Der Arctic Circle Trail – 170km Wandern in Grönland

Blick auf dem Arctic Circle Trail vom grünen, felsigen Ufer auf den blauen See Amitsorsuaq
Der Amitsorsuaq

Ein Bild des Amitsorsuaq, welches ich 2018 auf unserer Wanderung auf dem Arctic Circle Trail in Grönland aufnahm. Der Wanderweg führt über ca. 175km von Kangerlussuaq nach Sisimiut. 175km Wandern in Grönlands Wildnis. Wie ich auf die Idee kam in Grönland zu wandern, erfahrt ihr hier.

Inhalt/Content

Wie es begann

Segelschiff zwischen großen Eisbergen
Die Rembrandt van Rijn im Uummannaqfjord

2015 ging ein großer Traum für mich in Erfüllung. Nach zwei Jahren eisernen Sparens betrat ich am 07. August erstmal grönländischen Boden. Eine Segeltour mit dem Drei-Mast-Schoner Rembrandt van Rijn führte mich in 18 Tagen von Aasiaat bis nach Siorapaluk, die nördlichste Siedlung Grönlands. Auf dieser Reise stieß mich einer der Guides zum ersten Mal auf den Arctic Circle Trail. Wandern nur mit Rücksack und Zelt in Grönland – das klang für mich seinerzeit nach absolutem Abenteuer. Zumal ich bisher mit Langstreckenwanderungen nichts am Hut hatte.

Anderthalb Jahre später unterhielt ich mich erstmalig mit meinem Reisekumpel. Sehr zufällig kamen wir über das Wandern ins Gespräch. Da hatte ich schon den Plan im Kopf, vor der absoluten Herausforderung Arctic Circle Trail, es eine Nummer kleiner auszuprobieren. Das Ziel sollte Island sein. Ich fand nur niemanden, der mit wollte. Bis zu diesem Moment. Bei einem Bier besiegelten wir unser Vorhaben.
So sammelten wir die ersten Erfahrungen 2017 im (arktischen) Wandern, auf Island. Der Laugavegur war für uns als absolute Anfänger eine richtig gute Wahl. Wir hatten Blut geleckt. Und im Jahr darauf sollte das Wanderabenteuer gesteigert werden.

Vorbereitungen

Lesestoff analog und digital

Wie schon erwähnt, war ich vor der Wanderung auf dem Arctic Circle Trail bereits zweimal in Grönland. Das Gebiet zwischen Kangerlussuaq und Sisimiut kannte ich bis dahin aber noch nicht. Zur Vorbereitung suchten wir uns zunächst Lektüre in gedruckter Form. Die Auswahl dabei ist nicht sonderlich groß. Es gibt ein deutsches Buch und eins auf Englisch. Bei der deutschen Beschreibung gefiel uns die Etappeneinteilung. Die Tageskilometer sind gut eingeteilt, lediglich zwei Teilstücke sind mit über 20km recht lang. Für die weitere Vorbereitung können wir von jenem Buch allerdings nur abraten. Genauso wie für die Verwendung auf der Tour selbst. Die Beschreibungen sind ungenau, insbesondere in der zweiten Hälfte des Trails.

Der englische Bericht von Paddy Dillon gilt zurecht als DAS Nachschlagewerk für den Arctic Circle Trail. Hätten wir uns an die Beschreibungen aus diesem Buch gehalten, wäre uns einiges an Mühsal erspart geblieben. Jedem, der sich mit dem Gedanken trägt den Trail zu laufen, sei dieses Buch vorbehaltlos empfohlen!

Zusätzlich zu den gedruckten Werken, suchte ich im Netz nach Reisebeschreibungen. Fündig wurde ich in zwei Fotoforen. Die Threads sind allerdings nicht ohne Benutzerkonto zugänglich. Mittlerweile hat einer der beiden Autoren seine Beschreibung auf seine Website off-the-path.com gestellt. Ein Genuss, wie ich finde. Nicht nur in Bezug auf die Wanderung in Grönland.
Einen weiteren, ebenfalls sehr spannenden und lesenswerten Text fand ich erst später. Ich will ihn dennoch hier nennen, nachwievor.ch.
Und zu guterletzt brachte uns die Facebookgruppe des Arctic Circle Trail eine Vielzahl an tollen Informationen, Bildern und Tipps.

