Tag 1 – Anreise


#1
Zugfahrt nach Kopenhagen

Die Anreise nach Grönland bestritten wir aufgrund der geringen Distanz zwischen Kiel und Kopenhagen, mit der Bahn. Fast wäre es schon an der ersten Station unserer Reise zu ernsten Schwierigkeiten gekommen. Der Zug von Rendsburg nach Flensburg hatte etwa eine halbe Stunde Verspätung. Dies hätte dazu geführt, dass wir nicht mehr rechtzeitig zum Flug nach Kopenhagen gekommen wären. Dank der dänischen Staatsbahn, der Zug in Flensburg wartete tatsächlich auf die Reisenden aus Rendsburg, erreichten wir aber doch noch alle unsere Anschlüsse. Aber für einen kurzen Moment breitete sich kurz Panik aus. Als wir aber schließlich in Flensburg im Zug saßen, konnten wir uns ein Lachen aufgrund der absurden Situation nicht mehr verkneifen. Stell’ dir vor, du willst nach Grönland und deine Reise endet bereits in Rendsburg.

#2

Eine spannende Zugfahrt lag vor uns, bei der wir bereits im Zug nach Fredericia von einem Herren unseren Alters damit begrüßt wurden, dass er einen hörbar ansehnlichen Klumpen Nasenschleimhaut zunächst in seinen Mund und anschließend in seinen Magen beförderte. Selbiger Mensch schnarchte im Anschluss derartig heftig, dass die Fenster des Waggons aus den Fassungen zu brechen drohten. Nach kurzer Zeit sprang er erschrocken auf. Er meinte beobachtet zu haben, wie ein Unbekannter ihn mutmaßlich bestahl. Die restliche Zugfahrt ließ er die übrigen Reisenden dann daran teilhaben, wie er beinahe Opfer eines Verbrechens geworden wäre. An Schlaf war durch seine lautstarken Äußerungen dabei im Prinzip nicht mehr zu denken.
Das mitgeführte Känguruh streifte nach etwa einer halben Stunde des Zuhörens die roten Boxhandschuhe über, legte die Ohren an und konnte nur mit Mühe an einer körperlichen Auseinandersetzung mit dem Ruhestörer gehindert werden. (Zur kurzen Erklärung: Mein Kumpel und ich sind große Fans der Känguruhchroniken. Natürlich nahm das Beuteltier auch dieses Jahr wieder an unserer Reise teil). Erst im Lichte der aufgehenden Sonne am Kopenhagener Flughafen fanden wir schließlich eine Moment der Ruhe und warteten ungeduldig auf das Boarding. Die bisherige Anreise nach Grönland barg schon eine Menge Stoff zum Erzählen. So wuchs die Vorfreude noch um ein gutes weiteres Stück.

#3
Ankunft in Kangerlussuaq

Nach einem ereignislosen und sehr ruhigen Flug erreichten wir schließlich pünktlich Kangerlussuaq auf Grönland. Ein unbeschreiblicher Moment, genau an dem Ort zu stehen, an dem ich vor ziemlich genau drei Jahren das erste Mal mit der Arktis in Berührung kam und mich unheilbar mit dem arktischen Virus infizierte. Der Reiz des Neuen machte einem Reiz des Bekannten und des Wiedersehens Platz. Und ich bekam das Gefühl ein Stück weit zurückgekehrt, ja fast schon nach hause gekommen zu sein.
Natürlich gehörte in Kangerlussuaq ein Bild des Wegweisers am Flughafen dazu. Diesem Schild ist zu entnehmen, dass der Nordpol an diesem Punkt dichter liegt, als jedwede größere Metropole der Welt.
Wir bezogen unser Quartier und machten uns sodann auf den Weg in den eigentlichen Ort um uns mit Gaskartuschen für unseren Kocher zu versorgen. Auch bei diesem Ausflug beschlich mich ein kaum in Worte zukleidendes Gefühl, als ich die Kneipe erblickte, in der ich mit einer jungen Familie vor drei Jahren das letzte Abendessen in Grönland einnahm. Wohlwissend, dass man sich möglicherweise nie wieder begegnen würde. Unsere Suche endete recht erfolgreich, wie wir annahmen. Wir erstanden in einem schwer zu erkennenden, kleinen Supermarkt drei große Gaskartuschen. Aus einem mir unerfindlichen Grund, griffen wir dabei auf zwei unterschiedliche Hersteller zurück, eine Weber-Kartusche und zwei Stück eines französischen Produzenten. Weshalb ich dieses Detail erwähne, wird sich in nicht allzu ferner Zukunft aufklären…

Erste (vermeintliche) Probleme

An dieser Stelle sei aber noch eine Anekdote erwähnt, die als nahezu symptomatisch für unsere Tour angesehen werden kann. Während wir nach dem Kauf der Kartuschen gleich noch die Gelegenheit nutzten uns einen Hotdog in den Magen zu schieben, überkam mich beim Blick auf mein Mobiltelefon kurzzeitig Panik. Trotz mehrfachen Betätigen des On-Knopfes reagierte das Telefon nicht. Auch der Versuch, das Gerät mithilfe des Fingerabdrucksensors zu entriegeln, fruchtete nicht. Ein Ausfall des Telefons gehörte zu dem Teil an Problemen, die die Reise selbst gefährdete. Nicht nur, dass der GPS-Track, dem wir in den kommenden Tagen folgen wollten, auf dem Telefon lag, auch all meine Buchungen und Flüge lagerten in digitaler Form im Speicher. Zwar führte ich sämtliche Unterlagen auch in Papierform mit mir, ein Ausfall des Gerätes wäre trotzdem ein ziemliches Dilemma. Als sich der Himmel kurzzeitig etwas eintrübte, gewann ich den Eindruck, dass sich ganz schwach Umrisse von Inhalten erkennen lassen. Im selben Moment traf mich ein Blitz der Erkenntnis: Um den Stromvorrat des Akkus zu schonen, regulierte ich die Helligkeit des Display soweit herunter wie nur möglich. Aufgrund der sehr hellen Umgebung entstand dadurch der Eindruck, dass Telefon reagiere nicht. Mein Kumpel brach daraufhin in schallendes Gelächter aus, absolut zurecht, wie ich im Nachhinein anerkennen muss.
Den Tag beschlossen wir nach erfolgreichem Umpacken unserer Rucksäcke mit einem ordentlichen Moschusochsenburger in der Cafeteria des Flughafens. Ein gelungener und würdiger Abschluss der Anreise nach Grönland, wie wir fanden.

Tag 2 –>

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