nach einer Stunde wieder völlig durch gewärmt, bemerkten einige Passagiere, dass wir nicht den eigentlich sinnvollen Kurs Richtung Süden einschlugen, sondern uns weiter nach Norden bewegten. So kam es zu den wildesten Gerüchten und Spekulationen, die bis zu einem Frühstück in Kanada reichten. Tatsächlich hatten wir in der Nacht Ausblick auf die ersten kanadischen Inseln. Die Crew hielt aber samt und sonders dicht, auch unser Geologenguide Denis, sonst eher gesprächig, ließ kein Wort verlauten, sondern schmunzelte in seinen nicht vorhandenen Bart. So blieb das Rätsel also erst mal ungelöst, bis zu einer Lautsprecheransage früh um halb fünf.

Tag 10

Während einige der Passagiere bereits den Schlaf der Gerechten schliefen, wurden die beiden letzten Gestalten an der Bar durch die völlig unerwartete Lautsprecheransage aus ihrem Rausch gerissen, während der Rest aus den Betten taumelte. Crew und Expeditionsleiter hatten am Abend zuvor beschlossen, die günstigen Winde auszunutzen und zu versuchen, so dicht als möglich an das nach Süden treibende Packeis heran zu fahren. Dieses erreichten wir dann bei 78°N, dem nun tatsächlich nördlichsten Punkt unserer Reise.

So sah dies dann in natura aus. Ein wirklich erhabener Anblick. Weiter nach Norden ging es nun schlicht nicht mehr ohne Eisklasse. Das hier zu sehende Eis trieb mit fast 2 Knoten in der Stunde nach Süden, was für Meereis eine ganz ordentliche Geschwindigkeit darstellt. Unser Kapitän stand dementsprechend auch ordentlich unter Anspannung. Ein kleiner Manövrierfehler und wir hätten im Eis festgesessen. Dabei gibt es dann zwei Möglichkeiten, a, das Eis hebt das Schiff an oder b, das Eis zerdrückt das Schiff wie eine Streichholzschachtel. Beides keine sonderlich reizenden Aussichten. Letztendlich war dies dann aber der Höhepunkt des Entdeckergefühls!

Hier sieht man nun, wie diese geschlossene Eisdecke tatsächlich aussieht. Sehr deutlich kann man erkennen, dass das Seeeis flache Schollen ausbildet, während das ins Meer gebrochene Gletschereis als Berg oder Gebilde im Wasser treibt. Und während wir relativ dicht an den Eisschollen vorbei fuhren, war nun auch wieder das typische Knacken und Krachen des sich bewegenden Eises zu hören. Ein toller Moment. Nach diesem begab ich mich dann allerdings auch endlich in die Horizontale und verschlief das Frühstück sowie den sich anschließenden Vortrag, bis wir zur frühen Mittagszeit vor der kleinen Ortschaft Siorapaluk vor Anker gingen.

Hier ist nun die nördlichste Siedlung Grönlands zu sehen, Siorapaluk. Dort leben rund 60 Menschen. Diese haben sich dabei allerdings ihre Traditionen bewahrt und die Lebensweise ähnelt noch sehr stark der althergebrachten Inuitkultur. Dies bedeutete auch, dass an dem wunderschönen Sandstrand ein ziemlicher Gestank herrschte, da die erlegten Tiere direkt an Ort und Stelle zerlegt werden und dort auch trockenen. Der Geruch ist unbeschreiblich, verschlägt einem glatt den Atem und ist mit Sicherheit nichts für Zartbesaitete. Glücklicherweise hatten wir das Mittagessen bereits eingenommen, bevor wir in der kleinen Siedlung landeten. Während des Mittagessens kam auch zum ersten Mal so etwas wie Kreuzfahrtgefühl auf, da wir reichlich dekadent auf Deck saßen, vor dieser traumhaften Kulisse speisten und den “Eingeborenen” aus der Ferne zuwinkten.

Dies war der Ausblick vom feinen Sandstrand aus aufs offene Meer. Während unserer Anlandung wirkte das kleine Örtchen fast menschenleer und verlassen. Wie wir später heraus fanden, wurde zeitgleich eine Taufe zelebriert, für die streng christlichen Grönländer eine hohe Festlichkeit. Hierzu war allerhand Besuch aus Qaanaaq eingetroffen und auch wir wurden direkt zu Kaffee und Kuchen eingeladen. Summa summarum beherbergte die kleine Siedlung statt ca. 60 Menschen mit einem Schlag fast das Dreifache an Personen. Auch trafen wir hier einen Japaner, der seit 42 Jahren in Siorapaluk lebt. Er hatte seinerseits irgendwann die Nase voll vom überfüllten Japan, wanderte aus, und ließ sich schließlich in Siorapaluk nieder.

Hier eines der wenigen Bilder mit Menschen drauf, das bin ich selbst. Und nein, das T-Shirt war keine weitere gewagte Aktion von völlig verrückten Touristen, das T-Shirt war als Oberbekleidung völlig ausreichend. 18°C und Sonne satt am Sandstrand der nördlichsten Siedlung Grönlands. Ja, ich habe richtig Farbe bekommen auf der Reise.
Viel mehr Aufnahmen der Ortschaft kann ich nicht mehr vorweisen, da ich es vorzog meinen Bewegungsradius auf den Strand zu beschränken, auch wenn dort schon ziemlich üble Gerüche in der Luft lagen. Ein wenig mit unserem anderthalbjährigen Maskottchen am Sandstrand spielen war die richtige Beschäftigung für mich. Im Anschluss kehrten wir aufs Schiff zurück, lichteten den Anker und begaben uns nun wieder auf Seefahrt. Es ging weiter südwärts, die nächste Anlandung stand erst am Nachmittag des darauffolgenden Tages auf dem Plan. Also wiederum am Abend ein Vortrag, diesmal über Ecological Based Managment und dessen Umsetzung in Grönland, sehr spannend und sehr kontrovers zu diskutieren, und diesmal der Weg zeitiger in die Horizontale.

Wie gesagt, ein weiterer Abend auf See und wir genossen die warmen Temperaturen auf Deck, bei fast spiegelglattem Wasser. Eine absolute Seltenheit in diesen Regionen.Unser Ziel war nun die Stadt Upernavik, welche schon wieder ein gutes Stück weiter südlich lag. Auf dem Weg dorthin würde es noch eine Anlandung geben, es sollte aber dem Zufall überlassen bleiben, wo genau wir an Land gehen würden.

Noch etwas später am Abend gab es dann auch wieder größere Eisberge vor einem zauberhaften Himmel. Leider waren meine Akkus an diesem Abend so ziemlich komplett am Ende und ich verpasste wohl einen sehr ansehnlichen, sehr lang anhaltenden Abendhimmel, aber irgendwann musste ich dann doch auch mal die Pausetaste drücken um die bereits gesammelten Eindrücke zu verarbeiten.

