Island 2017 – Tag 11

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Der Morgen des 11. Tages begann bei uns sehr entspannt, da wir am Abend zuvor beschlossen, noch einen Tag am Wasserfall zu bleiben und die Gegend ein wenig zu erkunden. Dementsprechend betrachteten wir während unseres ausgiebigen Frühstücks das geschäftige Treiben um uns herum, bis schließlich auch der letzte Camper abgefahren war und wir plötzlich gänzlich für uns auf dem Platz waren.
Wir liefen zunächst erneut zum Wasserfall und planten eigentlich, von dort aus Richtung Süden zu laufen, in der Hoffnung dort noch andere interessante landschaftliche Gegebenheiten zu entdecken. Leider stellten wir fest, dass es keinerlei Wege Richtung Süden gab, lediglich an der Ringstraße entlang, was sich aber a, sehr mühselig gestaltete und b, unvermittelt an einer Brücke endete, übder die wir nicht drüber kamen. Es gab keinen Seitenstreifen oder ähnliches, so dass man als Fußgänger direkt auf der Fahrbahn hätte laufen müssen. In Anbetracht des Verkehrs entschieden wir uns letztlich dagegen. So trotteten wir unverrichteter Dinge wieder von dannen und legten bei der Imbisshütte am Wasserfall eine kleine Kaffeepause ein, wobei dieser unerwartet lecker war. Wähgrenddessen trafen auch die ersten Tagestouristen ein, bis innerhalb einer halben Stunde ein ausgewachsener Busstau entstand, der bis auf 500-600 Meter an die Kreuzung zur Ringstraße heran reichte… Dementsprechend wurde es auch schlagartig wieder voll, so dass wir uns zum Mittagessen zu unserem Zelt begaben. Dabei fiel mir dann das oben gezeigte Motiv auf, was einen völlig gegensätzlichen Eindruck zu dem vermittelt, was dort eigentlich los war.

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Nach unserem Mittagessen in der prallen Sonne auf dem Campingplatz genossen wir zunächst noch ein wenig die mittägliche Ruhe, die nur kurzzeitig von zwei jungen Damen unterbrochen wurde. Diese fragten uns, während wir vor unserem Zelt saßen und ein wenig unsere Rucksäcke sortierten, ob dies denn der Campingplatz sei. Nach dem wir uns zunächst fragend anblickten, antworteten wir wahrheitsgemäß, das sie dies völlig richtig beobachtet hätten.
Im Anschluss brach ich allein in die entgegengesetzte Richtung unseres Ausfluges vom Vormittag auf, da ich auf der Busfahrt eine interessante alte Brücke über das Flussbett der Krossa entdeckt hatte, die ich gern noch etwas genauer in Augenschein nehmen wollte. Dabei lief ich gute 10km durch die isländische Natur und freute mich einfach darüber, wie schön die Landschaft bei Sonnenschein einfach wirkt.

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Leider wirkte die Brücke aus dem Bus heraus fotogener, als sie es dann tatsächlich war. Ich vermute mal, dass die Brücke aufgrund des schlechten Zustandes gesperrt wurde und vielleicht auch, weil sie nicht mehr gänzlich über das sich enorm verbreiternde Flussbett erstreckte. Einen anderen kleinen Grund zur Freude gab es aber auch noch: Mit dem Erreichen der Brücke hatte ich die 100km zu Fuß endlich geknackt.:) Diesen Moment feierte ich still mit einem extra Schokoriegel.

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Als ich dann zum späteren Nachmittag wieder zurückkehrte, traf ich auf meinen Kumpel und Mitreisenden, der wohl still die ganze Zeit über das geschäftige Treiben an den Wasserfällen beobachtete und sich dem genüsslichen NIchtstun hingab. Wir beschlossen einen erneuten Anlauf für abendliche Wasserfallsonnenuntergangsbilder zu unternehmen und zogen das Abendbrot ein wenig vor. Gleichzeitig sollte dieser Abend auch der letzte in der isländischen Natur für uns sein, da am nächsten Tag die Rückfahrt nach Reykjavik anstand.
Und dieser letzte Abend hatte es auch noch mal so richtig in sich. Zwar war der Abendhimmel im Vergleich zum Vortag nicht mehr ganz so spektakulär, dennoch war die Stimmung einfach unbeschreiblich. Hin zu kam, dass sich an jenem Abend auch keine Fototouren zum Wasserfall begaben, wir also weitestgehend ungestört das Naturschauspiel am Himmel durch eine Wand aus Wasser und Gischt betrachten durften. Dabei entstand auch obige Aufnahme, die mittlerweile zu einer meiner Lieblingsaufnahmen zählt. Da das Rauschen des Wasserfalls auch eine enorme Menge an Nebengeräuschen schluckte, stellte sich erneut sehr schnell das Gefühl ein, weitestgehend allein dieser Szenerie beiwohnen zu dürfen. Dies verlieh der Situation eine Erhabenheit, die mir auch jetzt noch gelegentlich eine Gänsehaut beschert.

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Noch eine weitere Aufnahme des Sonnenuntergangs durch den Wasserfall hindurch. Damit beendeten wir dann auch so ziemlich unseren Aufenthalt am Wasserfall und begaben uns zurück in den kleinen Aufenhtaltsraum unseres Campingplatzes, in dem “LEANDER!!!” weiterhin mit der Katze tobte, während der Rest seiner Familie wiederum um das Tablet versammelt saß und sich die Serie ansah. Kurz bevor der kleine Kiosk mit der bereits beschriebenen Campingplatzwirtin gegen 21 Uhr schloss, wurde es noch mal voll vor dem Thresen, zumal auch noch einige Nachzügler mit ihrem Camper eintrafen. So auch ein deutsches Paar, welches pdflichtgemäß seinen Obolus zum Übernachten entrichten wollte., Als Nachweis, dass man bezahlte, erhielt man einen kleinen orangenen Zettel, auf dem mit Edding das Datum der Übernachtung aufgeschrieben wurde (für eine Übernachtung vom 6. September auf den 7. September, sah dass dann so aus: 6-7). Die Dame bekam nun ihren organenen Zettel in die Hand gedrückt und wunderte sich doch sehr über die beiden Zahlen “6-7”. Sie erfragte bei der, bisher recht mürrisch und nicht allzu humorvoll wirkenden Wirtin, die Bedeutung der Zahlen. Diese teilte ihr mit, völlig trocken und ohne auch nur im Geringsten die Miene zu verziehen, dass dies die Uhrzeit sei, wann sie abreisen müsste. Kurze Pause, dann brach der Saal in Gelächter aus. So viel Witz hatten wir ihr gar nicht zugetraut.
Während wir im Anschluss an unser Betthupferlbier den Weg in unser Zelt suchten, trafen wir dabei sogar noch auf ein uns bekanntes Pärchen, eine Kanadierin mit ihrem Freund, welche wir in Alftavatn beim Frühstück kennenlernten. So unterhielten wir uns noch kurz ein wenig, beide hatten eigentlich den Plan bis nach Skogar zu laufen, was aber aufgrund des Wetters nicht mehr klappte, wünschten uns jeweils eine gute Weiterreise und verschwanden für eine letzte Nacht im Zelt.

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