Planung der Anreise

Der Arctic Circle hat den unbestreitbaren Vorteil, dass er quasi direkt am Flughafen Kangerlussuaq auf Grönland beginnt. Kangerlussuaq ist der größte Flughafen Grönlands und wird direkt von Kopenhagen aus angeflogen. Da lediglich AirGreenland Flüge dorthin anbietet, gestaltete sich die Buchung ziemlich einfach. Um in Ruhe den Trail zu starten, buchten wir uns für die erste Nacht auf Grönland eine Unterkunft. Dies hatte auch den Vorteil, dass wir unsere Rucksäcke in aller Ruhe und mit reichlich Platz von Flug- auf Wandermodus umbasteln konnten. Außerdem mussten wir uns Gaskartuschen besorgen, so dass uns ein wenig Zeit vor Ort gelegen kam.
Rückblickend muss ich sagen, dass unsere Gedanken sich bewehrten. Lediglich ein Mißgeschick beim Kauf der Kartuschen trübte den reibungslosen Ablauf.

Packen

Anders als auf dem Laugavegur führt der Arctic Circle Trail durch nahezu unberührte Natur. Menschen würden wir nur selten treffen, das war uns bewusst. Und da es keine Ortschaften oder Siedlungen auf dem Weg gibt, musste alles notwendige im Rucksack getragen werden. Die Vorräte unterwegs aufzufüllen, ist nicht möglich. Wir planten für die Wanderung 12 Tage. Entsprechend voll gestopft waren unsere Rucksäcke mit Nahrung. Falls du Interesse hast, kannst du gern meine Packliste einsehen. Leider habe ich es versäumt ein Bild von dem ganzen Krempel zu machen. Im ersten Moment stand ich ziemlich ungläubig vor dem Berg, der in den Rucksack passen sollte. Aber mit reichlich Knautschen, Stopfen und Schimpfen, fand alles seinen Platz. Da wir mit dem Flugzeug anreisten, mussten wir die Rucksäcke zunächst so packen, dass außen nichts befestigt war. Alles ein wenig umständlich.

Der Traum wird real

Wegweiser, der die Entfernung zu großen Metropolen und zum Nordpol angibt, gleichzeitig Startpunkt Arctic Circle Trail
Der Wegweiser am Flughafen, im Hintergrund der Airbus der AirGreenland

Am 01.08. 2018 war es dann so weit: Mit dem Zug ging es auf die große Fahrt. Nach spannender Anreise stand ich schließlich zum zweiten Mal in Kangerlussuaq und zum dritten Mal auf grönländischem Boden. Mich überkam fast ein Heimatgefühl, so gut fühlte es sich an. Nach einer letzten Übernachtung in der Zivilisation setzten wir die ersten Schritte auf dem Arctic Circle Trail. Und direkt am ersten Tag kamen wir mit schwereren Rucksäcken auf 22km Wanderleistung. Mehr als auf jeder Etappe im Jahr zuvor auf Island. Ein wundervolles Gefühl. Selbst ein Malheur mit falschen Gaskartuschen und drohender Gasknappheit verhagelte uns nicht das Erlebnis. 9 Tage dauerte unsere Wanderung. Geplant hatten wir ursprünglich 12 Tage. Leider hatten wir uns beim Kauf der Gaskartuschen vertan. Von drei Behältern passte lediglich einer auf den Kocher. So mussten wir unsere Tour um drei Tage verkürzen.

