Island 2017 – Tag 3

#6

Der Morgen zeigte sich dann direkt schon fast von einer freundlichen Seite. Immerhin war nun zwischen den Wolkenfeldern ein wenig die Sonne zu erahnen. Dieses Bild entstand recht früh am Morgen, als von den Tagestouristen noch niemand zu sehen war, die Laugavegurwanderer bereits aufbrachen und die übrigen Übernachtungsgäste noch seelig in ihren Zelten oder Autos schlummerten. Mit Ausnahme der einen Person auf dem Damm stellte sich, bei mir zumindest, auch endlich das Gefühl ein, weitestgehend allein in dieser großartigen Natur zu sein, wenngleich dieses Gefühl nur einen kurzen Augenblick anhielt.

#7

Während wir noch ein wenig in dem weitestgehend trockenen Flussbett über die ganzen Steine stolperten und diese unbeschreibliche Kulisse auf uns wirken ließen, kam die erste Frühaufsteher-Busreisegesellschaft an. So wurde es nach und nach immer voller und wir beschlossen uns einen Plan für eine Tageswanderung zu machen, die auch ein Stück aus der Rhyolithlandschaft heraus führt, denn schließlich würden wir am darauffolgenden Tag noch eine ganze Weile durch diese Berge wandern.

#8

Hier unser Zelt in einem kurzen Moment des Sonnenlichts. Wie man sieht ist der Untergrund eine echte Herausforderung für Mensch und Material. Die im Reiseführer versprochenen Kisten voller Steine waren nicht existent, so dass man sich diese selbst zusammen suchen musste. Kleine Nebenbemerkung am Rande, wenn man sich die wackeren Zeltbauer so anschaute, wie sie mit Steinen einen Hammer simulierend ihre (Zelt-)Baumaterialien bearbeiteten, kam man sich auch irgendwie in eine andere Zeit versetzt vor. Nur das hier keiner sein Revier markierte und nicht mehr durch mit den Fäusten auf der Brust trommeln kommunizierte.:D Übrigens ist es auch sehr spannend, auf diesem Untergrund das Zelt nachzujustieren… Das kostete zwei weiteren Heringen das Leben…

#9

Nach dem wir das Zelt gerichtet und unser, sehr ausgedehntes, Frühstück eingenommen hatten, trudelten mehr und mehr Tagestouristen ein, die sich mit ihrer raumgreifenden Präsenz zumindest bei uns nicht unbedingt sonderlich beliebt machten. Beim Studium der Karte kamen wir überein, den Tags zuvor aus dem Bus erblickten Frostastaðavatn einen Besuch abzustatten, zu dem es auch einen ausgewiesen Wanderweg gab. Dieser führte erst weitestgehend gemächlich an der Piste entlang, bis er schließlich recht sportlich abzweigt und rasch an Höhe gewinnt. So erhielten wir einen kleinen Vorgeschmack auf das, was uns am nächsten Tag erwarten würde. Während der Kletterei blieb auch immer mal wieder Zeit für das ein oder andere Bild. Unterwegs trafen wir noch auf zwei drei weitere Wanderer und schließlich eine Gruppe von Mountainbikeradlern, die sich den Hang hinauf kämpfte, was uns doch einigen Resepkt abnötigte…

#10

Dieses Bild gehört zu meinen, derzeitigen, Favoriten der Tour. Während wir nun schon das Ziel unserer Wanderung vor Augen hatten, trafen wir auch wieder eine recht stattliche Anzahl an Touristen, die mit ihren Geländefahrzeugen über die Piste pflügten und für gelegentliche Fotostopps aus den Autos hechteten. Gekrönt wurde das ganze durch die wilden Hochlandbusfahrer, die wild hupend so manch spektakuläres Überholmanöver auf den Pisten starteten. Während wir also von der anderen Seite der Berge auf den See zu hielten, trafen wir an einem, scheinbaren, Aussichtspunkt auf eine Gruppe Touristen, die uns ein wenig verwundert musterten, da sie sich nicht so recht erklären konnten, woher wir zwei da plötzlich gelaufen kamen. Das Foto selbst kostete mich auch etwa 10-15 Minuten Wartezeit, bis nur noch ein einziges Fahrzeug auf der Piste zu erkennen war. Kurz darauf quälte sich bereits eine weitere kleine Fahrzeugkolonne den Hang hinauf.

#11

Wir beschlossen recht schnell, dem Aussichtspunkt den Rücken zu kehren und zu versuchen, dichter an das Ufer des Sees heran zu kommen, was uns, wie man unschwer erkennen kann, schließlich auch gelang. Während wir an dem schwarzen Lavastrand entlang schlenderten, geriet die Piste auch immer stärker in einen gewissen natürlichen Schallschutz, so dass wir von dem fast schon geschäftigen Treiben (ist vielleicht etwas übertrieben, denn so schlimm war es nun auch nicht mehr) auf der Straße nicht mehr viel mitbekamen. Wir ließen uns dann für einen längeren Moment nieder und genossen die Ruhe, den Ausblick auf das ruhige Wasser und die uns umgebende, wahrlich spektakuläre Landschaft.