Tag 11

Wir befinden uns nun wieder ein gutes Stück weiter südlich und sind auf dem Weg nach Upernavik. Damit uns Passagieren die Zeit nicht zu lang wurde, beschloss die Crew einen kleinen Landgang zu ermöglichen, bei dem die Chance wohl sehr hoch sein sollte, Moschusochsen zu sichten. Und tatsächlich, während wir auf die Landzunge zuhielten, tauchten die ersten schwarzen Punkte auf. Die Crew versuchte nun mit möglichst gedämpften Lärm einen Ankerplatz zu finden, um die Tiere nicht zu verschrecken. Selbst auf der Zodiacfahrt zum Landungsplatz wurde versucht, den Geräuschpegel auf das Minimale zu beschränken. Wie man hier sieht, waren sämtliche Bemühungen erfolgreich. Selbst als wir am Strand standen, hatten uns die Tiere, auch Dank des günstigen Windes, nicht bemerkt. Erst als die dritte und letzte Gruppe mit dem Zodiac eintraf, wurden die Moschusochsen auf uns aufmerksam und suchten ihr Heil in der Flucht. Unsere Entfernung vom Strand bis zum nächsten Tier betrug bei dieser Aufnahme etwa 400m. Schön auf der Aufnahme ist auch die fast schon sattgrüne Weide zu erkennen. Laut unserem Expeditionsleiter sind für dieses Grün wohl Vögel verantwortlich, die sich auf dieser Seite des Hanges ihre Nistplätze suchten, so dass nach und nach sich eine Schicht Erde auf dem Gestein bilden konnte. Direkt gegenüber sah es nämlich aus, wie im folgenden Bild zusehen.

Die Kontraste waren schon frappierend. Die Hütte, welche auf der Aufnahme zu sehen ist, ist eine der Jagdhütten, die man in ganz Grönland immer wieder findet. Diese hier sieht zwar aus der Ferne recht baufällig aus, wird aber noch sehr häufig genutzt, wie uns der Unrat in der unmittelbaren Umgebung zeigte. Wie bereits bemerkt, ist der Platz für diese Hütte an dieser Stelle natürlich mehr als sinnvoll. Unter uns Passagieren machte im Anschluss das Gerücht die Runde, dass es möglicherweise zum Abend Moschusochsen geben könnte, schließlich war uns der Kapitän höchstpersönlich an Land gefolgt, wie unsere Guides ebenfalls bewaffnet. Allerdings hatte der Kapitän nicht den Auftrag das Abendessen zu erlegen, sondern war als Personenschutz unserem Kleinkind zugeteilt.

Mal wieder unsere Rembrandt, ohne Eisberge hätte auch diese Aufnahme das Zeug, Sommergefühle zu wecken. Dazu sollte gesagt werden, dass es auch an jenem Tag wieder ausgesprochen warm wurde, 14°C, allerdings nahm der Wind nun stetig zu, so dass das Meer sich auch wieder anfing etwas mehr zu bewegen. Dies führte bei der Rückfahrt vom Landungsplatz zur Rembrandt schließlich dazu, dass eine recht ansehnliche Welle unser Zodiac von hinten einfach komplett überspülte. In jenem Moment trennte sich bei den Ausrüstungsgegenständen die Spreu vom Weizen. Mein 30€-Fotorucksack war danach zwar unbrauchbar, meine Kamera jedoch stäubchentrocken und mein Puls irgendwo bei 250. Aber witzig war es schon auch irgendwie.

Als die Moschusochsenherde uns bemerkte, ergriff sie natürlich die Flucht, ließ es dabei aber derartig gemächlich angehen, dass es auch für mittlerweile seit 11 Tagen gemästete Touristen ein leichtes war, ihnen zu folgen. Kurze Zeit später stießen wir erneut auf “unsere” Herde, diesmal keine 200m entfernt, allerdings ein gutes Stück den Hang hinunter, so dass genug Zeit für uns geblieben wäre, hätte der Leitbulle uns verscheuchen wollen. Später erfuhren wir, dass in Grönland jedes Jahr mehr Menschen durch Moschusochsenangriffe sterben als durch Eisbären. Insbesondere in der Paarungszeit werden die Bullen (wobei man hier wohl eher von Böcken sprechen müsste) sehr schnell hoch aggressiv. Unser netter mitgereister Däne, der sechseinhalb Jahre in Grönland lebte, erzählte uns am Abend an der Bar noch die ein oder andere Moschusochsenjagdgeschichte, an deren Ende wir uns nicht selten vor lachen kaum noch auf den Stühlen halten konnten. Fakt ist aber: Wenn diese mehrere hundert Kilogramm schweren Tiere ihre dicken Schädel zum Angriff senken, möchte ich nicht das Zielobjekt sein.

Den Abschluss diese Serie und damit auch des Tages, zeigt die Aussicht, die wir von unserer kleinen erklommenen Anhöhe hatten, von der wir auch die Moschusochsen beobachteten. Mit zunehmender Dauer auf dieser Anhöhe, wandte sich ein Passagier nach dem anderen von den Tieren ab und suchte sich in nicht allzu großer Entfernung ein kleines gemütliches Plätzchen und genoss einfach die sich bietende Aussicht im strahlenden Sonnenschein. Nach einer guten Weile versammelte sich nun unsere Touriherde und begab sich auf den Rückweg zur Landungsstelle, wurde von den Zodiacs abgeholt, was sich immer komplizierter darstellte, da die See minütlich rauer wurde und kam schließlich wohlbehalten an Bord der Rembrandt an. Über Nacht stand wiederum eine ordentliche Distanz an, welche bewältigt werden wollte, um am nächsten Tag am Vormittag schließlich Upernavik zu erreichen.

Tag 12

Ich durchbreche kurz die Chronologie und zeige zunächst, ohne künstlerischen Anspruch, das Städtchen Upernavik. Mit knapp 1200 Einwohnern nach grönländischem Maßstab eine pulsierende Metropole. Zu dieser Stadt noch eine kleine Geschichten. Wir hatten ein älteres italienisches Ehepaar in unserer Reisegruppe, wobei der Mann ein hoch erfahrener Alpinist und Extrembergsteiger war. Kurz bevor wir in Upernavik an Land gingen erzählte er uns den Grund, weshalb er diese Reise angetreten hatte. Vor fast 30 Jahren ist einer seiner besten Freunde in der Nähe Upernaviks zu Tode gekommen und es war sein Wunsch, dessen Grab in Upernavik zu besuchen. Ein weiterer sehr bewegender und emotionaler Moment, der uns auch noch mal daran erinnerte, dass wir in einer Ecke der Welt unterwegs sind, die nur selten Fehler verzeiht.

Hier eine kleine Hafenansicht. Ohne Eisberg im Hintergrund, könnte fast schon Mittelmeerflair aufkommen. Es war auch an diesem Tag noch erstaunlich warm, wenngleich ein sich immer stärker auffrischender Wind einen Wetterumschwung ankündigte.

