Island 2017 – Tag 2

#2

Den Vormittag verbrachten wir damit zunächst ein Schließfach für unsere “Zivilkleidung” zu suchen und Gas für den Kocher zu besorgen. Da wir im Anschluss gut in der Zeit lagen, unternahmen wir noch einen kleinen Rundgang durch Reykjavik. Mit guten 25kg auf dem Rücken übrigens eine hervorragende Idee… . Das Wetter zeigte sich noch nicht von der besten Seite, so beherrschte den Himmel eine Variation aus den unterschiedlichsten Grautönen. Davon ließen wir uns allerdings nicht die Laune verderben, spätestens als dann unser Bus vorfuhr, der uns nach Landmannalaugar bringen würde, war das Wetter vergessen. Diese geländegängigen Hochlandbusse sehen ja schon direkt nach Abenteuer aus.:)

#3

Die Fahrt selbst war bereits sehr spektakulär, auch wenn ich kaum Bilder von selbiger habe. Der Ausblick auf die sich stetig verändernde Landschaft war einfach großartig. Hinzu kam, dass unser Busfahrer wohl auch schon einiges an Erfahrung mit solchen Touren vorweisen konnte. Kaum, dass er die asphaltierte Fahrbahn verließ und auf die Hochlandpiste einbog, schien er sich so richtig in seinem Element zu fühlen und schoss mit ungeahnter Geschwindigkeit über den Schotter. Entgegenkommende Fahrzeuge passierte er mit einer Genauigkeit, die mir noch immer den Atem stocken lässt. Unsicher fühlten wir uns jedoch in keinem Moment. Für meinen Geschmack hätte er allerdings ruhig häufiger mal Pausen machen können, damit die geneigte Tourischar ein paar Bilder machen kann. Aber das sah wohl der Zeitplan nicht vor.:) So blieb mir nur, dass Handy zu zücken und durch die Scheibe Bilder zu machen. Wie man sieht, brachten die Wolken ordentlich Niederschlag mit sich. Dies sorgte zwar für ein wenig Unmut meinerseits (wer baut schon gerne ein Zelt im Regen auf), wurde durch die wunderschöne Landschaft aber mehr als wett gemacht.

#4

So begrüßte uns dann Landmannalaugar. Grau, dunstig, wolkenverhangen. Aber immerhin hatte es wenigstens aufgehört zu regnen. So suchten wir zunächst einen guten Zeltplatz, wobei wir recht schnell erkennen mussten, dass die Auswahl nicht so fürchterlich groß war. Ein Teil der Fläche stand durch die Regenfälle noch unter Wasser, ein anderer Teil war über und über mit Steinen übersät, so dass man das Zelt sicher hätte aufbauen können, aber schlafen wäre nur schlecht möglich geworden. Letztlich fanden wir eine halbwegs vernünftige Fläche, brachen aber ob der Beschaffenheit des Bodens nicht weniger als fünf (!) Heringe ab, sechs weitere waren ziemlich verbogen. Wobei man dazu sagen muss, dass das keine Heringe aus dem Baumarkt waren. :grumble: Schlussendlich stand das Zelt dann aber auch irgendwie und wir erkundeten ein wenig die nähere Umgebung, als dann auch jenes Bild entstand.

#5

Dies ist die Hüttenanlage in Landmannalaugar. Die dominante Hütte in der Mitte kann für Übernachtungen gemietet werden, was in den meisten Fällen wohl eher geführte Reisegruppen taten. Davon trafen wir auch so spät in der Saison noch einige, auf die ich aber später noch zurück kommen werde. Ganz rechts im Bild sind drei alte Schulbusse zu erkennen, diese werden jedes Jahr aufs neue zur Saison nach Landmannalaugar gebracht. In dem einen findet man ein Café/Restaurant, in dem zweiten einen Supermarkt, mit einem erstaunlich vielfältigen Angebot und der dritte dient, wenn ich mich recht entsinne, als Materiallager. In der Hütte an der linken Seite schließen sich die sanitäre Anlagen an, man kann es nur erahnen, vor der Hütte gab es überdachte, aber sehr zugige, Verschläge, für die geneigte Camperschar, in der man sein Essen zusammenrühren konnte und zwangsläufig, aufgrund der sehr beengten Platzverhältnisse, mit anderen ins Gespräch kam. In unserem Falle war es ein litauisches Paar, das, im Gegensatz zu uns, über reichlich Erfahrung im Wandern verfügte, unter anderem waren sie wohl auch schon in Russland zu Fuß unterwegs und wurden dann eines Morgens von russischen Soldaten geweckt, da sie ihr Zelt im militärischen Sperrgebiet aufschlugen. Auf meinen Einwand, dass sie da aber ziemliches Glück hatten, reagierten beide mit heftigem Kopf nicken.:) Im weiteren Verlauf kamen wir dann auch auf diverse Nationalgerichte zu sprechen und stimmten recht schnell über ein, dass die traditionelle isländische Küche schon einiges an Absurditäten zu bieten hat. Aber das ist wohl in jeder traditionellen Küche so, gebratenes Gänseblut sorgte ebenfalls für Grimassen…:)

Nach diesem kleinen Exkurs beschlossen mein Kumpel und ich, dass wir den kommenden Tag gänzlich in Landmannalaugar verbringen würden, da die Wettervorhersage bessere Aussichten versprach und wir natürlich auch noch ein wenig die bizarre Bergwelt genießen wollten.

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