#12

Während wir also einen kurzen Stop einlegten und unsere erste Ration an Schokoriegeln verdrückten, tauchten auch immer wieder Schwäne auf. Die Tiere ließen sich von uns dabei aber auch nicht mal ansatzweise aus der Ruhe bringen und dümpelten gemächlich vor sich hin. Ich würde sogar fast soweit gehen, dass von ihrer Entspanntheit auch ein wenig auf uns abfärbte. Im Anschluss an unsere kleine Ruhepause machten wir uns dann langsam auf den Rückweg, da der Magen, neben Zucker, auch nach etwas Herzhaftem rief.
Generell war ich beeindruckt, wie schnell man seine Bedürfnisse ohne große Eingewöhnung auf das Grundlegende einschränkt und sämtlicher Alltagsstreß Stück für Stück in der Ferne verschwindet. Es mag vielleicht esoterisch klingen, aber gerade auch die kleine Wanderung zum See und die damit verbundene Ruhepause sorgte zumindest bei mir dafür, dass ich mich nur noch auf den gegenwärtigen Moment konzentrierte und alles andere plötzlich unwichtig erschien. Ein großartiges Gefühl.

#13

Auf dem Rückweg nach Landmannalaugar wanderten wir durch einige interessante erstarrte Lavafelder recht jungen Alters, die uns mit ihren zahlreichen Höhlen, Verstecken und Winkeln derart faszinierten, dass wir uns lebhaft vorstellen konnten, woher die Idee der zahlreichen Trolle und Elfen auf Island kommt. Auf dem Weg selbst trafen wir ein wenig später dann auch noch einen Radwanderer, der wohl auf dem Weg aus dem Hochland hinaus war. Irgendwie schwankte ich bei diesem Gesellen zwischen Bewunderung und Fassungslosigkeit. Die Pisten waren ja schon mit dem Bus eine ziemliche Herausforderung, aber mit dem Fahrrad… .
Wie man auf der Aufnahme sieht, hatte sich das Wetter noch nicht wirklich gebessert, dennoch hatten wir wenigstens insofern Glück, dass wir nicht mit grauem Wolkenbrei konfrontiert wurden, sondern wenigstens noch reichlich Struktur im Himmel zu erkennen war. Und irgendwie passt die melancholische Stimmung ja auch ganz gut zur Landschaft.

#14

Nach dem wir Nachmittags etwa gegen zwei in Landmannalaugar wieder eintrafen, waren wir zunächst von den Massen an Tagestouristen geplättet, die den Campingplatz und die nähere Umgebung heimsuchten. Nur mit Mühe fanden wir in einem der bereits angesprochenen Verschläge noch ein Plätzchen um uns unser Mittagessen zu kochen. Da es uns mit der Hektik zuviel wurde, beschlossen wir in einem Anfall an Selbstüberschätzung und jugendlichem Leichtsinn, die im Reiseführer vorgeschlagene Wanderung auf den Bláhnúkur zu unternehmen. Während wir also bereits eine Wanderung von 10km hinter uns hatten, am nächsten Tag die erste (und, laut Reiseführer, heftigste) Etappe des Laugavegur laufen wollten, waren wir nun der Meinung, mal eben auf den 943m hohen Berg hoch zu sprinten. Bereits nach den ersten Anstiegen erkannten wir recht schnell, dass wir uns überschätzt hatten, der Reiseführer die Wanderung ziemlich verniedlichte und wir es wohl mit Sicherheit nicht auf den Gipfel schaffen würden.

#15

Kleiner Zwischenstop bei unserem Aufstieg mit Blick in Richtung der Schlucht Grænagil. Sehr spannend war, dass wir bei dem Aufstieg in Richtung Bláhnúkur so langsam ein Gefühl dafür bekamen, was uns am nächsten Tag eigentlich erwarten würde. Da wir bei uns hier oben im Norden nicht grade mit Bergen gesegnet sind, hatten wir halt auch kaum eine Idee, mit welchen Strapazen Anstiege von 200-300 Höhenmetern verbunden sein können. Hinzu kommt, dass wir bei unserer Wanderung zum Bláhnúkur nur mit leichtem Gepäck unterwegs waren, sprich kleine Fototasche und Wanderstöcke. Mehr nicht. 🙂 Auf dem Weg nach oben war das eine ziemlich ernüchternde Erkenntnis.
Man beachte übrigens bitte in jener Aufnahme den Himmel. Es deutet sich an, dass die Wolkendecke aufreißt…