Der Friedhof, etwas abseits der Stadt gelegen. Während unserer gesamten Tour fiel uns auf, dass die Friedhöfe der Ortschaften, Städte und Siedlungen in den meisten Fällen an sehr exponierten Stellen lagen, jeweils mit einem wundervollen Ausblick auf die umgebende Natur. Weshalb dies so ist, vermochte uns aber niemand zu erklären. Es bleibt zu bemerken, dass die Friedhöfe sehr farbenfroh geschmückt sind und auf den Gräbern in den meisten Fällen Plastikblumen liegen. Dies soll wohl die mitunter sehr tristen farblichen Verhältnisse auflockern, so dass die Friedhöfe im Prinzip einem Farbfestival gleichen.

Hier nun ein Blick ins Hinterland der Stadt. Wir hatten während des Landganges ausreichend Zeit, sowohl das Stadtmuseum zu besuchen, als auch zum Flugplatz hinaufzulaufen, von dem sich insbesondere ins Hinterland, ein toller Ausblick bot. Hier hätte ich auch noch weitere Stunden verweilen können, ohne dass es mir langweilig geworden wäre.

So sieht übrigens ein Zeltplatz im Norden Grönlands aus. Es muss einfach traumhaft sein, morgens aus dem Zelt zu krabbeln und dann den Ausblick von Bild #74 zum Morgenkaffee genießen zu können. Für mich persönlich kann ich mir kaum etwas abenteuerlicheres vorstellen. Wobei, eine Segelreise an der Küste Grönlands entlang auch schon einiges an Abenteuern bietet.

Nach dem wir Upernavik verließen, hielten wir nun Kurs Richtung Uummannaq-Fjord, wollten dort noch zwei Stationen anlaufen, bevor wir schlussendlich in die kleine Stadt Uummannaq einlaufen. Hierzu hatten wir über Nacht und am Vormittag erneut ein straffes Fahrprogramm vor uns. Der Abend zeigte sich mal wieder von seiner besten Seite, es war kaum Seegang zu verspüren, die Sonne zauberte erneut ein leuchtendes Feuerwerk an den Himmel und wir Passagiere genossen die Ruhe bei einem kühlen Getränk je nach Wahl an der Bar oder auf Deck.

Da wir uns nun ein gutes Stück nach Süden bewegt hatten, gab es nun auch wieder Sonnenuntergänge zu bewundern, wobei es kaum möglich ist, die Farbenpracht mit Worten zu beschreiben. Im oben gezeigten Bild lässt sich eine Idee davon bekommen, welch Himmelsspektakel wir erneut geboten bekamen. Da sich die Temperaturen auch noch im erträglichen Rahmen befanden, ließ es sich an Deck gut aushalten um der natürlichen Farbenpracht beizuwohnen.

Tag 13

Entgegen der Ankündigung von Crew und Guides erwartete uns im Uummannaq-Fjord ebenso wenig Seegang wie auf der offenen See tags zuvor, was einige der Passagiere mit sichtbarer Erleichterung aufnahmen. Für den heutigen Tag war ein etwas ausgedehnterer Landgang in der kleinen Siedlung Niaqornat geplant. Eine Siedlung mit 40 Einwohnern, von denen die Hälfte in etwa sich auf der Jagd befand. Als unsere gesamte Gruppe am Strand versammelt war, hatte man den Eindruck, wir überrennen dieses kleine Idyll. Die Aufnahme entstand vom Strand aus und zeigt, natürlich, die Rembrandt im Eis. Hierzu sei kurz erwähnt, dass auch der Uummannaq-Fjord durch riesige Gletscher entstand, die noch immer sehr produktiv sind. Daher entstand die Idee, in Niaqornat vor Anker zu gehen, da diese kleine Siedlung von zwei Seiten angefahren werden konnte. Wie man später auf Bildern noch sehen wird, wäre es vielleicht ein wenig stressfreier gewesen, für die Crew, auf der anderen Seite anzulanden. Das Eis was auf dem Bild zu sehen ist, trieb nämlich sehr unvorteilhaft in Richtung Rembrandt. Hatte allerdings den Vorteil, dass wir uns ein weiteres Mal von den nautischen Fähigkeiten unseres Kapitäns überzeugen konnten.

In der Ortschaft selbst, erhielten wir etwas Zeit uns umzusehen und trafen ein paar Minuten weiter auf diese putzige Familie.Innerhalb von 34s waren sämtliche Welpen verteilt, wobei die Mama sicher etwas dagegen gehabt hätte, hätten wir unseren Plan in die Tat umgesetzt. Meiner war übrigens der kleine Kerl ganz rechts, der kaum zu sehen ist. Vielleicht noch ein Wort zu den Schlittenhunden. Diese haben mit den allseits bekannten Huskys nur wenig gemeinsam, sind viel gedrungener und wirken massiger. Während der Sommermonate bekommen die Tiere lediglich einmal in der Woche etwas zu fressen, da es keine Aufgaben für sie gibt und sie im Prinzip nur auf der faulen Haut liegen. Bekämen sie mehr zu futtern, wären sie im Winter nicht mehr in der Lage zu laufen und dabei Schlitten zu ziehen. Diese Schlitten sind in diesem Teil Grönlands im Winter im Prinzip das einzige wirklich zuverlässige Fortbewegungsmittel. Es gibt zwar auch Schneemobile, aber die verfügen nicht über den Instinkt eines Schlittenhundes. Sind auf jeden Fall ganz tolle Tiere, lediglich ihre Lebenserwartung ist mit 6-7Jahren nicht sonderlich hoch.

Nach dem wir dann die Ortschaft ausreichend erkundet hatten, wurde unsere Gruppe wieder aufgeteilt, während die eine Gruppe es gemütlicher anging und lediglich den kleinen Felsen direkt neben der Ortschaft erklomm, machte sich die andere Gruppe auf die Socken, um den ein oder anderen Berggipfel zu erstürmen. Hier sieht man nun den Teil der Gipfelstürmer, dem ich mich ebenfalls anschloss. Die kaum zu erkennende helle Linie im Bild ist übrigens ein Pfad.

Hier nun das unmittelbare Hinterland Niaqornats. Wir mussten zunächst gute 50-75m in die Höhe wandern, dann wurde die Felsenküste wieder etwas ebener. Dabei bot sich uns schließlich dieser Blick, laut Denis, unserem Geologenguide, sind dies die Spuren eines verschwundenen Gletschers. Wiederum eine völlig andere Landschaft, die sich uns bot, als wir sie bisher sahen. Durch diese Berge verlief auch eine Frischwasserleitung, die die kleine Siedlung mit Trinkwasser versorgt. Während dieser Wanderung entspann sich dann das interessante Spielchen, dass wir als Gruppe immer noch einen Gipfel, bzw. Höhenkamm weiter wollten, um einen noch besseren Ausblick auf Niaqornat zu bekommen. Daraus entspann sich dann eine dreieinhalb stündige Wanderung, in der sich unser Expeditionsleader den Unmut des Kapitäns zuzog. In den folgenden Bildern wird auch deutlich warum.