Blick über zwei blaue Seen unter blauem Himmel mit losen Wolken auf dem Arctic Circle Trail
Der Hundesø direkt zu Beginn des Arctic Circle Trails

Dabei durchquerten wir eine Landschaft, die manch einer vielleicht langweilig findet. Zusammen mit der langsamen Art des Reisens aber ein wundervoll harmonisches Geflecht bildet. Es dauerte keine 24 Stunden und ich hatte sämtlichen Bezug zu meinem bisherigen Alltag verloren. Der fehlende Handyempfang tat sein Übriges. Schritt für Schritt verloren wir jegliches Zeitgefühl. Uhrzeiten spielten kaum noch eine Rolle. Wenn wir Plätze fanden, die uns gefielen, blieben wir einfach etwas länger.

Traumhafte Kulissen

Am gezeigten See Amitsorsuaq liefen wir fast zwei Tage entlang. Der Weg verläuft in diesem Teil sehr eben, immer am Flussufer entlang. Die Navigation stellt dabei auch keine große Herausforderung dar. Die Wasserversorgung bereitet auf dem Trail keinerlei Probleme. Quasi an fast jeder Ecke gibt es feinstes Wasser. Einfach so aus dem See oder einem kleinen Bach. Die Blicke über den See gehören für mich zu einem der Highlights des Weges.

Zelt am Seeufer hinter einem Rentiergeweih unter blauem Himmel am Amitsorsuaq auf dem Arctic Circle Trail
Einer unserer Zeltplätze am Amitsorsuaq

Die traumhafte Kulisse sorgte in den 90er Jahren für den Versuch, den Amitsorsuaq touristisch zu nutzen. Und so steht am westlichen Ende des Sees noch heute eine große und geräumige Hütte, das sogenannte Kanu-Center. Die Hütte wird aber nicht mehr bewirtschaftet. Sie kann von Wanderern als Unterschlupf genutzt werden. Wie der Name schon sagt, gab es dort vor einiger Zeit einen Kanuverleih. Der Betrieb rentierte sich allerdings nicht. Touristen mussten entweder per Hubschrauber eingeflogen werden. Oder sie mussten sich auf dem Arctic Circle Trail zu Fuß auf den Weg machen. Beides verschreckte potentielle Kundschaft. Die Kanus gibt es aber noch heute zu finden. Sie sind zwar schon mehrfach geflickt und wirken nicht sehr vertrauenswürdig. Eine kurze Paddeltour gönnten wir uns dennoch. Allerdings ohne Rucksack. Das Risiko war uns zu hoch, wären wir gekentert.

Blick auf den Tasersuaq mit Spiegelung der umliegenden Felswände und einem kleinen Sandstrand
Rückblick auf den Tasersuaq

Läuft man von Kangerlussuaq nach Sisimut, wird die Landschaft von Tag zu Tag schroffer. Gleichzeitig erwarteten uns auf den einzelnen Etappen größere Höhenunterschiede. Der Rückblick auf den Tasersuaq belohnte unsere Mühen beim Aufstieg von 400hm auf 1,5km. Im Anschluss führte uns der Arctic Circle Trail durch eine karge aber wunderschöne Fjälllandschaft.

Knackpunkt Brücke

Blick über die grüne Seen durchzogene Fjälllandschaft auf dem Arctic Circle Trail
Einer der unbenannten kleineren Seen im Hochfjäll

Kurzzeitig steigt der Weg in das Flusstal des Ole´s Lakseelv. Die Flussüberquerung ist eine Herausforderung auf dem Trail, besonders in den frühen Sommerwochen. Durch die Schneeschmelze kann der Fluss sogar unpassierbar sein. Für uns kam hier einer der Knackpunkte des gesamten Arctic Circle Trail. Gleichzeitig auch der Hauptgrund, weshalb ich das deutsche Buch zum Arctic Circle Trail NICHT empfehle! Dieses beschreibt eine Brücke ein gutes Stück den Fluss hinunter. So kämen Wanderer trockenen Fußes über den Fluss. Im Buch wird ein Pfad beschrieben, der am Flussufer zur Brücke führt. Dass die Brücke zwischen drei und vier Kilometer von der Furt entfernt liegt, verschweigt das Buch. Genauso, wie das Verschwinden des Pfads nach etwa 300m. Danach kämpften wir uns durch Kriechweiden, Morast und tiefe Feuchtwiesen. Und das alles ohne einen vorgegebenen Weg. Erst nach drei Stunden fanden wir die Brücke.