#16

Der Pfad auf den Gipfel des Bláhnúkur macht an diesem Punkt eine kleine Pause hinsichtlich des Anstieges, führt leicht bergab und in einer geschwungenen Rechtskurve dann auf einer Art Grat sehr steil bis ganz nach oben. Während wir an diesem kurzen Scheitelpunkt ein wenig verschnauften, reifte der Entschluss, es dabei auch bewenden zu lassen und den direkten Rückweg anzutreten. Der Gipfel grinste uns zwar noch eine Weile hämisch an, und mit einem Funken Ehrgeiz wäre sicherlich auch die finale Etappe drin gewesen, aber wir waren ja schließlich im Urlaub und nicht auf der Flucht. Ob der Ausblick vom Gipfel dann auch noch einen so großen Mehrwert bringen würde, so dass sich der Aufwand lohnt, beantworteten wir ganz klar mit “Nein!”. Denn die Aussicht von unserem Punkt war ja auch nicht zu verachten.
Im weiteren Verlauf der Reise entschlossen wir uns, den Namen des Berges nicht mehr auszusprechen…

#17

Der Blick in (grob) südliche Richtung, mit dem Wissen, dass wir am folgenden Tag durch diese Berge krabbeln würden, ohne den Luxus sich aufgrund fehlenden Ehrgeizes auf der Hälfte des Weges für eine Rückkehr entscheiden zu können.

#18

Kein Islandurlaub ohne ein Bild von irgendwelchen Schafen.:) Diese lustigen Gesellen fanden inmitten des weitestgehend ausgetrockneten Flussbettes einen kleinen grünen Flecken, der reichhaltiges Futter versprach. Vermutlich haben die Tiere sich ihren Teil gedacht, als etwa zwei Dutzend Fotografen die unmöglichsten Verrenkungen unternahmen, um sie abzulichten. In der Tat musste ich auch einen Moment warten, ehe mir mal niemand durchs Bild stolperte oder mir eine Selfiestange direkt vor die Linse hielt… . Die Aufnahme entstand, wie man unschwer erkennen kann, nach unserem Abstieg vom ungenannten Berg und nach dem wir der Schlucht Grænagil einen kleinen Besuch abstatteten, wobei sich diese als nicht sonderlich fotogen entpuppte, zum einen wegen des grauen Himmels und zum anderen wegen der vielen Touristen, die auf dem Rückweg vom Gipfel des ungenannten Berges durch die Schlucht zum Campingplatz liefen.

#19

Wie bereits ja immer wieder erwähnt, hatten wir das Wetter tagsüber nicht so ganz auf unserer Seite. Als ich dann nach unserem entspannten Abendbrot, die meisten der Tagestouristen waren bis dahin schon wieder auf dem Rückweg, noch ein wenig auf dem Damm umher wanderte, riss die Wolckendecke immer weiter auf und die Sonne schickten traumhaft goldene Strahlen auf die nicht minder wunderbar gefärbten Rhyolithberge. So entstand ein Farbenspiel, das wohl auch nicht zu häufig vorkommt.

#20

Während ich also ganz entspannt und in Ruhe meine ersten Aufnahmen machte, wurde auf dem Park- und Campingplatz hektische Betriebsamkeit laut. Das typische Geklapper von Campinggeschirr war zu vernehmen, gefolgt von häufigem Autotürengeklapper oder dem hastigen Öffnen und Verschließen diverser Reißverschlüsse. Im Anschluss wurde dann das Getrappel von Schuhen auf Schotter immer lauter, bis schließlich auf dem Damm eine recht ansehnliche Zahl an Stativen aufgebaut und eingestellt wurde. In der Zwischenzeit hatte ich allerdings schon das ein oder andere Bild im Kasten. Manchmal lohnt es sich eben doch, nach dem Essen noch eine Zigarette rauchen zu wollen und dabei aus weiser Voraussicht die Kamera dabei zu haben.

#21

Das Licht wurde immer wäremer und weicher, so dass die Berge in einem fast schon unnatürlichem Gold begannen zu strahlen. Sehr spannend war auch zu bemerken, dass urplötzlich nur noch Geschäftigkeit der Fotografen zu vernehmen war, aber kaum noch ein gesprochenes Wort. Die Erhabenheit des Naturschauspiels hatte wohl auch die größte Plaudertasche in ihren Bann gezogen und die Sprache verschlagen.

#22

Zu den folgenden Bildern möchte ich nicht großartig Worte verlieren.

#23

#24

Zum Abschluss des Abends noch ein kleines Selfie…
Damit endete dann schließlich auch unser Tag in Landmannalaugar. Am nächsten Tag würden wir dann die erste Etappe unseres Wanderweges unter die Sohlen nehmen und hofften einfach, dass das Wetter halbwegs mitspielen würde. Da die Sonne recht abrupt hinter den Bergen unterging, wurde es auch zum ersten Mal recht frisch. Und während wir selig schlummerten, schlich sich Väterchen Frost nach Landmannalaugar. Unsere Blicke als wir erkannten, was denn nun eigentlich den Schattenwurf auf dem Vorzelt verantwortet, müssen ziemlich witzig gewesen sein, es war nämlich eine recht ausgeprägte Reifschicht und die Pfütze vor dem Vorzelt trug eine zarte Eisschicht.

<– Tag 2     Tag 4 –>