Hier lässt sich erahnen, weshalb der Kapitän immer ungehaltener wurde, als unsere Gruppe nicht zur vereinbarten Zeit zurückkehrte. Die drei großen Eisbrocken vor der Rembrandt haben sich aufgrund eines Wechsels der Windrichtung nämlich dazu entschieden, unsere Landungsseite der Siedlung abzusperren. So gewaltig mögen diese Brocken von oben erst mal nicht aussehen, auf unserem Schiff stehend, wurde uns dann aber doch etwas anders. Zum einen, weil bekanntlich ja nur 10% des Eises aus dem Wasser ragen und diese drei Brocken ein Vielfaches an Gewicht im Vergleich zur Rembrandt auf die Waage brachten. Ums mal etwas dramatisch auszudrücken, wären wir eine Stunde später an Bord zurückgekehrt, hätte es durchaus passieren können, dass wir nicht mehr aus der Bucht herausgekommen wären.

Diese Aufnahme verdeutlicht noch mal etwas die Größenverhältnisse, die uns während unserer Wanderung umgaben. Wahrlich beeindruckend diese Felswände. Mitunter hatte ich den Eindruck mich wie Frodo und Sam auf dem Weg nach Mordor zu befinden, denn je weiter wir auf unserer Wanderung kamen, desto dunkler verfärbte sich der Himmel, was die tiefschwarzen Bergwände gleich noch um einiges gefühlt in die Höhe wachsen ließ. Und während wir so durch diese Einöde wanderten, gab es einen sehr lauten Knall, den sich erst mal keiner von uns erklären konnte, auch nicht unser Expeditionsleiter. Auf dem nächsten Aussichtspunkt mit Blick auf die Rembrandt, wussten wir dann, was so fürchterlich geknallt hatte.

Dies war nun der letzte Berg, den wir erklommen und der ganz gut dazu beitrug, dass wir sehr viel später als geplant zurückkehrten. Der Aufstieg war ziemlich spannend, da auch dieser Berg bis kurz vor dem Gipfelplateau nur aus losem Geröll bestand. Hier hatten wir allerdings den Vorteil, dass es der Fels nicht aus brüchigem und porösem Schiefer bestand und dass es kurz vor unserer Ankunft noch reichlich geregnet hatte. So war es weder staubig, noch sonderlich scharfkantig. Ganz einfach war es dennoch nicht, dort hoch zu kommen, aber Spaß hat es allemal gemacht. Hinzu kommt, dass sich auch unser Expeditionsleiter etwas heraus gefordert fühlte, er zwar schon vom Kapitän die Ansage erhielt, umzudrehen, bevor wir überhaupt anfingen diesen Berg emporzuklettern, kurzzeitig auch mit dem Gedanken spielte kehrt zu machen, letztlich aber das Funkgerät abschaltete und uns Touris auch noch diesen Ausblick gönnte.

Diese Aufnahme zeigt noch mal sehr schön die Tiefe der Eisberge und die wundervolle Färbung. Auch sieht man hier sehr gut, weshalb diese Eisberge so gefürchtet sind in der Seefahrt, nicht erst seit dem die Titanic versank. Von einem erhöhten Standpunkt aus, kann man die Ausmaße der treibenden Kolosse ganz gut erkennen, befindet man sich auf gleicher Höhe wird dieses um einiges schwieriger.

Nein, unser Schiff hat nichts abbekommen, aber der kleinere Eisberg in der Bucht, war urplötzlich in vier Teile zerplatzt. Dies führte dazu, dass nun unsere Crew wiederum erhöhte Aufmerksamkeit walten lassen musste, da die kleineren Eisbrocken gefährlich dicht an Ruder und Schiffsschrauben trieben. Mit allerhand Zodiackraft und viel Einsatz, schafften es unsere Seemänner aber, die Stücke von den empfindlichen Teilen des Schiffes fernzuhalten. War aber schon ein spannendes Spektakel von unserer erhöhten Aussichtsposition. Auf der Aufnahme selbst ist nun auch noch mal die Siedlung Niaqornat zu sehen, in der wir auch einen Ingenieur trafen, der sehr gut Englisch sprach. Er ist für die Generatoren in der Siedlung verantwortlich, die den Strom für die Haushalte liefern. Auf die Frage hin, weshalb er hierher gezogen sei, antwortete er, dass seine Frau hier geboren worden sei und sie sich hier kennengelernt haben, er selbst stammt ursprünglich aus Nuuk. Wir wurden nun neugierig und fragten noch ein wenig weiter, wie man aus Nuuk, der Hauptstadt, in diese Ecke Grönlands kommt um hier eine Frau kennenzulernen. Einfache Antwort: Übers Internet, durch eine Datingseite. Der technologische Fortschritt lässt sich halt nicht aufhalten. Ihm geht es aber gut in Niaqornat, Nuuk war ihm auf Dauer zu hektisch und viel zu wuselig, mit den 16.000 Einwohnern.
Als wir schließlich ziemlich kaputt wieder an Bord zurückkehrten durften wir direkt im Anschluss beobachten, wie unser Kapitän nahezu meisterlich aus der engen und verstopften Bucht heraus manövrierte und wir nun Kurs auf Qilakitsoq nahmen.

Tag 14

Den Rest des Abends des 13. Tages nutzten wir, um weiter in den Uummannaq-Fjord hinein zu segeln, so dass wir am Morgen direkt nach dem Frühstück einen kleinen Landgang nahe Qilakitsoq unternahmen. Die Stelle, an der wir landeten, wurde berühmt durch den Fund einiger Mumien aus dem 15. Jahrhundert, in den 60er Jahren. Ihnen verdankt die grönländische Geschichtsschreibung eine reale Vorstellung der damaligen Kleidung, Ernährung und vieles weiteres mehr. Die Mumien selbst wurden lange Zeit in Kopenhagen ausgestellt, bis sie später den Weg zurück nach Grönland fanden und heute in einem Museum in der Hauptstadt Nuuk zu besichtigen sind. Ich glaube ich muss nicht extra erwähnen, dass es ein ziemliches politisches Tauziehen über den Ausstellungsort der Mumien gab. Wie man sieht, hat sich mittlerweile das Wetter wiederum verschlechtert, was dazu führte, dass eine Mitreisende und ich, wie schon in Ilulissat, allen anderen Mitreisenden mit unserem Optimismus bezüglich Sonnenschein auf die Nerven gingen. Wie man an späterer Stelle sehen wird, lagen wir auch diesmal wieder goldrichtig.

Wie auf dem Bild unschwer zu erkennen ist, wandelten wir auf einem kleinen grünen Flecken in einer sonst eher felsig geprägten Landschaft. Um den akademischen Grabenkämpfen ein wenig Futter zu geben, verstieg sich unser Geologenguide zu der Aussage, dass es als Archäologe in Grönland viel einfacher sei, im Vergleich zur mühseligen Arbeit der Geologen. Archäologen müssten in Grönland lediglich nach grünen Flecken suchen und werden mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit irgendwelche Überreste menschlicher Zivilisation finden. Und tatsächlich, das gesamte Areal ist als archäologische Grabungsstätte ausgewiesen, wie auch noch einige weitere Plätze, wobei es allerdings mehr Grabungsstellen als nach Grönland reisende Archäologen gibt. Leider habe ich mich vor zehn Jahren für ein Geschichtsstudium entschieden, was bei näherer Betrachtung eigentlich ziemlich sinnlos war. Sich vor solchen Hintergründen durch die Erde zu wühlen und versuchen zu verstehen, weshalb und wie Menschen vor 500 Jahren an diesen unwirtlichen Stellen siedelten, muss ein kaum in Worte zu fassendes Gefühl sein.