Die Brücke über den Ole´s Lakseelv; MEIDEN!

Doch damit nicht genug. Direkt nach der Brücke folgte ein kurzer aber heftiger Anstieg. Fast senkrecht kletterten wir eine Felswand hinauf. Erst dann waren wir wieder zurück auf dem Trail. 11km von unserem Startpunkt lag bereits die nächste Hütte. Dort wollten wir eigentlich nur unsere Mittagspause verbringen. Als wir völlig fertig dort ankamen, setzte auch noch Regen ein. Recht schnell beschlossen wir, einfach dort zu bleiben.

Rückkehr in die Zivilisation

Als wir nach neun Tagen in Sisimiut eintrafen, erlebten wir einen kleinen Kulturschock. Die ersten Stunden in unseren Zimmern im Hotel fühlten sich komisch an. Auf einmal sah man über sich nicht mehr den Himmel. Und auch das eingeschränkte Blickfeld durch die Fenster war sehr ungewohnt. Die Dusche hingegen war eine absolute Wohltat. Eine gute Stunde werde ich den warmen Wasserstrahl wohl genossen haben. Und da wir die Tage zuvor nur Trekkingfutter aßen, stürzten wir uns nach der Dusche auf einen nahegelegenen Fastfoodladen. Eine Schubkarre gebratene Würstchen mit einer weiteren Schubkarre Pommes stopften zumindest den größten Hunger. Am Morgen nach unserer Ankunft plünderten wir zum Frühstück das Büfett.

Abschied

Bank über dem Eisfjord in Ilulissat zum Sonnenuntergang
DIE Bank am Icefjord Ilulissat

Nach der Wanderung blieb ich noch ein paar Tage allein in Ilulissat, der Stadt der Eisberge. Schon beim ersten Besuch hatte mich der gigantische Eisfjord beeindruckt. Und auch der zweite Besuch war nicht weniger eindrücklich. Nur das ich dieses Mal keinem streng geflochtenen Zeitkorsett unterlag. Ich hatte drei volle Tage in Ilulissat nur für mich.

Zweifellos gehört für mich auch dieser dritte Trip nach Grönland zu den beeindruckensten Erfahrungen, die ich bisher machen durfte. Als ich in Kangerlussuaq in den Flieger Richtung Kopenhagen stieg, fasste ich bereits den Entschluss, zurückzukehren. Das machte mir den Abschied dann auch ein wenig leichter. Dass diese Rückkehr allerdings mindestens drei Jahre dauern wird, wusste ich 2018 zum Glück noch nicht. Die gebuchten Tickets für dieses Jahr, 2020, mussten wir leider aufgrund der Pandemie stornieren. Aber die Rückkehr selbst, steht definitiv fest. Einmal mit dem arktischen Virus infiziert, muss man immer wieder zurück.

Weitere Informationen zum Arctic Circle Trail

Unter Reisebericht Arctic Circle Trail gelangst du zur ausführlichen Beschreibung meiner Reise 2018.
Unter Reisebericht Laugavegur, Island findest du die Beschreibung unserer Anfängertour 2017 auf dem Laugavegur.
Bei Fragen zu meiner Reise könnt ihr mir aber auch gern eine Mail schreiben oder mich auf Facebook oder Instagram kontaktieren.

Auf Visit Greenland gibt es sehr viele notwendige und hilfreiche Tipps für das Reisen nach und in Grönland. Eine absolute Empfehlung!
Das bereits erwähnte Hotel Sisimiut bot 2018 eine sogenannte “Hikers offer” – drei Nächte zum Preis von zwei, inklusive Wäscheservice und Frühstück. Einfach der Wahnsinn!

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One comment

  1. Pingback: Der Sarek - eine atemberaubende Trekkingtour - Nørdwinkel

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