Der Ausflug selbst dauerte nicht allzu lange, da es an dieser Stelle nicht viel mehr zusehen gab, als eben dieses kleine, grüne Fleckchen und die leeren Gräber, kehrten wir recht wieder zurück aufs Schiff. Wie bereits im Bild vorher ersichtlich, trieben wieder eine Vielzahl recht ansehnlicher Eisbrocken um unser Schiff herum. Dies nutzten unsere Zodiacfahrer bei der Rücktour aus, um uns ein wenig dichter an diese prachtvollen Naturmonumente heran zu bringen. In diesem Bild ist nun auch unser zweites Zodiac zu sehen und vermittelt dadurch ein wenig die Größenrelationen. Als Randnotiz, während wir bei der Landung noch mit Nieselregen erquickt wurden, hatte dieser bereits bei der Rücktour zum Schiff den Rückzug angetreten, so dass wir nur noch einen mausgrauen Himmel betrachten durften. Im Anschluss lichtete unsere Crew den Anker und ging auf Kurs Richtung Uummannaq, einer 1300-Einwohner-Stadt, die durch den sehr markanten Fels, an dessen Fuße die Stadt entstand, einige, besonders visuelle, Berühmtheit erlangte.

Nach dem an Bord eingenommen Mittagessen ging es nun am Nachmittag in die Stadt Uummannaq, eine wirkliche kleine Perle, wie ich finde, trotz des Wetters. Als kleine Randnotiz: Ursprünglich war eigentlich gar kein Ausflug in den Uummannaq-Fjord und in gleichnamige Stadt geplant. Erst auf Drängen einiger aus unserer Reisegruppe, ließen sich Kapitän und Expeditionsleiter umstimmen. Wahrlich ein weise und glückliche Entscheidung, die mich erneut darin bestärkte, Reisen nur in sehr übersichtlicher Gruppengröße anzutreten.
Wie auf dem Bild zu erkennen, hielt sich das sehr trübe und diesige Wetter, trotz des Optimismus, den ich mir zusammen mit einer weiteren Mitreisenden nicht nehmen lassen wollte. Auf dem Bild ist die Hafeneinfahrt zu sehen, die, wie in größeren Häfen in Grönland üblich, von zwei Seiten zu befahren ist. Betrachtet man die Giganten aus Eis im Hintergrund, versteht man auch, weshalb zwei Einfahrten definitiv eine schlaue Idee sind. Es kam wohl aber auch schon vor, dass sich EIN Eisberg vor BEIDE Einfahrten schob und somit das Ein- und Auslaufen unmöglich wurde.

Im Städtchen selbst stand uns Reisenden zunächst etwas frei verfügbare Zeit zu, die einige von uns im Museum verbrachten und andere der kleinen aber sehr schön eingerichteten Kirche einen Besuch abstatteten. Ich gehörte zu den anderen und kam in den Genuss eines kleinen Orgelkonzertes, da sich der ortsansässige Küster nicht lange bitten ließ und ein wenig christliches Liedgut zum Besten gab. Ein sehr andächtiger Moment.
Im Anschluss an die Freizeit bestand die Möglichkeit, sich auf eine kleine Wanderung zu begeben und Santa Claus einen Besuch abzustatten. Dazu muss man sagen, dass in Uummannaq tatsächlich der RICHTIGE Santa Claus wohnt. Die ganzen Hütten in Schweden, Finnland und sonst wo sind lediglich Außenstellen, da auch Santa Claus bewusst ist, dass Grönland nicht sonderlich einfach zu erreichen ist. Aber nur hier in Uummannaq hat man die Möglichkeit den echten Santa Claus zu treffen. Der Weg dorthin ist mit leuchtend roten Punkten gekennzeichnet und auch recht gut zu bewältigen. Da wir uns mittlerweile auch nicht mehr in einer Eisbärregion befanden, nutzte ich die Gelegenheit, mich ein wenig von der Gruppe abzusetzen und etwas voran zu laufen.

Nach etwa einer Stunde Fußmarsch war nun auch Santa Claus’ Hütte sichtbar. Es ist der kleine grüne Fleck im Bild. Der rote leuchtende Punkt ist eine Fischer-/Jagdhütte. Wie eben schon beschrieben, hatte ich mich ein wenig abgesetzt, so dass ich tatsächlich als einer der ersten an der Hütte ankam und auf Santa Claus stieß. Wir unterhielten uns eine Weile, bis er bemerkte, dass eine Gruppe von 10-15 Leuten auf seine Hütte zusteuerte. Er entschuldigte sich bei mir und suchte dann schnell das Weite. Schließlich wohnt er in Grönland um seine Ruhe zu haben, wie er mir auf dem Sprung noch kurz erklärte…
Jetzt ernsthaft: Die Hütte war natürlich unbewohnt, aber sehr hübsch hergerichtet, inklusive eines Wünschebuches, in welches man seine Wünsche eintragen konnte, die Santa erfüllen soll.

Als wir nach der Wanderung an Bord zurückkehrten, machte das Gerücht die Runde, dass fpr den Abend noch eine Überraschung geplant sei, die sich aber keiner der anwesenden Gäste so richtig erklären konnte. Schließlich tauchten einige einheimische Kinder in der Nähe der Rembrandt auf und es erhärtete sich der Verdacht, dass eine folkloristische Einlage geplant war. Und tatsächlich, das Kinderhaus Uummannaq ließ uns in den Genuss einer kleinen Aufführung kommen, in der die Gruppe zum einen traditionelle Gesänge und Tänze darbot, zum anderen aber auch moderne Elemente in die Aufführung mit einfließen ließ, so dass sich eine wunderbare Mischung ergab, die meine Befürchtung der üblichen Tourifolklore nicht mal im Entferntesten bestätigte. Hinzu sei noch der Hinweis gegeben, dass das Kinderheim Uummannaq mit diesen Darbietungen weltweit auf Tournee geht und unter anderem auch schon Hawaii besuchte.
Wie bereits auf Bild #94 zu erahnen, kämpfte sich die Sonne zum Ende des Tages hin durch die doch recht stattliche Wolkendecke und meine Mitreisende und ich behielten recht, mit unserem Optimismus.

Wie schon angedeutet, behielten meine Mitreisende und ich mit unserem Optimismus recht. Was nun folgte war ein Sonnenuntergangsszenario, dass ich selten in so einer Intensität erleben durfte. Auf jenem Bild oben ist das Städtchen Uummannaq zu erkennen, direkt unter der Felswand steht Santa Claus’ Häuschen und dort lagen wir tags zuvor vor Anker. So fürchterlich viel mehr Worte möchte ich zu den nächsten Bildern eigentlich auch nicht mehr verlieren. Lediglich, dass es für mich nach dem Morris-Jesup-Gletscher der beeindruckendste Tag der Reise war. Daher nun weniger Worte und mehr Bilder.

Nicht ganz scharf das Bild, aber egal, lag wohl an den an jenem Abend doch recht rapide sinkenden Temperaturen. Dieser freundliche Zeitgenosse enterte am späten Abend unser Schiff. Hintergrund hierfür: Eine der Mitreisenden wartete die gesamte Reise darauf, einen Eisbär zu sehen, was aber, zum Glück oder leider, nicht klappte. Lediglich eine Fährte bekamen wir zu sehen, und den Hinweis, dass in der Thule-Gegend ein Bär vor einer Woche an der Küste umher schlich. Mehr aber auch nicht. Da wir nun unsere Reise fast schon beendet hatten, und die Chance einen Eisbären zu entdecken gegen null ging, besorgte ich in Uummannaq einen Eisbären aus Stoff und konnte damit die traurige Miene aufhellen, sobald das Thema “Eisbär” an Bord aufkam. Es war wohl aber auch der erste Versuch meinerseits mit der einsetzenden Melancholie hinsichtlich des Endes der Reise fertig zu werden.

Tag 15

Am nächsten Morgen stand direkt nach dem Frühstück eine Landung in Björnefaelden an, was mit einer kleineren Geschichtsstunde einher ging. An diesem Landeplatz gibt es zum einen eine merkwürdige Hütte mit dicken Steinmauern aus der Zeit der Wikinger zu sehen. Das kuriose an dieser Hütte, es gibt noch immer keinen Anhaltspunkt, wofür diese Konstruktion gedient haben mag. Einige Vermutungen deuteten auf eine Bärenfalle hin, diese Vermutungen erwiesen sich aber nicht als stichhaltig. Wesentlich spannender fand ich aber die auf dem Foto zu sehenden Überreste einer alten Siedlung. Hier gibt es sehr starke Hinweise auf eine Vermischung der Thule- und Wikingerkultur, die nicht auf kriegerischen Auseinandersetzungen beruht. Im Gegenteil, möglicherweise wären in diesen Ruinen und Überresten Hinweise zu finden, die auf wirtschaftliche Beziehungen zwischen diesen beiden Kulturen hindeuten. Tatsächlich bleibt aber all dies nur Spekulation, da dieses Ruinenfeld archäologisch noch nicht erschlossen ist und wohl auch sobald nicht wird. Eigentlich ein Jammer.

Auf dieser Landzunge, auf der wir uns wandernd bewegten, gab es wohl vor zwanzig bis dreißig Jahren noch eine kleinere Siedlung, wie man sie aus anderen Ecken Grönlands kennt. Diese wurde aber wohl nach und nach verlassen, die meisten ehemaligen Bewohner leben nun in Uummannaq oder weiter südlich, in Aasiaat oder auch der Hauptstadt Nuuk. Übrig geblieben sind allein die Holzkreuze eines Friedhofes.

Hier nun die letzten Überreste der Siedlung. Wie man auf diesem Bild sehr schön erkennen kann, das Wetter war wieder eine wahre Pracht und für die Wanderung von knapp zwei Stunden, reichte tatsächlich auch ein einfacher Pullover. Nur zum Ende unserer Wanderung, als wir noch eine halbe Stunde freie Zeit eingeräumt bekamen, und ich mich ganz nach vorn auf eine der Klippen begab, wurde es etwas zügiger. Zu diesen Klippen noch ein kleines Anekdötchen: Ich nutzte wie schon beschrieben die Möglichkeit noch mal etwas schneller durch die Gegend zu laufen und kam schließlich an die klippenartige Abbruchkante einer kleinen Halbinsel. Dort saßen bereits zwei weitere Mitreisende, ließen sich die Sonne ins Gesicht scheinen, den Wind um die Nase pfeifen und genossen die absolute Stille. Nach und nach wurden wir drei dann aber von der restlichen Reisegruppe eingeholt und es mehrten sich die Pärchen, die laut schnatternd ihre Pläne für die kommenden Wochen in den Wind plapperten, so dass wir drei uns nur kurz anschauten und schleunigst die Flucht ergriffen, bevor das Gefühl der völligen Ruhe verloren ging.

Obiges Bild ist mit Sicherheit keiner fotographische Meisterleistung, man erkennt allerdings auf jenem Bild sehr schön, die einzelnen verschiedenen Gesteinsschichten, die sich im Laufe der Jahre übereinander lagerten und diese bizarre Landschaft formten. Ich denke, man kann sogar ein Stück weit nachvollziehen, warum unser Geologeguide seit nun mehr 20 Jahren in Grönland arbeitet und vorzugsweise Studenten bei der Feldarbeit in Grönland ausbildet. Bessere Anschauungsmöglichkeiten gibt es wohl nur sehr selten in der großen weiten Welt.

Nach unserer Landung stand für den restlichen Tag dann wiederum reines Fahren an. Da sich diesmal der Wind als sehr günstig für uns erwies, wurden auch diesmal wieder Segel gesetzt. Je später der Abend, desto stärker wurde der Wind, so dass schließlich der Motor komplett abgeschaltet werden konnte. So kamen wir zum Ende unserer Reise noch mal in den Genuss des Segelns. Wie man auf dem Bild gut erkennen kann, bewegte sich nun auch die See wieder recht ordentlich, was wiederum dazu führte, dass einige Reisende den Abend in der Kabine verbrachten. Diesmal allerdings nicht ganz so viele wie zu Beginn der Reise, da sich zum einen eine gewisse Gewohnheit einstellte und zum anderen durch das Segeln die Schiffsbewegungen viel sanfter, ruhiger und gleichmäßiger verliefen. Ich fand es großartig und hatte viel Freude daran, auf Deck zu sitzen, mir den Wind um die Nase pfeiffen zu lassen und das Geschaukel zu genießen. Besonders vorn im Bug war das Gefühl kaum zu beschrieben, da lediglich der Wind pfiff und das Rauschen des Wasser zu hören war, sonst nichts. Fast hatte man das Gefühl aus der Zeit gefallen zu sein.
Später am Abend wurden alle willigen Passagiere auf Deck gerufen, da eine halbe Wende anstand, bei der viel Kraft gefordert war. Ich glaube die Crew hatte auch ihren Spaß dabei uns zu zu sehen, wie wir beim Reißen am Tau alle fast übereinander fielen. Als wir dann tatsächlich die Wende ohne größere Katastrophen vollbrachten, wurden die Schiffsbewegungen noch angenehmer, da wir nun lotrecht die Wellen durchschnitten. Als ich spät am Abend schließlich in meine Koje krabbelte schlief ich wie ein Baby in seiner Wiege.

Tag 16/17

Für den nächsten Vormittag war noch mal eine, letzte, Landung mit anschließender Wanderung durch das Tundragebiet der Discoinsel geplant. Während wir vor Anker lagen und unser Expeditionsleiter die Küste nach einem geeigneten Landeplatz absuchte, tauchten in etwa einer Seemeile Entfernung einige Buckelwale auf. Als der Expeditionsleiter ganz stolz per Funk vom Fund einer Landestelle und der Sichtung von zwei Rotfüchsen berichtete, bekam er zur Antwort, dass sämtliche Menschen an Bord auf Deck stehen und springenden Buckelwalen zu schauen. Daraufhin dauerte es keine Viertelstunde bis sämtliche Schlauchboote zu Wasser gelassen wurden, auch das kleine, welches eigentlich als Rettungsboot dienen sollte, so dass alle Passagiere einen Platz in den Booten fanden. So bestand der Vormittag aus einer sehr ausgiebigen Zodiactour, auf der wir die Buckelwalgruppe verfolgten, die sich von ihrer interessierten Seite zeigte und sich sehr fotogen präsentierte.

Immer wieder hoben die Wale ihre spektakulären Flossen in die Höhe. Und obwohl das Zeigen der Flosse ein Zeichen dafür ist, dass die Tiere sehr tief tauchen und somit eine Weile nicht wieder zu sehen sein werden, kamen sie immer wieder sehr bald zurück an die Oberfläche, es schien fast, als würden sie für uns posieren. Teilweise kamen die Tiere auch sehr dicht an unsere Boote heran, zwei drei Mal waren sie keine 150 Meter mehr entfernt. Diesen gigantischen und dennoch so anmutigen Tieren so nah zu sein, ist ein Erlebnis, dass man seinen Lebtag nicht mehr vergisst. Und auch wenn Buckelwale durchaus garstig werden können, wenn man ihnen zu dicht auf die Pelle rückt, kam zumindest bei mir keine Angst auf, Respekt ja, aber Angst, nein.

Nach dem die Walgruppe schließlich genug von uns hatte und bei unseren Zodiacs sich auch langsam der Treibstoff dem Ende entgegen neigte, kehrten wir zur Rembrandt zurück und begaben uns nun auf unsere Schlussetappe in Richtung Aasiaat. Dies bedeutete, dass wir noch 24 Stunden Fahrt vor uns hatten, ehe wir in Aasiaat am Kai festmachen konnten. Daran schloss sich das Kapitänsdinner an und schließlich kletterten wir ein letztes Mal in unsere Kojen.

Tag 18

Noch bevor wir unsere Reise antraten, hatte sich für den Rückflug aus unerfindlichen Gründen die Abflugzeit des Inlandsfluges verändert. Dementsprechend hatten wir 12h Aufenthalt in Kangerlussuaq, dem kleinen Örtchen mit dem großen Flughafen Richtung Kopenhagen. Um diese Zeit ein wenig zu füllen, hatten wir auf dem Schiff bereits angefragt, wer Interesse an einer geführten Tour zum Inlandseis hätte. Immerhin 20 Passagiere fanden sich.=) Nach einem durchaus emotionalen Abschied von der Rembrandt und der Crew, ich bin mir sicher, dass bereits hier einige Tränen flossen, sowie einer Reisenden, die direkt die Anschlusstour in der Discobucht auf der Rembrandt gebucht hatte, flogen wir von Aasiaat nach Kangerlussuaq. Um die Mittagszeit saßen wir an der Flughafenbarracke in der Sonne und entledigten uns sämtlicher Jacken und Pullover, da in der Sonne 25°C herrschten. Gegen 2 Uhr nachmittags startete unsere Tour Richtung Inlandseis. Dazu befuhren wir die längste Straße Grönlands mit einer Länge von immerhin knapp 40km.

Auf dem Weg hielten wir zwischendurch immer mal wieder an, wobei die räumliche Trennung zwischen Passagieren und Fahrer/Guide leider keinerlei Kommunikation zuließ. In jenem Moment sahen wir auch ein, dass wir von unseren beiden Guides auf der Rembrandt extrem verwöhnt wurden. Denn unser Fahrer und Guide ging mit einem Enthusiasmus zu Werke, als brühe er sich grade seinen ersten morgendlichen Kaffee auf. Leider sehr schade. Jenes obige Bild entstand bei unserem ersten Zwischenhalt. Dieser Bereich gilt als arktische Wüste, da hier so gut wie keine Niederschläge zu verzeichnen sind, man kann die Trockenheit etwas erahnen, bis auf das kleine Flüsschen, welcher nach der Schneeschmelze im Frühjahr sehr enorm anschwillt. Daher auch das sehr breite Flussbett.

Der auf dem Foto zu erkennende See ist ein reiner Schmelzwassersee. Auf die Frage eines Reisenden, ob und wie in diesem Gewässer Leben entstanden sein könnte, bekamen wir leider keine Antwort. Aber es hieß, dass dieser See im Sommer sehr beliebt zum Angeln sei. Die aufgestellten Zelte in der Ferne gehören zu einem archäologischen Ausgrabungscamp. Als wir an ihnen vorüber bretterten waren tatsächlich einige aus dem Camp am Winken.
Ganz im Hintergrund ist der mächtige Russel-Gletscher zu sehen, ein wahrer Gigant unter den Gletschern, selbst für grönländische Verhältnisse.
Ein kleines, witziges Anekdötchen sei hier noch erzählt. Während wir also in unserem umgebauten LKW über die Schotterpiste rumpelten, stellte sich wieder der Eindruck ein, weitestgehend allein zu sein in dieser gigantischen Natur. In unserem kleinen LKW befanden sich wie schon gesagt 20 Passagiere von der Rembrandt, so dass sich die übrigen Mitreisenden schon etwas wunderten, wie unser zusammengewürfelter Haufen zusammenpassen könnten. Die völlige Fassungslosigkeit und Überforderung schlich sich aber bei den anderen Reisenden ein, als wir im völligen Niemandsland der arktischen Wüste meinen Kabinenkollegen am Wegesrand erblickten. Für einen kurzen Moment herrschte unter uns absolutes Schweigen, weil die Situation einfach viel zu unwirklich war und dann brach sich lautes Gelächter bahn, was die übrigen Passagiere schlicht nicht mehr verstanden. Aber wir hatten unseren Spaß. Schließlich stapfte mein, sehr sympathischer, Kabinenkollege immer wieder etwas abseits durch die Gegend. Ihn dann schließlich im Nichts der arktischen Wüste zu erblicken war einfach an Skurilität nicht mehr zu überbieten.

Dies ist nun die Moräne eines Gletschers, über die man klettern musste um schließlich zum Inlandseis zu kommen. So ganz ungefährlich ist die Kletterei nicht, aber manchmal muss man sich auch mal etwas trauen.

Und nach etwas Kletterei, ist man schließlich auf der Inlandseiskappe, bzw. deren ersten Ausläufern. Der kleine rote Punkt im Bild ist übrigens ein Mensch, einfach um mal eine Relation in die Größen zu bekommen.

So sehen dann die ersten Ausläufer des Eises aus. Wenig spektakulär auf dem Bild, aber über die vielen Kristalle zu laufen ist schon irgendwie ein kurioses Gefühl. Ich hatte die ganze Zeit über das Bedürfnis aufzupassen, wo ich hin trete, da ich diese Miniaturskulpturen nicht kaputt machen wollte. Eigentlich fast schon ein wenig albern.

Leider hatten wir auf dem Eisfeld selbst nicht allzu viel Zeit. Das empfand ich als sehr sehr schade.

Sehr spannend fand ich die Art des Eises. Die gesamte Gegend sieht im Prinzip völlig normal aus, außer das über allem diese Eisschicht liegt. Irgendwie hatte ich etwas anderes erwartet. Massive Eisblöcke oder sowas in der Art. Das tückische an diesem kleinen Bächlein war, dass man den Verlauf nicht immer so klar sehen konnte und man ganz unvermittelt im Wasser stand. Habe mich da einige Male ganz schön erschrocken, als die dünne Eisschicht brach. Dies sorgte auch immer wieder für ein wenig Gelächter seitens der anderen bekannten Touris, bis sie selbst auf einmal bis zum Knöchel im Wasser standen oder interessante Figuren aufs Eis legten, die jedem Kunstturner zu Ehre gereicht hätten. Wir hatten also trotz der Kürze der Zeit doch auch noch reichlich Spaß.

Und so war dann die Aussicht in Richtung Inland. Der Begriff “Eiswüste” kommt also auch nicht von ungefähr. Tatsächlich hatte ich in diesen Gefilden auch immer das Bedürfnis noch einen weiteren Menschen in Sichtweite zu haben, auch wenn ich es auch genoss, auch immer mal wieder zwei Minuten für mich zu haben. Einmal in diesen Eisgebilden die Orientierung verloren… dann hat sich das Thema auch weitestgehend erledigt. Mir haben diese Momente immer wieder vor Augen geführt, in welch lebensfeindlicher Region wir uns dort eigentlich bewegten. Auch jetzt beschleicht mich noch immer das Gefühl von Ehrfurcht und Respekt, wenn ich mir die Bilder der Rese noch mal vor Augen führe.

Dieses Bild zeigt auch noch mal mehr als deutlich, welches Glück wir mit dem Wetter hatten. Eine kaum zu beschreibende, faszinierende Landschaft.

Hier stehe ich nun auf den ersten Ausläufern des Inlandseises und staunte nicht schlecht, dass sich ein kleines Bächlein durch das Eis schlängelte. Da der kleine Wasserstrom immer wieder Eiskristalle mit sich nahm und diese dann an andere stießen, ergab sich ein unmöglich zu beschreibendes Eisglockenspiel, welches mich bestimmt eine Viertelstunde lang in seinen Bann zog. So etwas habe ich vorher noch nie erleben dürfen.

Wir sind nun von unserem kurzen Ausflug auf das Eis zurückgekehrt, tatsächlich auch vollzählig, und machten uns nun auf den Rückweg. Keine drei Minuten nach der Abfahrt gab es aber schon wieder einen Stop, Kaffeepause. Mir erschloss sich der Sinn dieses kurzen Fahrtweges nicht so ganz, Kaffee auf dem Inlandseis wäre irgendwie cooler gewesen, aber vermutlich hatte der Fahrer keine Lust, die beiden Thermoskannen die 500m zu schleppen. Egal, die Aussicht war jedenfalls schon sehr ansprechend.

Unverständlicherweise hielt unser Busfahrer aber gute 450m bergabwärts von diesem grandiosen Aussichtspunkt, so dass gefühlt die Hälfte aller Passagiere schnurstracks an seinen Kaffeekannen vorbei lief und diesen wundervollen Punkt aufsuchte. Dazu dieses sich nun allmählich herbstlich einfärbende Licht zum Sonnenschein und blauen Himmel. Einfach traumhaft!

Hätte ich ein Zelt dabei gehabt, wäre ich wohl direkt in dieses kleine Tal gelaufen und hätte dort noch ein paar Tage die herrliche Stille genossen, wenn man von der Mitreisenden absieht, die mich nur allzu gern begleitet hätte. Wie eingangs zu diesem Tag schon erwähnte, diesen Teil Grönlands muss ich unbedingt noch mal zu Fuß erkunden. Dafür ist der August wohl auch der beste Monat, da sich sämtliches Stechviehzeug bereits weitestgehend zurückgezogen hat. Drei Jahre später, habe ich das in die Tat umgesetzt. Ich wanderte auf dem Arctic Circle Trail.

Hier noch mal ein Blick auf den gigantischen Gletscher, dessen Namen ich vergessen habe. Leider hatten wir unseren Geologen auch nicht mehr dabei, der uns sicherlich noch die ein oder andere spannende und lehrreiche Geschichte zum Umland hätte erzählen können. So bleibt einfach nur die Bewunderung dieser machtvollen Eisgebilde, die gewaltige Erdmassen vor sich her schieben, was ich aber auch als durchaus annehmbar empfinde.

Und hier ist es nun, das letzte Bild. Zusehen ist der Russelgletscher, ebenfalls einer der wirklich großen Gletscher. Hier tranken wir nun unseren Kaffee, da sich der Fahrer immerhin erweichen ließ, die Pause noch etwas auszudehnen, da wir die letzte Tour des Tages waren und wir das Wetter noch ein wenig genießen wollten. Als unser anderthalbjähriges kleines Reisemaskottchen quietschend vor Freude durch die Botanik stapfte, konnte er auch nicht anders entscheiden, als die Pause noch ein wenig zu verlängern.

Im Anschluss kehrten wir wieder zum Flughafen Kangerlussuaq zurück und ich schloss mich der dänisch/deutsch/italienisch/grönländischen Familie an, die sich in die Ortschaft aufmachte um vor dem Flug noch einen Happen zu essen. Letztlich wurde es vor dem Abflug noch etwas hektisch. Zum einen verspätete sich der Abflug und zum anderen erfolgte das Boarding ausgesprochen hastig und innerhalb von einer halben Stunde, da sonst die Piloten nicht mehr hätten abheben dürfen. In Kopenhagen angekommen durfte ich noch mal den guten Samariter spielen und unterstützte noch eine Mitreisende, die sich in den letzten Tagen eine fiese Erkältung zugezogen hatte. Mein sehr negativer Eindruck des Hilton-Hotels am Flughafen bestätigte sich hierbei nochmals, aber immerhin waren die Leute am Infopoint des Flughafens sehr freundlich und hilfreich. Als nun auch diese Aufgabe abgeschlossen war, verbrachte ich noch eine gute Stunde auf dem Bahnhof in Kopenhagen, ohne wirklich zu wissen, was ich mit mir anfangen soll und auch erschlagen, von den vielen Menschen, dem Lärm und der Hektik. Als ich schließlich in meinen Zug einstieg und wir über die Rödby-Fähre fuhren, konnte ich mir ein Schmunzeln ob der kleinen Fahrt über die Ostsee nicht verkneifen. Was bleibt, ist ein großer Sack voller Erinnerungen, Eindrücke, Emotionen, Ehrfurcht, Respekt und Geschichten, die ich meinen Enkelkindern noch erzählen werde sowie die Gewissheit einen Teil der Erde bereist zu haben, der in einem mittlerweile sehr dynamischen Wandel gefangen ist.

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